Kunst und Affirmation I: eine Einleitung
Weiterhin hoechst faszinierend ist, und diese Beobachtung wird uns zu einer Serie von neuen Beitraegen überleiten, die sich vorwiegend mit dem Thema ‘Kunst und Affirmation’ beschaeftigen sollen, dass man in Deutschland, vor allem aber in Berlin in den Jahren der ‘Krise’ ohne weiteres offen und ohne dies in irgendeiner Weise zu bschoenigen, mit dem Chefredakteur der seit neuerem irgendwie hippen Rechtsaussen-Postille ‘Junge Freiheit’, Dieter Stein, facebook-befreundet sein kann und doch- oder gerade deshalb- eine beeindruckende Liste von Kuenstlern, wie wir schon diskutierten, vor allem aber Kuenstlerinnen, Schauspielerinnen und ‘IntellektuellInnen’ haben kann, die sich allesamt offenbar mit dem Gedanken entschuldigen, es in jenem leidenschaftlichen Junge-Freiheit- und E. Juenger-Fan gewissermassen mit einem ganz und gar als ‘outlaw’ und heroisch Vereinzelten zu verstehenden Charakter des deutschen Befindlichkeitsspektrums zu tun zu haben. Dass sich einige dieser Schauspielerinnen folgerichtig in Theaterunternehmungen betaetigen, die unter dem Mantel Ernst Juenger zu ‘kritisieren’, dessen blauaeugige, kindliche und am Bodensatz seiner ‘Facetten’ faschistische Unterordnung in der ‘Totalitaet des Lebens’ und Verherrlichung von ‘Staerke’, mithin Gewalt, nonchalant und hoechst unterhaltsam aufnehmen, ficht ganz offenbar keinen von Ihnen an. Dass zudem neben dem ‘hippen’ Friedrichshainer Harzheim vor allem wirklich fiese Nazis (siehe Rabehl), Holocaustleugner, Frauenfeinde und erzrechte Nationalisten fuer die Junge Freiheit schreiben, ficht diese KuenstlerInnen scheinbar ebensowenig an, solange man diese Nationalismen, Chauvinismen und Rassismen mit dem guten und allseits, also auch auf NPD-Seite, ja bekanntermassen bejahten, ‘Ethnopluralismus’ (deutscherr Praegung) erklaeren kann und Oswald Spengler von Leuten, die nichtsdestotrotz gleichzeitg seltsamerweise auf Seiten wie dieser als Nazis gefuehrt werden, zu einem Naturliebhaber und Denker stilisiert wird, der eben die ohnehin zweifelhafte Zivilisation immer schon als jenseits und Antagonist der Kunst verortet hat. Dieser Begriff von Kunst aber, der gewissermassen so tut, als sei das Materielle’, aber auch die ‘Vernunft’, die Wirklichkeit, kein Gegenstand von Kunst, sondern befinde sich gewissermassen in staendigem ausschliessendem Widerstreit mit den ewigen ‘Inneren’ Elementen des Seins, in denen man das Reich des Schoenen allein vermutet, so als muesste man die Seele, die irgendwo im ewigen Tierischen wurzelt, gewissermassen fuerderhin weiter nach ‘innen’ befreien, und nicht nach aussen, also in ihre Konkordanz mit den materiellen Verhaeltnissen, wird uns noch laenger, vor allem mit Texten von Herbert Marcuse, zu beschaeftigen haben. Aber vielleicht findet man den eigentlichen Grund fuer diese stupende Politik- und Ratioverachtung weiter Kreise des ‘kuenstlerischen Berlins’ in Wirklichkeit in den affirmativen Wurzeln der buergerlichen Kunst, affirmativ in genau dem Sinne, Seele und Koerper zu trennen, politische Wirklichkeit und ‘Innenschau’ und materielle Armut und Abhaengigkeit, Verfolgung von ‘ethnisch unpassenden’ Elementen mit gleichsam dem ewigen Kampf der Elemente ‘zu erklaeren’ und gleichzeitig die Verfolgten und Geknechteten ‘nach innen zu