Michèle Kiesewetter und der vergessene Voelkermord: eine Kontinuitaet
An dieser Stelle muessen wir, da es offenkundig niemand sonst tut, auf einen gar ‘unsichtbaren’, jedenfalls aber zumindest in der journalistischen deutschen Oeffentlichkeit so ziemlich ignorierten Aspekt der rassistischen Mordserie durch jene inzwischen sattsam bekannte ‘Jenaer Neonazi-Terrorzelle’ zu sprechen kommen, der gleichwohl eine bedrueckende Korrespondenz in der Geistesverfassung der deutschen Mehrheitsgesellschaft traegt. Wer sich fragte, warum Michèle Kiesewetter trotz ihres offenbar, zumindest in der Perzeption der Mehrheitsgesellschaft, ueber jeden Zweifel erhabenen Status als Polizeibeamtin die einzige war, die noch NACH Aufdeckung des rassistisch-’rechtsextremen’ Hintergrundes der Mordserie offen von Medien, Staatsanwaltschaft und Polizei der Mitschuld, fast moechte man sagen, Mittaeterschaft an ihrem eigenen Mord, beschuldigt worden war, findet, trotz der offenbar jedem im schoenen D. bewussten Faktenlage, einen offenen Hinweis erst nach langer Suche in einer Publikation bzw. Stellungnahme des Zentralrates der Sinti und Roma in Deutschland:
Romani Rose forderte den Bundesinnenminister auf, bei der Aufklärung dieser rassistischen Mordserie umfassend zu ermitteln und den Mordanschlag in Leverkusen gezielt einzubeziehen. Nach dem Brandanschlag auf ein von Roma bewohntes Haus am 25. Juli dieses Jahres, bei dem der Tod von ganzen Familien in Kauf genommen worden war, hat der Zentralrat auf die potentielle Verbindung zu Rechtsradikalen hingewiesen. Aus heutiger Sicht entspricht das Vorgehen der Täter in Leverkusen dem Muster der Anschläge, insbesondere daß die Täter Videoaufnahmen des Anschlags aufgenommen hatten. Ebenso wie bei den Morden an den türkischen Bürgern wurden bei dem Anschlag in Leverkusen die Opfer und die Angehörigen der Minderheit selbst verdächtigt, die Anschläge verursacht zu haben. Bei dem Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter waren Sinti und Roma pauschal und in haltloser Weise von Polizei und Justiz als potentielle Täter („aus dem Sinti-Roma-Milieu“) öffentlich stigmatisiert worden.
Wohlgemerkt: nach offizieller Darstellung deutscher Medien handelte es sich bei dem Mord an Michèle Kiesewetter um einen ‘Polizistenmord’ und solange es nicht darum ging, das Mordopfer praktischerweise der Mitschuld zu zeihen, war man damit offenbar auch allseits zufrieden und beging damit unter dem unausgesprochenen Deckmantel der ‘Farbenblindheit’ genau den Fehler, der den Rassismus in Deutschland seit jeher befeuert: die offizielle Haltung, ‘Hautfarbe’ angeblich zu ignorieren, ignoriert gleichzeitig jene, denen jedes irgendwie geartete ‘biologische’ Unterscheidungsmerkmal gerade recht ist, entweder ihre eugenisch-sozialdarwinistischen ‘Theorien’ zur ‘Sozialhygiene’ in Deutschland unters Volk zu bringen, siehe Sarrazin, oder aber ihren banalen biologischen Rassismus auf geeignete Mordopfer konvergieren zu lassen. Dabei zeigt der Fall Kiesewetter doch gerade eines am deutlichsten: dem Rassisten, vor allem aber dem Rassisten deutscher Couleur, geht es niemals um ‘objektivierbare’ Umstaende, gar die apostrophierten ‘kulturellen Faktoren’ a la Benoist, es geht ihm um krude, irrationale Ableitungen, die angebliche oder tatsaechliche ‘biologische Merkmale’ zur Charakterisierung