Kunst und Affirmation III: die ‘habituellen Linken’
Soweit zur ‘Seele’, um aber den Erfolg der Harzheim’schen Ideen zu verstehen, naemlich ‘links zu leben’ und rechtsextrem zu schreiben und zu denken, ist zweifellos eine genauere Studie der ‘Vordenker’ der neurechten Bewegung(en) in Deutschland vonnoeten, und wie ein wenig Stoebern kurzerhand aufdeckt: dieses Ineinandergreifen von scheinbar ‘sozialistischen Ideen’ und jenen des ‘Volkes’ findet man in Deutschland spaetestens seit den siebziger Jahren im Dunstkreis eines Henning Eichbergs am originellsten formuliert, weswegen wir uns diesem hier kurz zuwenden wollen. In Eichbergs Denken findet sich so ziemlich alles, das man im Kreuzberg der ‘Krisenjahre’ nicht geradezu bis zum Exzess gefunden haette: eine scheinbare ‘Entideologisierung’ des ‘rechts-links-Begriffes’ zugunsten einer wie von ihm formuliert eher ‘Habitus’-orientierten Deutung, in diesem Sinne waren die Nazis vor allem deshalb nicht links, weil sie ‘militaristisch, maennerzentriert und gewalttendent’ waren, andere, im ‘konventionellen Diskurs’ sozusagen ‘fehlgewichtete’ Eigenschaften der Nazis, als da waeren, ihr voelkischer Nationalismus, ihr Antisemitismus und Anti-Universalismus gerinnen da eher zur Fussnotenbedeutung und bleiben Eichberg so uebrig, sein ureignes ‘linkes Weltbild’ zu zimmern, Brodkorb und ‘Endstation rechts’ helfen gern:
(Frage)Habe ich das ansonsten richtig verstanden? „Links“ bedeutet für Sie, von unten zu denken, vom „Volk“, ausgehend vom Emanzipationsaspekt? Und „rechts“ bedeutet für Sie, in Hierarchien und von oben zu denken, ausgehend vom Herrschaftsaspekt?
Eichberg: Ja, das ist unter den Bedingungen der modernen Demokratie der grundlegende Widerspruch. Mit anderen Worten: Rechts denkt man von der Macht aus, sei es von der Macht des Marktes und des Produzierens oder von der Macht des Staates – und des Kriegs. Links denkt man vom Volk aus – wer immer das sei – und das ist der Blickwinkel von Kritik, Empörung, Veränderung oder auch – mit Peter Sloterdijk zu sprechen – Zorn. Zwischen diesen Grundhaltungen gibt es Übergänge und auch Mischformen, aber keinen Dritten Weg.
Soweit, so Kreuzberg-kompatibel, mit der kleinen Einschraenkung vielleicht, dass man unversehens das aufklaererische und in linken Kreisen nach wie vor nicht ganz untergegangene (allen Anthroposophen-Bemuehungen zum Trotz) Wort vom ‘Individuum’ durch das viel griffigere ‘Volk’ ersetzt (warum werden wir unten noch sehen) und unter diesem Gesichtspunkt gerinnt dann auch alles, was man ehedem vielleicht jenem ‘Volk’ haette ankreiden koennen, zu dessen legitimem Rechtsanspruch: der Antisemitismus der Deutschen und Europaer war ihre ‘Eigenart’ und Auschwitz ihre ‘Befreiung’, dass Brodkorb diese Art von Zuspitzungen in seinen Fragen tunlichst vermeidet, wirft nur ein Schlaglicht auf die ueberaus Nationalismus-affirmative Grundausrichtung des Gespraechs, die Eichberg ein weites Forum eroeffnet, seine Ideen von der Mitte nach links und zurueck nach rechts, gewissermassen, zu rollen, Grundthema seiner Identitaetsfindung war dabei immer sein regionaler Zusammenhang, wie er fast bei jeder Frage, die eigentlich seine eigentuemliche ‘Wendung’ von extrem-rechts nach ‘links’ in irgendeiner Weise glaubhaft machen will, einwirft, die Worte ‘linksnational’, ‘das Volk’, ‘die Befreiung der Voelker’ fehlen dabei in keiner seiner ziemlich eitlen Selbstbespiegelungen und lassen doch mit schoener Regelmaessigkeit den Machtbegriff genau dort auf wundersame Weise fort, sobald es darum geht, die Selbstbefreiung der achso unterdrueckten deutschen Nation mit den antikolonialen Befreiungskaempfen anderer Gesellschaften auf wirklich geradezu groteske Art gleichzusetzen:
Der eigentliche Perspektivenwechsel im Inhaltlichen, im ideologischen Überbau sozusagen, machte sich an der Bedeutung unterdrückter Völker und ethnischer Minderheiten fest. Hier spielten meine Irland-Reise 1971 und der Kontakt mit irischen Republikanern eine wichtige Rolle [koestlich]. (..) In der zweiten Hälfte der siebziger Jahre liefen diese Übergänge dann bei mir persönlich schrittweise auf eine neue Identität bei der Neuen Linken hinaus. Das wurde gefördert zunächst durch die Auflösungserscheinung der marxistisch-leninistischen Orthodoxie, also die Öffnung der Ex-Maoisten und Spontis, und dann durch Rudi Dutschkes Wendung zur nationalen Frage [!]. Sie machten es möglich, dass meine Artikel zur nationalen Frage jetzt in Zeitschriften des linkssozialistischen, antiautoritären und anarchistischen Spektrums erschienen. Meine politische Position speiste sich damals also aus vier Elementen: dem Verständnis der nationalen Frage als demokratische Selbstbestimmung und Abkoppelung vom westlichen Kapitalismus, dem Traum von einem genossenschaftlichen Sozialismus, der Demokratie als Kernfrage (dass mir dies erst so spät aufging, hatte ich auch mit der Neuen Linken gemeinsam; entsprechendes gilt für die Friedensfrage) sowie der grüne Frage. Und bei alledem stand immer der Kampf gegen die Globalisierung und den Neoliberalismus als Klammer und Quelle der Entfremdung im Hintergrund.