befreien’, waehrend die ueblichen Eliten, siehe Harzheim, siehe Udo di Fabio, siehe Sarrazin, sich ob der Naivitaet ihrer heimlichen Bewunderer und Affirmierer aus der zweiten Reihe des nationalen Kuenstlertums ins Faeustchen lachen. Aber nein, wir vergassen, die Affirmierer treten ja heute, wie ehedem, mit dem ‘Occupy’-Banner in der Hand ebenso auf und gaukeln vor, das ‘Andere Leben’ begaenne schon, wenn nur endlich die Banken verstaatlicht oder doch zumindest entjudet, wie man kaum unterschwellig an jeder Ecke lesen muss, waeren, wie konnten wir dieses alles entscheidende Detail uebersehen, das die Einsamen und Vernunft-Eckensteher von denjenigen unterscheidet, die innerhalb ihres Heroen-Status bei ihren kleinen, ziemlich abhaengigen und allesamt irgendwie suedlichen Kreuzberger Filmstudentinnen erfolgreich und dutzendweise ihren Doedel zu deponieren zu wissen, schliesslich wirkt ja die heroische SS-Stiefelaesthetik noch bis ins Berlin der Postmoderne fort, wovon sich jeder mit einem Blick in die buergerlichen ‘Szenebezirke’ dieser schoenen Stadt ueberzeugen kann. Aber lesen wir zur Einstimmung und als Versuch einer Erklaerung vielleicht dies (Marcuse: Kultur und Gesellschaft I [1934-38], Kapitel Über den affirmativen Charakter der Kultur):
Wie sehr die idealistische Innerlichkeit mit der heroischen Aeusserlichkeit verwandt ist, zeigt beider gemeinsame Frontstellung gegen den Geist. Neben der Hochschaetzung des Geistes, welche in einigen Bereichen und Traegern der affirmativen Kultur charakteristisch war, ging immer schon eine tiefe Verachtung des Geistes in der buergerlichen Praxis einher, die in der Unbekuemmertheit der Philosophie um die wirklichen Probleme der Menschen ihre Rechtfertigung finden konnte. Aber noch aus anderen Gruenden war die affirmative Kultur wesentlich eine Kultur der Seele, nicht des Geistes. Auch wo er noch nicht verfallen war, war der Geist immer schon etwas verdaechtig: er ist greifbarer, fordernder, wirklichkeitsnaeher als die Seele, seine kritische Helle und Rationalitaet, sein Widerspruch zu einer vernunftlosen Faktizitaet ist schwer zu verbergen und zum Schweigen zu bringen. Hegel passt schlecht in den autoritaeren Staat. Er war fuer den Geist; die Neueren sind fuer Seele und das Gefuehl. Der Geist kann sich der Wirklichkeit nicht entziehen, ohne sich selbst aufzugeben; die Seele kann und soll es.
Der Umschlag aber von der ‘Erloesung der Seele’ in der affirmativen buergerlichen Kultur zur totalen Mobilmachung der Koerper und der Verstuemmelung und Ausrottung des Geistes war nach Marcuse nur ein zwangslaeufiger Schritt, die Vorbereitung des totalitaeren Staates:
Das seelenvolle Individuum fuegt sich leichter, beugt sich demuetiger unter das Schicksal, gehorcht besser der Autoritaet. Es behaelt ja den ganzen Reichtum seiner Seele doch fuer sich und kann sich tragisch und heroisch verklaeren. Was seit Luther ins Werk gesetzt wurde: die intensive Erziehung zu inneren Freiheit, traegt jetzt die schoensten Fruechte, wo die innere Freiheit sich selbst zur schoensten Unfreiheit aufhebt. Während der Geist dem Hass und der Verachtung anheimfaellt, bleibt die Seele teuer.(..) Die Feste und Feiern des autoritaeren Staates(..) die Reden seiner Fuehrer sprechen weiter zur Seele. Sie gehen zu Herzen, auch wenn sie die Macht meinen.