stereotypisierter und abwertender sozialer Kennzeichen heranziehen, fuer die Nazis a la ‘NSU’ musste deshalb ein etwaiger ‘nicht-arischer’ Familienhintergrund der Michele Kiesewetter hinreichen fuer ihr Todesurteil: exakt die Anwesenheit der vermeintlichen ‘Zigeunerin’ in der ‘Ordnungstruppe’ der Bundesrepublik muss fuer den Rassisten das offenkundigste Zeichen ‘innerer Verrottung’ der heutigen Bundesrepublik sein, ganz so, wie die NS-Propaganda in den zwanziger und dreissiger Jahren die ‘Verwahrlosung’ der franz. Alliierten an der Anwesenheit von in den franzoesischen Kolonialgebieten rekrutierten schwarzen Soldaten im Rheinland festmachte und jahrezehntelang erfolgreich mit diesem Hassbild in der deutschen ‘Mitte’ agitierte, das schliesslich in die umfassende Sterilisation weiter Kreise der (Nachkommen jener) Schwarzen Soldaten, genannt ‘Rheinlandbastarde‘, fuehrte. Wie man bei Hilberg nachliest, fuerchtete die NS-Fuehrung in Berufung auf ‘wissenschaftliche Expertisen’ der ‘angesehensten Rassenforscher’, dass der ‘deutsche Volkskoerper’ bei nicht sofortigem Eingreifen schon nach wenigen Jahrzehnten zu ca. ‘einem Drittel’ durch jene ca. 80 Kinder Schwarzer Soldaten und weisser deutscher Muetter ‘bastardisiert‘ waere. So also fuegt sich die Ermordung von Michèle Kiesewetter zwanglos in das Panorama des neuen deutschen Rechtsextremismus der Mitte als nichts anderes als eine krude rassistische Tat und das Verschweigen dieses offenbaren Umstandes durch die deutsche Mehrheitspresse, wo nicht sogar die Kriminalisierung des Umfeldes des Opfers betrieben wurde, wir berichteten darueber ausfuehrlich in anderen Zusammenhaengen, fuegt sich zwanglos in das sattsam bekannte Verschweigen und Relativieren (‘ das waren ja Kriminelle’: O-Ton deutscher Nachkriegs-Politik) des Voelkermordes durch Deutsche an den Sinti und Roma in Europa.
..um moeglicherweise einen Begriff davon zu bekommen, was deutsche Historiker heute mit ‘Unsiedlungsaktionen’ durch Deutsche während der NS-Zeit meinen koennten, lese man vielleicht ein wenig hier:
http://www.tagesspiegel.de/berlin/brandenburg/razzia-bei-mutmasslichen-ss-kriegsverbrechern/5922894.html
“Am 10. Juni 1944 war die Waffen-SS in den Ort Oradour-sur-Glane eingefallen und hatte fast die gesamte Bevölkerung ermordet. Frauen und Kinder – auch Babys – wurden in eine Kirche gesperrt, die dann gesprengt und angezündet wurde. Die Männer des Ortes wurden in Scheunen und Garagen getrieben und dort erschossen. Sämtliche Häuser wurden von der SS angezündet. Der völlig zerstörte Ortskern wurde nicht wieder aufgebaut und ist noch heute eine Mahn- und Gedenkstätte.”
Andreas
December 5, 2011 at 5:11 pm
..vielleicht noch dies, nicht dass uns dies etwas neues mitteilte:
“Die Bundesrepublik Deutschland zog wegen des Massakers niemanden strafrechtlich zur Verantwortung. Weder wurden Beschuldigte zum Prozess nach Frankreich überstellt, da nach dem Grundgesetz kein Deutscher an das Ausland ausgeliefert werden darf, noch kam es in der Bundesrepublik zu einer Verurteilung. Es gab zwar eine Reihe von Ermittlungsverfahren, die aber sämtlich nicht zur Anklageerhebung führten. Die Begründung zur Einstellung der Verfahren stützte sich auf die Behauptung, der damalige Bataillonskommandeur, Sturmbannführer Adolf Diekmann, trage die alleinige Verantwortung.”