Sicherlich, bei alldem verschwindet vor allem das allzu ‘Voelkische’ im eigenen Denken elegant als eher sekundaerer Aspekt im Gefolge einer scheinbar natuerlichen ‘Oeffnung’ emanzipativer linker Positionen zum guten alten Nationalismus europaeischer Praegung, der ja rein gar nichts mit den Menschheitskatastrophen der vorangegangenen Jahrzehnte zu tun gehabt hatte, gewissermassen eher unverbunden neben diesen gestanden hatte und nur darauf gewartet hatte, von den emanzipativen Bewegungen der ‘Voelker’, namentlich aber ausgerechnet von Dutschke, Eichberg und natuerlich Brodkorb in seiner ganzen Unschuld (nur wozu eigentlich?) wiederentdeckt zu werden. In Daenemark angelangt endlich, frisch befreit von der Vergangenheit, ersetzt man das allzu negativ belastete Wort ‘voelkisch’ durch das ein wenig verniedlichende und Hippie-kompatible ‘volklich’ und folgert:
Damit [mit seinem Umzug..] verschwand die nationale Frage jedoch keineswegs. Sie nuancierte sich jedoch und stellte sich auf andere Weise. Das zeigte sich dann an meinem Milieuwechsel nach Dänemark 1982. Nun waren Milieu und Thematik bestimmt von Volkshochschule und linkem Volksbegriff (dänisch folk), Grundtvigianismus und “volklicher“ Kulturkritik, Insellagern und dänischer Hippiekultur, unorthodoxer Linker, Socialistisk Folkeparti, Dritte-Welt-Solidarität und skandinavischem “Linksnationalismus“.
Die Simplizitaet, mit der Eichberg in der Folge des Interviews sowohl den Extremismus- als auch den ‘rechts/links’-Begriff auf eine ziemlich heuchlerische ‘habituelle’ Ebene stellt, auf der jeder, der nicht per se ‘gewalttaetig’ ist oder offen militaristisch auftritt, als Linker und Nicht-Extremist erscheint, jeder der aber, aus welchen Gruenden auch immer, zur Gewalt neigt, und Arendt wuerde da ganz anders argumentieren, mehr oder weniger ein rechter Extremist ist, zeigt wieviel ihm die ‘Befreiung der Voelker’ in Wirklichkeit wert ist: in seinem Herzen ist Eichberg ein Salonfaschist, der gewissermassen die Dreckarbeit anderen, die ideologische Vorbereitung, eben exakt *indem* er die Ideologie, die Inhalte und die Ideen scheinbar verneint und sie durch seinen wohlfeilen Rotwein-Habitus ersetzt, aber zu seiner Sache macht. Selbstbefreiung der Voelker: bitte, aber nur innerhalb eines Ideenkosmos, in dem Machtdifferenzen, auf denen der europaeische Kolonialismus fusste, unsichtbar werden und damit die Gewalt gegen moerderische [europaeische!] Kolonialherrschaft in letzter Konsequenz auf derselben Skala wie die Gewalt der deutschen Nationalsozialisten erscheint, die nach Eichbergs Lesart und immer unausgesprochen nur dort nicht mehr ‘links’ waren, wo sie allzu rabiat auf den Massenmord konvergierten, alles andere ist/war aber nach Eichbergs Lesart mehr oder weniger unumgaenglich zur ‘Selbstbefreiung der [europaeischen] Nationen’ (“Balkanisierung fuer jedermann”). Abseits dieser Nationen (von ihm weiterhin archaisierend ‘Voelker’ genannt) aber existiert fuer Eichberg das Menschliche schlichtweg nicht und welche Gewalt, natuerlich niemals offen bejaht, allein in diesem Konstrukt steckt, verschweigen sowohl Interviewer als auch der Interviewte selbst wohlweislich, schliesslich hat sich Brodkorb ja nicht umsonst als grosser Sarrazin-Fan geoutet. Aber lesen wir vorlaeufig abschliessend an anderer Stelle einige klare Worte:
Neurechts-nationalrevolutionaer orintierte Vordenker wie Henning Eichberg traten breits ende der siebziger mit der Kampfansage “Ethnopluralismus gegen Universalismus” in Erscheinung. An die Stelle des menschlichen Universalismus sollte das “Nebeneinander” ethnisch homogener Gesellschaften treten. “Wer von den Voelkern nicht sprechen will, soll von den Menschen schweigen”, so Eichberg. Die Absage an das menschliche Gleichheitsprinzip wirkt identitaetsstiftend fuer saemtliche Stroemungen der extremen Rechten.
Im neurechten Weltbild ist es die ethnisch hergeleitete Nation, welche sich einer angeblichen ‘Fremdherrschaft’ zu erwehren hat. Das geistige Band, durch das jene ziemlich heterogenen Kraefte, die als ‘neue Rechte’ firmieren, zusammengehalten werden, bildet der voelkische Nationalismus-zugleich identitaetsstiftend fuer das gesamte Feld des organisierten Rechtsextremismus. Wie die ‘Rasse’, so ist auch die ‘Nation’ eine soziale Konstruktion, wobei letztere sich auf einen souveraenen Staat und dessen Gewaltmonopol bezieht. Nationalismus und Rassismus bilden als Ideologien sozialer Ungleichheit zwei Seiten einer Medaille.