..und wer naiverweise glaubte, Harzheims Heroismen, sein ‘Untergrundstatus’ in seiner Fangemeinde, seine zum Teil bewusst-demonstrativ auf Zertruemmerung ‘buergerlicher Normen’ zielenden Stuecke wuerden obiger Deutung von der affirmativen Gestalt der mit ihm assoziierten Theaterformen widersprechen, eine seiner erwaehnten Freundinnen etwa wandte sich in einem Gesprach mit dem Autor juengst gegen alles, was mit buergerlicher Kunst, buergerlichem Theater im herkoemmlichen Sinne zu tun haette, der missversteht die Wesensstruktur der ‘konservativen Revolution’ der zwanziger und dreissiger Jahre des letzten Jahrhunderts, die fuer Harzheim der philosophische Konvexpunkt ist. Wie Juenger geht es Harzheim um die letzte Aufloesung herkoemmlicher liberalistischer Ausrichtungen des Buergertums, als da waeren Individualismus, Rationalitaet, eine gewisse Orientierung am Materialismus, all das sind Themen die der totalen Mobilisierung der Massen im totalitaeren Staat natuerlich widersprechen und in dem dieser sich tendenziell selbst aufhebt. Aus dieser Perspektive ist das Buergertum und sein mit der affirmativen Kunst verbandelter Liberalismus, aus dem der totalitaere Staat exakt erwaechst, ploetzlich der Feind, wir zitieren Marcuse weiterhin:
“Das Bild der heroischen Gestalt der affirmativen Kultur ist am schaerfsten waehrend der ideologischen Vorbereitung des autoritaeren Staates gezeichnet worden. Man wendet sich gegen den ‘musealen Betrieb’ und gegen die ‘grotesken Erbauungsformen’, die er angenommen hat [diese und alle weiteren Zitate hier aus E. Juenger: Der Arbeiter. Herrschaft und Gestalt, 1932]. Dieser Kulturbetrieb wird von den Anforderungen der totalen Mobilmachung her beurteilt und verworfen. er stellt ‘nichts anderes dar als eine der letzten Oasen der buergerlichen Sicherheit. Er liefert die scheinbar die scheinbar plausibeleste Ausflucht, mit der man sich der politischen Entscheidung entziehen kann.’ ”
Man beachte die Wendung des Begriffes der ‘Politik’ durch Juenger, die Politik ist solange fuer die Kultur irrelevant, solange sie NICHT den Zielen der totalen Mobilmachung des Individuums innerhalb der ‘hoeheren Ziele’ des totalitaeren Staates dient, sie wird dann zu deren Substitut, sobald sie in letzteren aufgeloest wird.
“‘Wir leben in einem Geschichtsabschnitt, in dem alles abhaengt von einer ungeheuren Mobilmachung und Konzentration der Kraefte, die zur Verfuegung stehen.’[ebenda] Mobilmachung und Konzentration wozu? Was Ernst Juenger noch als die rettung der ‘Totalitaet des Lebens’, als Schaffung einer heroischen Arbeitswelt und dergleichen bezeichnet, enthuellt sich im weiterne verlauf immer deutlicher als die Umformung des gesamten Daseins im Dienst der staerksten oeknomischen Interessen. Von ihne her sind auch die Forderungen nach einer neuen Kultur bestimmt.”
Juenger wird im weiteren noch deutlicher, wir zitieren weiterhin Marcuse:
“Die notwendige Intensivierung und Expandierung der Arbeitsdisziplin laesst die Beschaeftigung mit den ‘Idealen einer objektiven Wissenschaft und einer Kunst, die um ihrer selbst willen besteht’, als Zeitverschwendung erscheinen.(..)’Unsere ganze sogenannte Kultur’ vermag ‘selbst den kleinsten Grenzstaat nicht an einer Gebietsverletzung zu hindern’; gerade darauf aber kommt es an. die Welt muss wissen, dass die Regierung keinen Augenblick zoegern wuerde, ‘alle Kunstschaetze der Museen an den Meistbietenden zu versteigern, wenn die Verteidigung es erforderte [E. Juenger, ebenda]‘.”