http://de.wikipedia.org/wiki/Oradour-sur-Glane
Andreas
December 5, 2011 at 5:18 pm
..einmal mehr sorgt der inzwischen scheinbar zu einigem Meinungsmonopol innerhalb der deutschen feministischen Bloggerszene gelangte Maedchenmannschaftblog fuer Irritation bzw. Belustigung, das alte Lied: der Kommentarteil variiert eine alles in allem durchaus akzeptable, gerechtfertigte und alles in allem emanzipative Position der Exposition im eigentlichen Artikel auf eine Art, die sagen, wir, durchaus geeignet ist als ein ‘die Maedchenmannschaft-laesst-die-Hosen-herunter’ charakterisiert zu weden, man entschuldige hier den boesen Unterton aber es waere ein purer Biologismus zu glauben, dass sich gewissermassen wesentliches nur bei Maennern eher im Bereich der Erfahrungen koerpermittiger Art, d.h. der Mittler von unbewusstem und prae-formiertem faende. Dieses prae-formierte aeussert sich im Maedchenmannschaft-blog anlasslich der Nominierungen zur Wahl (oder eher: Bestimmung) des ‘Bloggermaedchens 2011′ nach einer durch Leser inudzierten und alles in allem recht ansehnlichen Liste von feministischen Bloggerinnen also auf folgende Art, als jemand die Stirn hat, eine nicht-deutsche, nicht-deutschsprachige Bloggerin aufzufuehren, während alle anderen diese ungeschriebene Regel also offenbar zur Neige verinnerlicht hatten, findet sich hier ganz offenbar eine Rebellin und die Antwort folgte auf dem Fusse:
“Fernseher kaputt sagt:
30. November 2011 um 13:18
http://www.feministfrequency.com/
Ein medienkritischer Blog von Anita Sarkeesian. Zuletzt mit einer spannenden Video-Serie zum Thema “Tropes vs. Woman” (mit Fokus auf TV-Serien, Filmen, Comics und Games).
Durch den bewussten Einsatz des Mediums Video ist der Blog sehr niedrigschwellig und zugleich breitenwirksam. Viele Videos werden mit deutschen Untertiteln angeboten und können von den UserInnen in weitere Sprachen übersetzt werden.
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Nadine sagt:
30. November 2011 um 13:24
@Fernseher kaputt
Danke für den Link, allerdings wählen wir nur Blogs aus dem deutschsprachigen Raum ;) Vielleicht hast du noch einen anderen Vorschlag?”
So weit, so vorhersehbar und in Anbetracht der Tatsache, dass im sonst so nachhaltig (und zurecht) kritiserten Medien- und Kulturmainstream der deutschen Lande von Hitparaden ueber Misswahlen bis zu Gender-Theorie-Literaturlisten so ziemlich jede Kategorie ihrer nationalen Restriktion ausgeliefert wird, gerade eben natauerlich im Diskursraume der ethnopluralen ‘Globalisierungsgegner’, kann auch die von Nadine L. im Nachsatz entsprechender nicht-deutschsprachiger Vorschlaege durch eine weitere Bloggerin getaetigte Praezisierung kaum mehr erstaunen:
“@kiturak
Nein, die vorgeschlagenen Blogs müssen nicht deutschsprachig sein, sondern aus dem deutschsprachigen Raum kommen. Das ist natürlich erstmal eine willkürliche Festlegung, hilft aber sehr, auch unbekanntere/neuere Blogs aus diesem Raum ans Tageslicht zu spülen und ihnen ein Publikum zu bieten und nicht wie so häufig immer die großen – und ausgesprochen guten – Blogs aus dem US-amerikanischen Raum oder GB (einer weiteren Fremdsprache bin ich nicht mächtig) zu verlinken.
Da die meisten unserer Leser_innen aus dem D-A-CH-Raum kommen bzw. deutsch als Sprache beherrschen, ist es uns wichtig, das auch mit einzubeziehen.”