..vielleicht hier zur Illustration ein paar Auszuege aus Thoralf Stauds Buch ‘Moderne Nazis’ zum Thema Eichberg:
“Eichberg hat sein Büro in einem idyllisch gelegenen
Haus auf dem Lande. Neben den Stufen zu seiner Tür steht auf
einem Blechschild »Hennings Himmel«. Dort sitzt er vor lan-
gen Bücherwänden, über dem Schreibtisch hängen Kinder-
zeichnungen, daneben ein grüner Wimpel, den er vor Ewig-
keiten bei einem Besuch im revolutionären Libyen geschenkt
bekam. Eichberg trägt Hemd, Strickjacke und Cordhose, die
wilde Lockenmähne ist grau geworden. Vom ersten Satz an
duzt er den Besucher. Sein Leben hat ihn politisch von ziem-
lich weit rechts nach ziemlich weit links geführt. Geblieben
ist seine Faszination für das Volk – sein neuestes Buch dreht
sich auf 200 Seiten um diesen »Körper der Demokratie«.
Für ihn ist »das Volk« die Instanz, die sich am erfolgreichsten
den Mächten und Systemen und auch den Zumutungen der
Globalisierung widersetzen kann. Wenn Eichberg über »das
Volk« redet, klingt er ein wenig, als sei er immer noch auf der
Suche nach einem revolutionären Subjekt.”
Modernisierung der ‘alten Rechten’ mit Hilfe ‘linker’ Ideen, Gleichsetzung von europaeischem Kolonialismus und alliierten Besatzern, Formulierung der ‘Opferrolle’ des ‘unterdrueckten’ deutschen Volkes:
” Eichberg schrieb auf Bitten Pöhlmanns ein Manifest für
die ANR – innerhalb einer Nacht. In jugendlicher Euphorie
und angelehnt an Marx’ Kommunistisches Manifest lautete
der erste Satz: »Neue Kräfte stehen in Europa auf.« In dem
Text finden sich bereits viele Formulierungen, die später in den
Papieren der verschiedenen Grüppchen der Neuen Rechten
wieder auftauchten – und sehr viel später in den Programmen
der NPD. Die »wissenschaftlich-technische Revolution«,
schrieb Eichberg, erfordere »eine Bewegung neuen Typs: den
Europäischen Sozialismus«. Diese »Neue Ordnung« sei eine
Fusion aus »persönlicher Freiheit, menschlicher Solidarität,
sozialer Gerechtigkeit und nationaler Selbstbestimmung«, sie
beruhe »auf dem natürlichen Wesen des Menschen und ist
daher lebensrichtig«. Das Manifest proklamierte: »Moderner Nationalismus ist antiimperialistisch«, nämlich gegen die Mächte gerichtet, die Deutschland besetzt halten, und
es erklärte »die Solidarität aller unterdrückten Völker«.”
Integration pseudowissenschaftlicher Ableitungen aus der Biologie, Betonung (angeblicher) biologischer Ungleichheit, Ableitung sozialer Differenzen von ‘Voelkern’ aus der Biologie, Verschraenkung dessen mit Oekologie, Abwertung des Individuums, Ableitung der sozialen und oekonomischen Fragen aus den ‘Prinzipien der [biologischen] Evolution’ [von wegen 'Sozialismus'..]:
“»Was die Sache des Volkes konkret bedeutet, darf nicht aus einem überholten Wissensstand oder aus dem Menschenbild vergangener Jahr-
hunderte abgeleitet werden«, verlangt beispielsweise das
Manifest der SdV/NRAO. Vielmehr brauche man »ein neues
Menschenbild, das auf den revolutionären Ergebnissen der
modernen Humanwissenschaften beruht. Die Verhaltensfor-
schung zeigt die Grundlagen des Nationalismus im Territori-
alverhalten. Genetik und Kulturanthropologie erhellen die
erblichen und die erworbenen Verschiedenheiten der Völker
und Kulturen. Die Ökologie offenbart die umfassenden Wech-
selwirkungen zwischen Mensch und Umwelt. Die Struktur-
geschichte erweist die Unterschiedlichkeit der nationalen
Wege zum Sozialismus. Daraus ergeben sich die Forderungen
nach: Selbstbehauptung und Wahrung der Vielfalt der Völker
und Kulturen, sozialer und nationaler Integration des Men-
schen in die solidarische Ordnung des Volkes, Beachtung der
Prinzipien der Lebenserhaltung und der Evolution in allen
ökonomischen, sozialen und technologischen Fragen.«”
Staud folgert daraus mit einiger Berechtigung:
“Solches Denken verwandelt Aufklärung und Französi-
sche Revolution zu Daten, mit denen der Niedergang der
Volksgemeinschaft begann. (Für Teile der Rechten liegt der
Anfang noch früher, nämlich bereits vor 2000 Jahren, als die
germanischen Naturreligionen vom monotheistischen Chris-
tentum verdrängt wurden.) Liberalismus und Pluralismus
werden zu Gegnern in einem Bürgerkrieg, einem Kreuzzug.
Dann ist es nur noch ein kleiner Schritt dahin, den Feind im
Weltjudentum zu personifizieren. Marxismus und Kapitalis-
mus gelten nur mehr als zwei Seiten einer (liberalistischen)
Medaille.”