Um es noch einmal zusammenzufassen: die affirmative Kunst, und dazu zaehlt insbesondere auch die Auslotung des Seelenheils einer Lucia Joyce im lebenslangen Kampf mit ihrem ‘ueberlebengrossen Vater’ James Joyce (siehe H. Harzheims Dramturgenfundus) gewinnt im liberalistischen Buergertum der ‘Friedenszeiten’ die Funktion, die Loesung der realen Probleme ins ‘Innere’ der Kunstrezipienten zu verlagern und damit die die Privilegien beanspruchenden Vertreter des herrschenden Buergertums zu beruhigen, eine aehnliche Funktion nimmt heute in buergerlich-affirmativen Kreisen (siehe die Kreuzberger Food-Coop Schinke09) die exemplarische Schaffung von ‘gerechten Handelsnormen’ fuer eine verschwindende Minderheit der am globalen Handel teilhabenden unterdrueckten Gesellschaften ein, dass diese Strukturen nicht zur globalen Norm werden (koennen), ist dabei unausgesprochener Konsens innerhalb dieser Sphaeren: geht es doch vor allem um eine symbolische Schaffung von punktueller ‘Gerechtigkeit’, niemals um unfassende Gleichheit, die die eigenen Privilegien ueber Nacht abschaffen wuerde (etwa mit trivialen Programmierfaehigkeiten als Europaer einen hohen Lebensstandard zu erreichen). So korrespondiert also die Bioelite mit der Kunstelite mit der Feinkostelite dieser Gesellschaften und konkurriert um eine umfassende Wendung der Loesung der realen Probleme dieser Welt in ein Utopia, das ebenso dem Bereich des Schoenen und Unerreichbaren gleichkommt wie es Sasha Waltz Koerperprojektionen an der Schaubuehne immer taten. Denn es geht ihnen nicht um die geschundenen Koerper, niemals um das Leiden der Verfolgten und Geknechteten, es geht ihnen um ein abstraktes Glueck, um eine nur im abstrakten erscheinende Gleichheit, die doch sehr konkret mit den Ausbeutungsverhaeltnissen ihrer je eigenen privilegierten Realitaeten korrespondiert und die umso wirksamer verdraengt werden, umso plastischer das genannte Utopia ausformuliert wird. Das Abstrakte erscheint also als natuerlicher Gegensatz des konkreten Allgemeinen einer allenfalls idealisierten Gleichheit, das die eigene Herrschaft aufheben wuerde und dessen Phantasma man dennoch nicht aufgeben kann, ohne sich selbst zu denunzieren.
Im Krieg aber, und hier kommt diese Gesellschaft zu sich selbst, wendet sich das Phantasma der buergerlichen Kunst innerhalb von kuerzester Zeit in die unmittelbare Aneignung der ueber die Jahrhunderte schon unterworfenen Koerper und des Geistes und in einem unvermeidbaren Selbstaufhebungsprozess damit auch der ehemals achso geschuetzten Seele in einen Prozess der ‘politischen’ Mobilmachung, der letztlich auf die Aufhebung alles Menschlichen zielt.
Andreas
January 7, 2012 at 12:51 am
In the meanwhile, business as usual in Berlin-Prenzlauer Berg, the old rule: don’t ever think when you’re Black or PoC, that is, look somehow ‘ungerman’,that you could do what all white people constantly do, i.e. not in those white areas! Don’t even think of staying up late and working because they will inevitably think you’re a gangster and work on some terrorist stuff or even worse: they will think you’re jobless and waste other people’s nerves and money by your pure existence and by the fact you obviously still think you could play the ‘white individualist’- game! Don’t even think about flirting with (and never white!) women in white areas, and beware for christ’s sake of the morning hours in doing so, because that will inevitably lead you into the ‘sexual assault’ and/or ‘triebgesteuerter Suedlaender’-category and unless your white surroundings doesn’t call the police IMMEDIATELY: DON’T EVER try to oppose when those people make their ‘appropriate’ Nazi-jokes about your ‘deviant’ behaviour! Don’t even think of that, you ARAB, because then, you will quite quickly get rid of your bones, even some vital ones:
http://www.tagesspiegel.de/berlin/polizei-justiz/fremdenfeindlicher-angriff-trio-bricht-indonesier-fast-das-genick/6046336.html
Just some simple rules to stay safe in this nice city: WE all LOVE BERLIN!