Zu komisch allein, wie man versucht, dem feist-kleinbuergerlichen Duktus dieser ‘Auswahl’ irgendeine Form von Folge ‘postmoderner Diskursaffinitaet’ zukommen zu lassen und von ‘zunaechst einmal willkuerlich’, wo nichts anderes ist als kruder, essentialisierender Nationalismus-Regionalismus, schwafelt und hernach noch das ‘antikoloniale’ Argument rechtsdrehender Praegung nachsetzt: ‘es hilft’, die achso unterdrueckten Blogs des ‘deutschsprachigen Raums’ gegen den ‘ausgesprochen guten’, wie man heuchelnd hinzusetzt, ‘angloamerikanischen’ Blog-Raum abzugrenzen, ihnen ‘ein Publikum zu bieten’, als wenn es nicht jedem Blogger offenstaende, an jedem Punkt der Welt sowohl in einer Sprache zu schreiben, die nicht nur Hinterweltler aus Rostock oder Hessen lesen koennen als auch Themen zu besprechen, die NICHT nur ein Regional-Aufguss von Gedanken sind, die in besserer, vor allem aber: originellerer Form, laengst andere (z.B. in ‘GB’) hatten.
So also schliessen wir diesen ‘Rant’ mit einem Verweis auf Lisa, die zeigt, was es bedeutet, wenn ‘wir hiesigen’ endlich frei sind, den zu kurz Gekommenen germanischerer Praegung ‘ein Publikum zu bieten’:
“Ich möchte gerne Nowi Brighter von http://www.blondundschlau.de/ nominieren. Sie führt ihren Blog mit soviel Leidenschaft und ihre lebensfreude liest man in jedem Wort! Die texte sind immer lustig und dabei noch total informativ! Ich finde, sie hat es verdient :)!”
Dem koennen wir uns nur anschliessen, das ist die Wahrheit (nur damit keine Missverstaendnisse aufkommen: Nowi Brighter heisst in Wirklichkeit Yvonne, kommt aus dem Sauerland und studiert in Iserlohn ‘Medienmanganement’, eine ‘von uns’, zweifellos).
Andreas
December 7, 2011 at 11:12 pm
bemerkenswert, das heisst besonders bloede, ist insbesondere dieser Satz:
“Da die meisten unserer Leser_innen aus dem D-A-CH-Raum kommen bzw. deutsch als Sprache beherrschen, ist es uns wichtig, das auch mit einzubeziehen.”
Der DACH-Raum, koestlich allein diese suggestive Abkuerzung laesst den/die Xenophobe(n) im Hinterkopf erahnen und wo gerade die ‘medienelitaere’ Nadine Lantzsch (huestel) an jeder Ecke nicht muede wird zu betonen, wie wichtig ‘Bildung und Buecher’, insbesondere aber die Lektuere weisser deutscher Gender-Theorie-AutorInnen sei (‘mehr als zwei oder drei Buecher’), ist eine der grundlegendsten Kulturtechniken der Moderne, naemlich das Beherrschen von Fremdsprachen ploetzlich ein Element eines offenbar ‘allzu elitistischen’ Diskurses, dessen Abwesenheit man ‘einbeziehen’ muesse, so als duerfe man die kurzhalsigen, niedrigsstirnigen Brandenburgis, die steifarmig im Regionalzug sitzen, ja nicht unberuecksichtigt lassen, ploetzlich auch gibt man selbst mit so einem ‘Schaut-ich bin-so-unterprivilegiert’-Unterton das eigene eher peinliche Defizit zu Protokoll, naemlich keine Fremdsprache ‘ausser englisch’ zu beherrschen. Dass die Wahl eines nicht-deutschen, nicht-deutschsprachigen blogs (im uebrigen: habt ihr euch mal gefragt, warum eigentlich NIRGENDS auf der Welt deutschsprachige blogs, die NICHT aus dem deutschsprachigen Raum kommen, zu existieren scheinen, ausserhalb evtl. von US-Rechtsradikalenkreisen and the like?) in einem blog wie der Maedchenmannschaft wirklich eine angesichts des kleindeutschen Tenors der taeglichen Berichterstattung wirklich unfassbar revolutionaere Tat waere, das scheint man nicht einmal mehr zu bermerken, zu borniert glaubt man, als *weisse deutsche Feministin* zivilisatorisch ueber allen anderen Spezies des Planeten zu stehen, wirklich widerwaertig, das ist die Wahrheit.