Die Hoehergewichtung des ‘Volkes’ gegeneueber dem Individuum fuehrt letztlich in die Legitimierung der Aufgabe des individuellen Lebens zugumsten des ‘Volkskoerpers’, mit allen denkbaren Kosequenzen:
“»Wiederherstellung gesunder Umweltbedingungen«. In be-
merkenswerter Klarheit ist an dieser Stelle aber auch einmal
formuliert, was als letzte Konsequenz daraus folgt, wenn
man das Volk höher stellt als das Individuum: »Die staats-
bürgerlichen Rechte im erneuerten demokratischen Gemein-
wesen sind gebunden an die Inpflichtnahme des Staatsbür-
gers für die Lebenssicherung der sozialen Gemeinschaften.«
Das heißt: Wer nichts zum Überleben des Volkes beiträgt
oder beitragen kann, hat auch keine Bürgerrechte.”
Unfreiwillig komisch geraet Eichberg die Beschreibung seines ‘Scheiterns’ in der Begruendung neurechter Konzepte, man sei bei der ‘strengen wissenschaftlichen Begruendung der Ungleichheit’ zunehmend auf ‘Widersprueche und Sackgassen’ gestossen, schliesslich sei sein ‘Interesse an der NPD’ erlahmt und er habe es vorgezogen, Regionalpolitik bei den Gruenen zu betreiben, natuerlich kann sich hier niemand mehr ob der regionalen rassistischen Auswuechse gruener Befindlichkeiten wundern:
“Sie hätten damals »eine Weile lang versucht«, den »Respekt vor der Ungleichheit« konsistent und wissenschaftlich herzuleiten. »Aber das war eine Sackgasse«, sagt Eichberg. Immer wieder seien sie auf logische Widersprüche gestoßen, an Grenzen, es ließ sich einfach
nicht ernsthaft begründen. Irgendwann habe er davon abgelassen, anderes spannender gefunden, später »Erweckungserlebnisse in Gorleben« [!] gehabt, noch später Kommunalpolitik für die Grünen gemacht. Die NPD war »uninteressant geworden«, sagt er, er habe dann nicht mehr verfolgt, wie es in der Rechten weiterging.”
Und dann noch dieser Gipfelpunkt vielleicht dann doch ziemlich ‘essentiell deutscher’ Verlogenheit, wie Hannah Arendt so schoen sagte in ihren Reflektionen ueber den Eichmann-Prozess: “Die Verlogenheit war zum Volkscharakter der Deutschen geworden.”:
“Dort [in der NPD] kümmerten die »logischen Widersprüche« nie-
manden, dort sog man die Elaborate der Neuen Rechten
dankbar auf. Was sie damals niederschrieben, steht heute im
NPD-Programm. Eichberg guckt ungläubig, als er das hört.
»Wirklich?«, fragt er, schweigt kurz. Dann haut er mit der
flachen Hand auf den Tisch und sagt: »Scheiße!«”
Andreas
January 16, 2012 at 1:31 am
Stichwort Salonfaschisten: auf folgender kleinen Liste, von Unbekannt erstellt, finden sich Harzheim und Eichberg in trauter Einheit unter diesem gar netten Woertchen wieder und Brodkorb ist, es gibt doch noch ein paar aufmerksame denkende Menschen in diesem Land, auch nicht weit:
http://inrur.info/wiki/A:SALONFASCHISTISCHES_PERSONEN_ABC
Zum Thema Brodkorb lese man:
http://inrur.info/wiki/A:Verharmloser,_Gespr%C3%A4chspartner,_Liebling_und_T%C3%BCr%C3%B6ffnerder_klerikal-/salon-faschistischen_%22Neuen_Rechten%22
:Verharmloser, Gesprächspartner, Liebling und Türöffnerder klerikal-/salon-faschistischen “Neuen Rechten” und sein Projekt A:”Endstation rechts”
mit Shop, IPOD Gewinnspiel, angeschlossenem Verein…
* Hier spricht er sie pauschal vom Rassismus frei, den Antisemitismus der “Jungen Freiheit” thematisiert er erst garnicht:
Der metaphysische Nazi – Die SPD als nützlicher Idiot des bürgerlichen Lagers
Geschrieben von: Mathias Brodkorb Sonntag, 30. November 2008 um 22:22
http://anonym.to/?http://www.endstation-rechts.de/index.php?option=com_content&view=article&id=2454
* “Endstation Rechts” wird von A:Bernd Rabehl und anderen Salonfaschisten/”Neu Rechten” bevorzugt verlinkt und zitiert
bei Rabehl ist der Link einer von nur 8 Links, die Rabehl in seiner blogroll hat
Wer solche Freunde hat braucht keine Feinde mehr
* der Salonfaschist A:Klaas Baehre alias “Harki”/Jan Wilhelms/amyklai.net, Gestalter des A:Sezessionsblog,
Freund von A:Bernd Rabehl und dessen Lebensgefährtin A:Bärbel C. Richter,
schreibt regelmäßig auf A:”Endstation Rechts” und hat in seiner blogroll einen Extra “Endstation Rechts” Banner mit der Überschrift “Lobenswert” ”
(usw.)