Andreas
January 9, 2012 at 9:56 pm
.. dass der Tagesspiegel es im juengsten und wohl in Deutschland noch bis auf Jahrzehnte unvermeidlichen Fall einer ‘blackface’-Inszenierung im weissen deutschsprachigen Theater schaffte, den wohl einzigen Presse-Artikel in der etablierten (weissen) deutschen Presselandschaft zu publizieren, der nicht die Perspektive ‘weisser Maenner’ bemuehte, um es mal grob zusammenfassend zu sagen, man lese sich etwa hier in die fast schmerzhaft bekannten Rechtfertigungen seitens Presse und weisser Kunstinstitutionen ein, ist wohl seiner Autorin Hadija Haruna zu verdanken, die den scheinbar so irrelevanten Stimmen dieses Diskurses- jenen der Betroffenen- eine Stimme zu geben vermag. Doch schauen wir fuer einen Moment auf die neueren Rechtfertigungstechniken der weissen Kunst-Repraesentanten (SZ-Artikel):
“”Wir wollen bestimmt niemanden beleidigen”, sagt der Pressesprecher des Theaters. “Natürlich sind wir gegen Rassisten und Nazis. Wir haben schlicht keinen etwa 60-jährigen schwarzen Darsteller für die Rolle gefunden.” Thomas Schendel, der Regisseur des Abends, fragt in einem offenen Brief an seine Kritiker leicht genervt, ob es etwa auch rassistisch sei, wenn Anna Netrebko Aida singt und Gert Voss Shylock spielt.”
‘Leicht genervt’, man fuehlt sich unbequem, moeglicherweise haben einem ja die emails und Zeitungsartikel, so Dominanz-affirmativ letztere waren, ja den Morgenkaffee verdorben, das muss doch nun wirklich nicht sein. Dass man aber mit diesen leicht saeuerlichen ‘wir muessen ja schliesslich arbeiten und wir fanden eben keinen Schwarzen Schauspieler’ sich gewissermassen in die naivste alle moeglichen kuenstlerischen Binnenperspektiven begibt, mal davon abgesehen, dass man sich fragen sollte, WARUM sich (angeblich) kein Schwarzer Schauspieler fand, der bereit war, in jenem achwie antirassistischen Kontext zu agieren, beleuchtet wie wenige anderen Aussagen in ihrer fast kindlichen Naivitaet den buergerlichen ‘Uanabhaengigkeitsanspruch’ der weissen deutschen Kunst, dem es, in ‘Friedenszeiten’ eben wie oben gesehen, die einzig ‘sinnvolle’ Option, einzig und allein darum geht, die ‘Seele der Kunst’ vom allzu hellen Licht der Realitaet fernzuhalten mit der unausgesprochenen Option, die ‘Seelen’ unserer privilegierten weissen deutschen Schaefchen von allzu verstoerendem, hellen Licht auf die Machtasymmetrien und Knechtungen dieser Welt, fernzuhalten, denn das muss nun doch wirklich nicht sein, die ‘Politik der anderen’, denn was geht UNS das an, am Wochenende in unserem heimeligen Besserverdienendentheater in Schoeneberg, dort, wo die Welt noch in Ordnung ist, das muss doch nicht sein. Gleichheit ja, aber doch nicht auf Kosten unserer guten Laune udn Bequemlichkeit, denn wo denkt momorulez hin:
“Man kann so etwas wie „Blackface“-Praxis ja sehr wohl künstlerisch reflektieren und sich vor allem mit von Stereotypen Betroffenen darüber auseinandersetzen oder es denen am besten gleich selbst überlassen; mag Kunst selbst herrschafstfreie Praxis sein im Idealfall, so findet sie NIE in herrschaftsfreien Räumen statt, und es ist ihre Aufgabe, das auf der Ebene des Werkes auch deutlich zu machen, dass das so ist.”