Andreas
December 8, 2011 at 9:14 pm
hier vielleicht in Fortsetzung des obigen mein Kommentar zu einer scheinbar ‘deutschen Feminismus-internen’ Auseinandersetzung um Machtstrukturen in selbigem, die klammheimlich einmahl mehr das ‘Rassismusthema’ als Abfallprodukt ziemlich bauchpinseliger Machtkaempfe ‘abhandelt’, der gesamte Diskurs hat dadurch fast gewaltvolle Zuege:
http://kiturak.wordpress.com/2011/12/08/feministische-kommentarmoderation/
Ich finde es in der Tat interessant und bezeichnend, dass innerhalb des ‘Rants’ auf ‘Feministische Generationen’ tatsaechlich eine extensive Auseinandersetzung um, wie eine genauere Analyse sicherlich untermauern wuerde, Macht- und Kommunikationsstrukturen innerhalb der (Weissen) deutschen Frauenbewegung gefuehrt wird und wurde, das Thema aber, das durch Kiturak hier in Form des eher euphemisierenden Labels ‘Kommentarmoderation’ überhaupt erst in den Diskurs eingefuehrt wurde, gewissermassen in einer Art klammem Konsens aus jener Diskussion ins relative ‘Abseits’ dieses blogs befoerdert wurde: die Frage nach der ‘Intersektionalitaet’, also kurz gesagt dem Rassismus im deutschen feministischen Diskurs. Dass ich das hier bewusst nicht ‘positiver’ formuliere, wie es ja das Wort ‘Intersektionaelitaet’ zunaechst durchaus nahelegen wuerde, hat ja seine Gruende und laesst sich etwa in einigem Detail exemplarisch im Kommentarteil zu einem Interview Sabina Englands (im Maedchenmannschaft-blog) nachlesen in dem mitnichten nur ein harter Kern von ‘Troll-Stoerern’ klassische ‘islamophobe’ Argumente ins Felde fuehrt, sondern Sabina England in relativ erstaunlichem Konsens und von Nadine Lantzsch eher halbherzig sanktioniert, vorgehalten wird, sie als Muslimin sollte, wenn sie den Staat Israel als ‘Apartheidstaat’ bezeichne, erst einmal ihre moeglicherweise mangelnde Distanz zum Antisemitismus klaeren, so ungefaehr. Dass gleichzeitig niemand der ‘Kritiker’ fuer sich ins Felde fuehrt, erst einmal seine/ihre mangelnde Distanz zum Rassismus und zur ‘Islamophobie’ klaeren zu muessen, versteht sich dabei fast von selbst. Warum aber, um hier wieder auf den ‘rant’ zurueckzukommen, werden ‘die anderen’ wieder einmal als sprichwoertliche Fussnote in einem Diskurs behandelt, der gerade im Zentrum haben sollte, dass Dominanzstrukturen innerhalb des deutschen Feminismus eben exakt auf Ausschlussmechanismen der Mehrheitsgesellschaft konvergieren oder mit diesen korrelieren, warum also wird diese nur scheinbar zufaellige Koinzidenz von Intransparenz und -im weitesten Sinne- Arroganz der Macht und der Duldung von rassistischen Diskursen nicht in diesem Sinne als kausale Verknuepfung von ‘Mehrheitsmacht’ und der Marginalisierung der Diskurse um Diskriminierungsmechanismen, die ‘das andere’ definieren und auschliessen, begriffen, vielleicht weil die kritischen Diskurse um Machtstrukturen im deutschen Feminismus *selbst* mit schoener Selbstbezueglichkeit genau auf dieses Phaenomen des Ausschlusses konvergieren, wie erst hier einem Aussenseiter zu bemerken offen steht?