Andreas
January 16, 2012 at 2:13 am
Noch einmal die unter (I) betrachtete ‘totale Mobilmachung’ aus der Sicht eines Vertreters der neuen Rechten, diesmal der oben erwaehnte Bernd Rabehl (wohnhaft in Berlin-Kreuzberg). Bernd Rabehl verlinkt in der Tat auf seiner homepage/blog die erwaehnte ‘antifaschistische’ ‘Endstation rechts’, sowie auch die ‘antikapitalistischen’ ‘Nachdenkseiten’ und die neurechte ‘Sezession’, der ‘Mobilmachung’ wiederum gewinnt er vor allem eine Deutung ab, die die deutsche Gesellschaft nach 1945, insbesondere die Praesenz der Alliierten, in einer Kontinuitaet des Niedergangs ‘konservativer Werte’ von ‘Sieg und Krieg’ sieht, der durch die Mobilmachung 1933 eingeleitet wurde. Der Duktus ist generell wirr und undeutlich, es wird aber klar, dass Rabehl in Juengers Tradition das ‘nivellierte Buergertum’ der Nachkriegszeit als Gegensatz zur militaerisch straffen Organisation und zu den ‘konservativen Werten’ der Vorkriegszeit als ‘melancholische Legenden’ generell sieht. Er stellt also den buergerlichen Materialismus der Nachkriegsjahre in einen direkten Gegensatz zum Heroismus der Jahre der ‘konservativen Revolution’, die Zeit der totalen ‘Mobilmachung’ gewinnt dabei eine zweideutige Stellung, dier er einerseits als Einleitung zum Abfall von ‘Sieg und Krieg’-Werten und andererseits als (offenbar zunaechst positive) Kehrseite der ‘nivellierten Mittelstandsgesellschaft’ sieht, die aber nach der Kapitulation allein uebrig blieb:
“Konservative Soziologen wie Helmut Schelsky, Arnold Gehlen, Dieter Claessens, Hans Freyer, Theo Pirker u. a., Offiziere der ehemaligen Wehrmacht, charakterisierten die „nivellierte Mittelstandsgesellschaft“ im westlichen Deutschland als die Kehrseite der „totalen Mobilmachung“ nach 1933, wovon Ernst Jünger, Carl Schmitt und General Ludendorf gesprochen hatten. Die „Frontgemeinschaft“ des „Arbeiters“, die den Offiziersingenieur und den Facharbeitersoldaten in den technisch identischen Sektoren von Produktion und „Blitzkrieg“ zusammenbrachte, zielte unter den Gesichtspunkten der Kampf- und Produktionskraft auf die Reduktion aller sozialen Unterschiede. Sie identifizeirte den „totalen Krieg“ mit einer „totalen Kriegsproduktion“, die alles verlangten, Eintracht, Gesinnung, Hingabe und Tapferkeit. Der soldatische „Arbeiter“ wurde angewiesen, sich einer einmaligen Disziplin, Gehorsam, Heroismus und ideologischer Einmütigkeit zu unterwerfen. Jenseits dieser Mobilmachung gab es keinen ideologischen Raum, der sich von Krieg und Sieg freimachen konnte. Bereits Josef Goebbels wußte, daß das Unpolitische eine politische Qualifikation erreichte, blieb es als privates Vergnügen in den „Aufgaben des Krieges“ eingebunden. Die unpolitische UFA oder der Heimatroman unterstützen die Arbeits- und Wehrbereitschaft. Nach der Kriegsniederlage oder nach dem Kollaps der totalen Mobilmachung blieb die „unpolitische Gleichheit“ Kennzeichen für Fleiß und Hingabe, deren Akteure jedoch auf den privaten Konsum und den Markt nivelliert wurden. Der Arbeiteroffizier oder der Arbeitssoldat fuhren jetzt Mercedes oder VW über die „Heerstraßen“ der Autobahn und pflegten lediglich die Erinnerung an den „großen Krieg“. Die Soziologenoffiziere wußten, daß mit der Kapitulation 1945 die konservativen Werte von Krieg und Sieg sich auflösten. Sie büßten ihre „funktionale Größe“ ein. Die Traditionen wurden durch die Siegermächte zertrümmert und die sozialen Träger des Konservatismus verloren ihren Rückhalt in Armee, Militärführung, im Staat, Kultur, Großgrundbesitz und in der allgemeinen Akzeptanz. Die konservativen Werte ließen sich von den nachfolgenden Literaten und Gymnasiallehrer lediglich als „melancholische Legenden“ reproduzieren. Enteignungen, Säuberungen und die Transformation der Gesellschaft in eine „amerikanische Republik“ nahmen dem alten Konservatismus die sozialen und die ideologischen Wurzeln und das würdevolle Auftreten. Seine Erusion hatte mit der totalen Mobilmachung in der NS – Diktatur eingesetzt.”
Man beachte die gewendeten Schuldzuweiseungen: Marcuse, den Rabehl in anderen Artikeln als angebliche Inspirationsquelle preist, weist wie gesehen eine direkte Linie zwischen buergerlich-liberaler Kultur und Gesellschaft und der ‘totalen Mobilmachung’ nach und verweist gleichfalls auf deren Selbstaufhebungstendenzen im falschen ‘Heroismus’. Fur Rabehl jedoch ist dieser Heroismus jener ‘Urzustand’ der deutschen Gesellschaft, der zuerst, naemlich in den gesellschaftlichen Umwaelzungen des 19. Jahrhunderts in die ‘nivellierte Mittelstandsgesellschaft’ beschaedigt wird und hernach in der totalen Mobilmachung den Niedergang als die Nivellierung aller sozialen Unterschied erfaehrt (angeblich, in Wirklichkeit bestanden diese Unterschiede natuerlich bis zuletzt). Der Heroismus aber ist das was in einer Art kontinuierlichen Weiterfuehrung der Effekte der ‘Mobilmachung’ durch ‘Enteignungen und Saeuberungen’ durch die Alliierten letztlich als ‘melancholische Legende’ verbleibt, er wird als als eine der treibenden Faktoren und als Kontinuitaetsgroesse im Uebergang von der buergerlichen Gesellschaft in deren totale Mobilmachung gaenzlich ausgeblendet. Statdessen gerinnt das ‘wuerdevolle Auftreten’ des ‘alten Konservativismus’ zu eigentlichen Opfer des Krieges, das nach der Kapitulation seinen weiteren Niedergang in der ‘Zertruemmerung durch die Siegermaechte’ erfahert.