So wahr diese Worte sind, so wenig Realitaet hat in ‘unserer Kunst’ die Politik der Gruppen, fuer die Politik als Kunst und Kunst als Politische Ausdrucksform wichtiger ist als all jener blinde und mitunter ja schoene ‘Seelenbalsam’ dieser Welt es jemals sein wird, und moeglicherweise gibt es wenige Sphaeren, wiewohl hierfuer nicht die geringsten formalen Gruende bestehen, in denen diese Politik herrschaftsfreier Praxis weniger Platz haette als an ‘weissen’ Berliner Theaterhaeusern, man erinnere sich etwa an die blackface-Auffuehrung von Koltes Stueck ‘Kampf des N.. gegen die Hunde’ an der Volksbuehne vor wenigen Jahren, in der die blackface-Praxis noch ziemlich ‘erfolgreich’ (bei nicht ganz die mainstream-Medien erreichendem Protest) durch ‘Weiterentwicklungen innerhalb der postmodernen Antirassismus-Diskurse seit den achtziger Jahren’ ‘erklaert’ wurde, womit man sich insbesondere nonchalant und postmodern aufgeklaert ueber gegenteilige Weisungen des verstorbenen Autors hinwegsetzte. ‘Postmoderne’ vs. ‘politische Korrektheit’, wie sehr hier Juenger im postmodernen Unterbewussten weiterwerkelt, mag man an dieser Stelle kaum ausmessen.
Andreas
January 10, 2012 at 6:43 pm
..vielleicht sollte man noch einen Aspekt in der Diskussion um jene ‘blackface’-Auffuehrungen erwaehnen: wiewohl die Schaffung von Gesetzen in Deutschland zur Ahndung von Diskriminierungen von Minderheiten auch abseits der oekonomischen/materiellen Sphaeren begruessenswert oder notwendig sind, bleibt zu bedenken, dass jedwedes Gesetz letztlich ohne dessen kulturelles Korrelat wirkungslos und sinnlos bleibt, will sagen: die politische Kultur eines Landes ist weitaus mehr als die Summe seiner Gesetze, so sollte es zumindest sein. Wie Arendt bemerkt, gehoerte bei den Griechen die ‘Polis’ zu dem Ideal menschlicher Verwirklichung, noch hoeher stand aber die Frucht der Kontemplation, die Philosophie, und das nicht ohne Grund: sie war die Grundlage der Entscheidungen in der Polis. Wie wir schon mehrmals sahen, war es gerade in Deutschland immer umgekehrt: das ‘Handeln’, und zwar nicht einmal das im politischen Diskurs gewonnene, sondern das willkuerliche Handeln, schaffte sich seine eigenen Gesetze und jedwede in der Weimarer Republik oder zuvor geschaffenen Gesetze zur Emanzipation der Juden wusch die ‘Machtergreifung’ ueber Nacht und gaenzlich spurenlos hinweg, sie waren nie zu einem Bestandteil der politischen KULTUR der Deutschen geworden, sie waren immer das Zeichen des ‘guten Willens’ einer Elite, die sich um ihren Anstand mehr sorgte als um das Wohlergehen der Minderheiten, fuer die man zuweilen wohlmeinend Partei ergriff. Die ersten Gesetze in Deutschland, die die juedische Emanzipation im 19. Jahrhundert betrafen und die damals zehntausende Juden aus Osteuropa und Russland nach Deutschland lockten, haben sich schon enige Jahrzehnte spaeter als boese Chimaere fuer ihre Beguenstigten erwiesen, soweit sie nicht lange vor der Machtergreifung Hitlers abgeschafft waren. Die Emanzipation der Juden in Deutschland: sie existierte nie nachhaltiger als auf einen Stueck Papier und dieses Stueck Papier wurde hinweggeblasen vom ‘Sturm des Volkes’, sobald es sich ganz in seinen ‘Verteidigungsrausch’ begeben hatte.