Andreas
December 9, 2011 at 9:03 pm
..traurig unterdessen zu sehen, mit welcher Sicherheit nach dem biologischen Geschlecht urteilend man auch in ‘intersektionellen’ Bereichen des deutschen Mainstream-Feminismus den ‘ schraegen mansplainer’ erkennt, wo simplerweise jemand ist, der darauf hinweist, dass die Abwesenheit von ‘Intersektionalismus’ in den Kommentarteilen des Maedchenmannschafft-blogs eben mitnichten mit schoener Regelmaessigkeit gay-bashing, rants gegen ‘disabled people’ oder etwa den wiederholten und fast konsensualen Ausschluss von nicht-cisIdentitaeten bedeutet, sondern ganz im Gegenteil: Islamophobie, ein etwas kruder patriotischer Ethnozentrismus und Rassismus sind die schoene Regelmaessigkeit in diesem blog und sie klingen allerdings schon in den leicht herablassenden Schilderungen etwa der Situation von Frauen und Homosexuellen im ‘Islam’ (siehe Syrien) in den bisher mit schoener Regelmaessigkeit als über alle Zweifel erhaben gedeuteten Blogartikeln selbst an:
http://maedchenmannschaft.net/feministische-bloggerin-in-syrien-verhaftet/
“Bis die Menschen in Syrien gegen das Assad-Regime auf die Straße gingen, schrieb sie in ihrem Blog über feministische Themen, auch über Homosexualität und wagte sich damit an ein Tabu in der syrischen Gesellschaft. Viele ihrer Freunde reagierten damals ablehnend. „Ich denke mittlerweile, dass es ein Fehler war über Lesben- und Schwulenthemen zu sprechen, bevor man Gender und Sexualität thematisiert, besonders in einem Land, wo es keinen Raum gibt, Tabus und Fehlinterpretationen zu dekonstruieren,“ sagte sie im Sommer in Kairo.”
Man suggeriert: die Aufklaerung steht auf verlorenem Posten in Syrien: ‘selbst Freunde’ (aus welchem Grunde?) ‘reagieren ablehnend’, genau deshalb aber nimmt man sich der bloggerin Razan Ghazzawi gewissermassen dankend an. Noch einmal: das zentrale Problem des deutschen mainstream-Feminismus, wie er sich im MM-blog praesentiert, ist nicht etwa die mangelnde Beruecksichtigung intersektioneller Sachverhalte, die gewissermassen ‘kulturneutral’ sind (also etwa sexuelle oder Koerper-’Identitaeten’ betreffen), das entscheidende Defizit ist das mangelnde Bewustsein, das man der nach wie vor grotesken Asymmetrie der Rassismus/’Kulturrassismus’-Frage entgegenbringt, denn in genau dem Masse, in dem das weisse Privileg weder die MM NOCH Kiturak dazu zwingt, ueber die eigene Positionierung im Machtgefuege des globalen Rassismus taeglich nachdenken zu MUESSEN, in genau dem Masse werden Stereotype kulturchauvinisticher und/oder rassistischer Art im Maedchenmannschaft-blog fast auf taeglicher Basis geduldet, bisweilen gefoerdert und die Kritik hieran unterdrueckt, disqualifiziert, mundtot gemacht.