Wes Geistes Kind Rabehl weiterhin in Wirklichkeit ist, wird in kurzen und abgruendigen Saetzen wie dem folgenden nur allzudeutlich, in denen er die Nuernberger Prozesse als ‘Rachejustiz’ und die (nicht wirklich stattfindende) Entnazifizierung nach 1945 als ‘Umwertung der deutschen Ideologie und Neupdiposition des Volkscharakters’ beschreibt. Wir erinnern uns, im Zuge der Nuernberger Prozesse kam es am Ende zu der Vollstreckung von wenig mehr als einem dutzend Todesurteilen, die meisten Todesurteile wurden in Gefaengnisstrafen ungewandelt, das Gros der einige Tausend angeklagten Nazischergen kam am Ende mit Bewaehrungs- und Geldstrafen davon.
“Die „Entnazifizierung“ und „Umerziehungen“ im Westen folgten langfristigen Plänen und verzichteten nach 1948 auf polizeiliche Eingriffe und Verhaftungen. Eine „Rachejustiz“ gegen die Spitzenfunktionäre der Nazidiktatur erlangte über die „Nürnberger Prozesse“ Weltruhm, wurde jedoch mit der Gründung des neuen Weststaates weitgehend aufgegeben.
Ein Mißtrauen gegen den „deutschen Charakter“ oder den „deutschen Geist“ blieb bestehen. Die alliierten Psychologen diskutierten eine langwierige „Umwertung“ der deutschen Ideologie und die Neudisposition des „Volkscharakters“. Diese Aufgaben konnten kaum über „Aufklärung“ und Agitation bewältigt werden. “
Andreas
January 16, 2012 at 6:39 pm
..vielleicht noch einmal kurz zu einem (scheinbar) ganz anderen Thema: der offenbar seltsam gehaeuften Distribution von ‘Wunderkindern’ unter Zoeliakie-Kranken im ‘Westen’, wir hatten diese Kombination aus exogener Beeinflussung durch exzitatorische Neurotransmitter (in westlichen Getreiden), getreideinduziert hochpermeabler Darmwand und (ebenso getreideinduziert) entzuendlichen Prozessen im Gehirn ja schon einmal als dessen vermutlich wesentliche Ursache diskutiert. Meines Wissens nach gibt es nach wie vor keine empiririschen Untersuchungen zum Thema Zoeliakie/chronisch entzuendliche Darmerkrankungen und intellektuellen/mathematischen Faehigkeiten, geschweige denn im Kontext sog. ‘Wunderkinder’. Dass aber genau diese Wortkombination ‘Zoeliake Wunderkinder’ sich in meinem wordpress-monitor als Suchbegriff fand, scheint mir einmal mehr einer dieser seltsamen Belege aus den Reichen der sog. Schwarmintelligenz zu sein und siehe da, man findet auch im wikipedia gar seltsames, Zoeliakie-Wunderinder gab es schon vor fast 300 Jahren, die Krankheit allerdings war damals unbekannt:
http://de.wikipedia.org/wiki/Christian_Heinrich_Heineken
“Heineken war bereits im Alter von zehn Monaten in der Lage, alle Gegenstände zu benennen und Bilder zu erklären. Bald darauf konnte er lesen und zeichnete sich durch enorme Gedächtnisleistungen aus – so rezitierte er z. B. große Passagen aus der Bibel auswendig und zeigte breites geographisches, geschichtliches und mathematisches Wissen. Heineken beherrschte zweijährig schon Latein und Französisch und verfasste mit drei Jahren eine Geschichte Dänemarks. Der dänische König Friedrich IV., der ihn am 9. September 1724 zu einer Audienz empfing, bezeichnete ihn als ein „Miraculum“. Immanuel Kant nannte ihn ein „frühkluges Wunderkind von ephemerischer Existenz“ und eine „Abschweifungen der Natur von ihrer Regel“. [1] Der Komponist Georg Philipp Telemann verfasste mehrere Gedichte auf sein kurzes Leben.
Die Berühmtheit Heinekens, die von seinen Eltern, dem Lübecker Maler und Architekten Paul Heineken und der Blumenmalerin, Kunsthändlerin und Alchimistin Catharina Elisabeth Heineken, gezielt gefördert wurde, führte dazu, dass er ständig auftrat und zeitweilig auf Reisen war. Die Öffentlichkeit honorierte diese Auftritte zwar mit Begeisterung, für die Familie und insbesondere das Kind waren sie jedoch zunehmend eine Belastung.
Heineken starb nach mehrmonatiger Leidensphase an der seinerzeit unbekannten Zöliakie. Dass er überhaupt so alt wurde, war seiner Amme Sophie Hildebrandt zu verdanken, die ihn jahrelang gestillt hatte. Die zunehmende Ernährung mit Getreideprodukten führte zu seinem Tode.”