Andreas
January 14, 2012 at 2:47 am
..wo der TageSSpiegel mental in Wirklichkeit steht, drueckt er seinen Lesern wie gehabt allfaellig ins Auge, diesmal trifft es die Gilde der ‘politisch Korrekten, ‘Gutmenschen’ und Sarrazin-Skeptiker in ihrem Skeptizismus, allzu simplen Welt-Erklaerungen und Ordnungen auf der Basis von ‘Intelligenztests’ und diesbezuegelichen ‘Vererbbarkeitszahlen’ zu widersprechen. Um hier von Anfang an keinen Zweifel aufkommen zu lassen: dieser Text hier ist nicht etwa von einem Menschen geschrieben, den man, wie den Tagesspiegel-Autor und Germanisten Dieter E. Zimmer, im Verdacht haben muesste, weder ueber naturwissenschaftliche Grundbildung noch ueber besonders im positiven Sinne bemerkenswerte Ergebnisse bei den ‘ueblichen’ intelligenztests zu verfuegen, im Gegenteil koennen wir den interessierten oder hieran uninteressierten Leser hier dahingehend beruhigen, dass des Autors Ergebnisse bei allen bisher absolvierten und ziemlich ‘serioes’ und garantiert ‘kalibriert’ daherkommenden Intelligenztests ganz ohne vorheriges Ueben relativ gleichverteilt zwischen 125 und 165 streuten, mit einem ungefaehren Median bei 135, also bei etwa zwei ‘Standardabweichungen’ jenseits des gesellschaftlichen Medians. Nach ‘allseits’ akzeptierten US-amerikanischen Studien ist das leicht ueber dem Durchschnittswert fuer Mathematik- und Physik-Master-Absolventen an US-amerikanischen Universitaeten, die Studienfach- uebergreifend die hoechsten Ergebnisse bei IQ-Tests (durchschnittlich ca. 132) vor Informatikern (ca. 131) und Philosophen (ca. 130) stellten, Mediziner und Biologen liegen uebrigens in diesem ranking ziemlich abgeschlagen bei 125, Literaturstudenten und Linguisten, wie Dieter E. Zimmer offenbar einst einer war, liegen leider Gottes in diesen interessanten Reichen nur bei etwa einer Standardabweichung jenseits des gesellschaftlich Medians, also bei etwa 116, was intellektuell WELTEN sind, nicht wahr Herr Zimmer ? (Studie auf Anfrage)
Da wir aber mit Leuten von weniger als zwei Standardabweichungen jenseits des gesellschaftlichen IQ-Medians ohnehin nicht wirklich reden, nicht wahr Herr Zimmer, das ist doch ein aufgeklaerter Standpunkt, ist es uns an dieser Stelle intelllektuell zu ekelhaft, darauf zu hoffen, die Vielzahl von Misininterpretationen, intellektuellen Verstuemmelungen und Halbwahrheiten in Zimmers Bericht auseinanderzunehmen, nur ein einziges Beispiel sei hier gestattet: Zimmer wirft -wie schon Sarrazin- ‘Prozentzahlen’ und die Korrelationskoeffizienten (Kovarianzen) von Zufallsvariablen durcheinander, von den nicht erwaehnten systematischen Unwaegbarkeiten jener von ihm herangezogenen Zwillingstests ganz zu schweigen. Solche Fehler wuerden jeden Zweitsemester-Mathematikstudenten an jeder Uni der Welt durchfallen lassen, Dieter E. Zimmer aber fechten sie nicht an. Und so begnuegen wir uns mit der Feststellung, dass -rein zufaellig- Dieter E. Zimmer einer der im Sinne der Autoren zuvorderst Zitierten in einer aktuellen Publikation des von dem in ‘neurechten Kreisen’ alles andere als unbekannten Goetz Kubitschek gegruendeten ‘Instituts fuer Staatspolitik’ ist, man zitiert ihn hier im Sinne einer gar unzulaessigen Daemonisierung des Begriffes ‘rechts’ durch die angeblich seit den siebziger Jahren existierende ‘antifaschistische Mitte’. Und so schliesst sich der Kreis dieser Betrachtungen, Freunde reichen sich die Hand auf dem Weg zu neuen Erkenntnishoehen, Dieter E. ZImmer, Goetz Kubitschek, Harald Harzheim:
“Gründer des IfS sind unter anderem Karlheinz Weißmann und Götz Kubitschek, beides bekannte Akteure der „Neuen Rechten“. Kubitschek war langjähriger Redakteur der neurechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“, Weißmann ist Politologe, Autor und Referent bei einschlägigen Medien und „Studienzentren“, ein intellektueller Vordenker und Stichwortgeber, der auch mehrfach als Interviewpartner und Autor der Jungen Freiheit in Erscheinung trat.”
http://www.mut-gegen-rechte-gewalt.de/service/lexikon/i/institut-f-r-staatspolitik
Andreas
January 15, 2012 at 12:01 am