(seltsame Ferndiagnose im uebrigen, der Fall wirft allerdings einige Fragen auf)
Andreas
January 17, 2012 at 6:19 pm
Um auch dies noch einmal zu erwaehnen: man muss sich fragen, eingedenk der Tatsache, dass diejenigen, die die ‘Junge Freiheit’ fuer eine normale konservative Zeitung halten und Harzheim fuer einen guten Dramaturgen und netten Kerl, man muss sich also fragen, welchen Grund die deutsche ‘Linke’, vor allem aber die Berliner ‘Linke’ bot, um Menschen, die Nationalismus und anti-Universalismus eigentlich scheuen muessten wie das Weihwasser, naemlich etwa solche mit juedischer Familiengeschichte, die Gesellschaft der Juenger- und Spengler-Huldiger vorziehen zu lassen. Und wir glauben tatsaechlich, dass es weniger die altbekannte weidlich undifferenzierte ‘Anti-Israel’ oder ‘Anti-USA’ Haltung weiter Kreise der deutschen ‘ethnopluralen’ Linken ist, die genau dies bewirkte, sondern ganz im Gegenteil die Dinge weitaus tiefer liegen und etwa die Haltung so einiger Linker, flammende Artikel gegen Rassismus zu schreiben, gar nach juristischer Ahndung jeglicher Formen von rassistischen Aeusserungen zu rufen und gleichzeitig in ihrem ‘hausblog’ kaum halbherzig sanktoniert die allfaelligen Praesentationen der ‘anderen’, die sich zudem mitunter mangels Sprachkenntnis kaum wehren koennen, einem islamophoben Mob zu ueberlassen, beruehren. Vielleicht sind es aber auch jene Doppelstandards, die etwa Tanja Dueckers in der SZ polemisch nach zumindest kultureller Sanktionierung von ‘Schwabenhetze’ in Prenzlauer Berg rufen lassen, gar flammend die Gewalt gegen ‘Schwaben’ anprangern, von ‘Linksreaktionaeren’ reden, wo die wirklichen ‘Linksreaktionaeren’, siehe Rabehl und Konsorten, sich nicht einen Moment mit dem ‘Schwabenproblem’ abgeben wuerden, ganz andere Ziele haben und zudem dabei quasi die Normalitaet der brennenden Treppenhaeuser in den ‘Migrantenbezirken’ einfach unerwaehnt zu lassen, auszublenden, als habe es gerade hier nicht seit Jahren Faelle im DUTZEND gegeben, von denen man sagen muss: hier wird und wurde die Suche nach den wirklichen Taetern wahrscheinlich seit Jahren im Stile des Verfassungschutzes gefuehrt, naemlich ziemlich armsteif und womoeglich unter mehr oder weniger offener Kumpanei mit den Taeterkreisen. Und man sagt sich womoeglich: wenn unter all diesen Linken vor allem dieser saturierte Habitus bleibt, so ein Glaube, die Absage an koerperliche Gewalt, womoeglich ein gar zu billiger Wohlstandspazifismus, dieser herablassende Blick auf die unzivilisierten armen Laender dieser Welt, die man spaetestes nach vier Wochen gluecklich und geschafft verlaesst, wuerde schon die ‘Linke’ hinreichend definieren, dann kann man sich vielleicht mit einigem Recht fragen: warum dann nicht gleich die Gesellschaft derjenigen suchen, die gewissermassen ehrlich sind, die sich nicht wie Constanza Macras fuer hip, links und underground halten und gleichzeitig den Triumph, in der Schaubuehne zu spielen gewissermassen als den Hoehepunkt ihrer Karriere betrachten, in Prenzlauer Berg abhaengen, im Bioladen, Liebhaber haben, die so steif-germanisch aussehen, dass man glauben muss, sie waeren mit der Jungen Freiheit unterm Arm GEBOREN worden–nein, warum dann also nicht gleich die Gesellschaft derjenigen suchen, die zumindest gar nichts anderes suggerieren als das zu sein was sie zelebrieren und Harzheim suggeriert zumindest nicht, etwas anderes als linksnational zu sein, linksethnoplural, von ‘links’, also so ein wenig von ‘unten’ auf die Voelker und auf die Determiniertheit der Menschen durch ihre ‘spezifische Kultur’ zu starren, warum dann nicht gleich konsequent sein und mit den ‘ehrlichen’, oder zumindest in diesem Sinne einen Hauch weniger Verlogenen auch offen paktieren? Insofern, so muss man sagen, kann man es kaum als einen Zufall betrachten, dass die Frauen, die diesen scheinbaren ‘Pakt mit dem Teufel’ eingehen, keine Eva Hermans sind, dass sie–gar im Wortsinne–starke Frauen sind, unbedingte Frauen, unerschrockene Frauen, die ihnen fast unbekannte Maenner abends im Theater ansprechen und sich von ihnen nehmen, was sie in diesem Moment zu brauchen wissen, Frauen die die Welt gesehen haben: Neapel, Montreal, Amsterdam, Kalkutta, die ueberall zuhause waren, schon nach ein paar Tagen. Frauen, die die Welt im guten kennen, aber auch im Boesen und die keine Angst haben. Angst vor niemandem.
Andreas
January 17, 2012 at 9:31 pm
.. dass auch in Frankreich populaere Kuenstler Schemen von ‘blackface’-Inszenierungen btw. ‘cultural appropriation’ sowie die verzerrte Darstellung von Sinti und Roma zum Zwecke hoeherer Verkaufszahlen in ihren Videos auszunutzen imstande sind, ohne aber groessere Proteste zu provozieren, zeigt das finnisch-franzoesische Duo ‘The Dø’ in ihrem Video ‘Slippery Slope’ einerseits bzw. ‘The Insistent’ andererseits. Dass diese gewissermassen ‘spielerischen’ Umgehensweisen mit Rassismus/abwertenden Stereotypen/kultureller Appropriation von Leuten durchgefuehrt werden, die in ihren Interviews schon einmal so tun, als haetten sie von Strawinsky ueber Bartok bis Debussy die gesamte europaeische Klassik des 20. Jahrhunderts gewissermassen zum Fruehstueck inhaliert, kann dabei kaum ueberraschen: wir sind zu intelligent, um uns von ‘denen’ etwas sagen zu lassen, wie schon im Falle Hallervorden offensichtlich, den im uebrigen der oben hinreichend als ‘alt-68er’-Nazi enttarnte Bernd Rabehl auf seiner homepage/blog als ‘letzten Anarchisten’ gewissermassen in den hoechsten Toenen lobt, sicher kein Zufall, da haben sich zwei Freunde gefunden, wir verlinken diesen Muell hier einmal nicht. Doch zurueck zu unseren Freunden von ‘The Dø’. Ueber das erste unten angefuehrte Video liest man im US-blog ‘Intelligence has been compromised’:
http://intelpromised.blogspot.com/2010/12/d-slippery-slope-is-kind-of-racist.html
“I’m guessing this is the Japanese version of doing black face? I can’t help but feel uneasy watching the video and while the song has its moments its ultimately silly sounding especially while watching the video.”
Und in der Tat sieht mn die blond gefaerbte Saengerin des Duos, Olivia Merilahti, deren Augenbrauen jedoch dick schwarz nachgezeichnet sind, in jenem Video zunaechst in schnellem Wechsel mit offenbar tradtionellen japanischem Masken, Taiko-Performances in einer Art Kimono auftreten, dazu tanzt Merilahti in einer Gruppe von maskierten ‘Ninja-Kaempfern’, die man jedoch durchweg in gebeugter Haltung die diese deshalb um eine halbe Koerperlaenge ueberragenden Merilahti umgeben laesst, in einer offenbar betont laecherlichen Choreographie. Zusammen mit der dann doch eher schlichten Melodiefuehrung ergibt sich das Bild einer rassistischen Groteske. Noch deutlicher wird der Rassismus des Duos in dem Video ‘Too insistent’ (s.u.) inszeniert, das eine strahlend junge und schoene Merilahti als gewissermassen mythischen Schneewittchen-Gegenpol zum Tanz eines fast tierhaft-unheimlich dargestellten aelteren Paares darstellt, das offenbar als Roma-Paar perzipiert werden soll. Alles in allem, insbesondere auf dem Hintergrund der Belanglosigkeit der involvierten Musik und Texte, ein überaus befremdliches Aergernis, das dem scheinbar ‘multikulturell-kosmopolitischen’ Selbstverstaendnis des Duos eine durchaus sehr duester-primitive Note verleiht, aber wie schon im Falle Hallervorden muss man mutmassen: genau das ist gewollt, man will sich auf dem Hintergrund einer wahrscheinlich ja sehr bewusst wahrgenommenen ‘PC-Dominanz’ als die ‘Vorreiter’ einer Avantgarde der ‘nicht-Konformen’ praesentieren, dass man sich in wirklichkeit nur als ‘ueberlegener weisser Europaer’ stilisiert und damit Mainstream-Nummer-eins-Hitparaden-kompatibel gerade im stetig nach rechts driftenden ‘Europa der Krise’ ist, verneint man geflissentlich und dass der gutgemeinte Hinweis auf jenes Duo den Autor ausgerechnet aus Reinickendorf erreichte, kann im Kontext auch nicht mehr verwundern. Rassismus ist wieder Pop, das ist die zentrale Lehre aus diesen Jahren der ‘Krise’ des europaeischen Selbstverstaendnisses, ueber die Abwertung der ‘anderen’ vrsucht man an Terrain zurueckzugewinnen, was man andersnorts oekonomisch verlor und diese ‘Profilbildung’ findet heute wie eh und je unter anderem auch auf dem Ruecken der Schwaechsten statt.
Andreas
January 27, 2012 at 7:51 pm
..das folgende Dokument wiederum zeigt klar, dass auch ‘The Dø’, bevor der Erfolg sie zu blondgefaerbten Ego-Monstren mit kindischem Rassismusspleen machte, faehig waren zu LEBEN, das Video von 2008 zeigt eine Olivia Merilahti, deren Gefuehlstiefe den gesamten Rest der Anwesenden zu einer Ansammlung roboterhaft-klatschender Zombies mutieren laesst und wieder einmal fuehlt man sich an Marcuse erinnert: der Kuenstler in der fuer den Krieg gemachten Gesellschaft, nach Arendt der auf die pure Notwendigkeit des ‘animal laborans’ reduzierten Gesellschaft, ist der einzige, der das Gegenbild vom richtigen Leben, um nicht zu sagen, vom Leben schlechthin in einer fragilen und jederzeit durch die prekaeren Rahmenbedingungen des falschen Lebens zum Verloeschen zu bringenden Unbedingtheit demonstiert und in einer fast verzweifelten Intensitaet anprangert. Insofern war dieses Lied, gleichwohl von der Presse und von der Band selbst als eher harmloser ‘Indiesong’ deklariert und wiewohl vom technischen Standpunkt aus wenig bemerkenswert, von einer Tiefe, die die spaeteren Erzeugnisse, wiewohl mit ungleich praetenzioeserer Emphase vorgetragen, nicht mehr erreichten. Und wieder hat, so muss man mutmassen, die ‘Notwendigkeit’ ueber die Autarkie und den Eigensinn des Individuums des Kuenstlers gesiegt und das Aufnahmemedium, die Moeglichkeit die Zeit einzufrieren, verschleiert, das diese Gesellschaft in Wirklichkeit mit jedem Tag aufs Neue die Kunst und damit die Menschen ermordet auf dem Altar ihrer Konventionen, falschen Notwendigkeiten und gewalthaften Unterdrueckung des letzten Widerstandes gegen den Untergang alles Menschlichen.
Andreas
January 29, 2012 at 10:31 pm