Andreas
December 10, 2011 at 8:09 pm
noch einmal zum Mordfall Pilar Valadie, unterdessen konvergiert der Prozess bzw. die Prozessberichterstatung gegen den ‘mutmasslichen’ senegalesischen Moerder auf das rassistische Tribunal hin, das man ohnehin schon absah, Jimmy Edgar, der weisse, durchgeknallte Eliten-Mensch, der sich selbst stolz als denjenigen bezeichnet, der ‘ihre letzten Momente’ erlebt haette, wird nicht einmal vorgeladen, Widersprueche in die sich eigentlich Edgar zuerst verwickelte, naemlich den Mordzeitpunkt ohne weitere Information exakt benannt zu haben, sogenanntes ‘Taeterwissen’, werden nun dem Angeklagten vorgehalten, der einen dritten Involvierten anfuehrt, dessen Identitaet niemand kennt. Die scheinbar sachlichen Gerichtsberichte sind gespickt mit rassistischen Anspielungen, die LKA-Beamten scheinen Verhoeraussagen des angeblichen Taeters gehoert zu haben, die vor allem wie rassistisch-stereotype Selbstbezichtigungen klingen, wir werden auf all das noch genauer nach dem letzten Prozesstag eingehen.
http://www.berlinkriminell.de/2_2011/gericht_akt400.htm
Hier nur dies als Illustration dessen, was auch nach der Tat die weisse deutsche Perzeption des Falles bestimmte, der spaetere Verdaechtige wird in einem Szenemagazin portraitiert, im Kommentarteil spricht man lange vor dem 17. April 2011 davon, er sei ‘es nicht einmal wert, in die Fresse gehauen zu werden’:
http://www.amypink.com/2011/04/jamaal-the-dealer-sleepless-in-berlin/
“Der Typ nutzt die Gesellschaft und das Land die es ihm gestatten zu bleiben schamlos aus um seinen eigenen Arsch zu retten. Wir sind das Klopapier seines Lebens. Auch wenn er den Scheiss nur an Touristen verkauft – es ist ihm scheissegal was mit den Leuten passiert denen er Zeug gibt. Hauptsache es geht IHM gut. (..)
Ich kenne so viele Geschichten von ehrlichen, gut ausgebildeten und aufstrebenden Migranten [die 'guten Migranten'] die abgeschoben werden und mein Hals explodiert wenn ich sehe wie jemand all diejenigen fickt, die an der Gesellschaft teilhaben wollen anstatt sie zu benutzen.
Ich finde dieses Treffen wert darüber zu berichten, aber ich hätte den Typ nicht umarmt sondern wär aufgestanden und gegangen. Er wär es nicht wert gewesen wenn man ihm eine reingehauen hätte.(..)”
Aber dass sich das niemand sonst fragt: ist es nicht etwas zu vorhersehbar-einfach, dass eine Gesellschaft fuer einen Mord an einer franz. Staatsbuergerin eine Verbrechensversion praesentiert wie sie klischierter nicht sein koennte, das ‘Muellsackmaedchen’ wird vom nur scheinbar symphatischen ‘Drogendealer’ ‘geschaechtet’ und das Boulevard weiss ja nicht, welchen Umstand es zynischer kommentieren soll: den Tod des ‘Models’, die die ‘letzte Aufregung um sie nicht mehr mitbekam’ oder den daemonischen Schwarzen, der noch im Gerichtssaal grinst, all das ist zu simpel-absurd um wahr zu sei und moeglicherweise ist die Wahrheit noch viel absurder.
“i had the pleasure of being the last person in her life from those last moments, for that i am grateful whatever that may mean to you, her family, pilar and whoever else.”
http://www.formspring.me/jimmyedgar
Andreas
December 14, 2011 at 11:44 pm
an dieser Stelle ist es vielleicht nicht voellig falsch, einmal mehr ein paar Worte ueber die Tendenz des (klein)buergerlich ‘modernen Tanzes’ zu verlieren, den Tanz gewissermassen zu verachten, denn die buergerliche Oekonomisierung der Koerperlichkeit hat ja in diesen Sphaeren gerade dazu gefuehrt, den eigentlichen ‘Tanz’ als geistige Manifestation im Koerperlichen gewissermassen als zu ‘proletarisch’ zu erachten, um sich innerhalb der allfaelligen ‘Performance’-Fixationen eines sophiensaele-Publikums noch allzuviel damit abgeben zu wollen. Und so ist es eine Erloesung zu sehen, dass es ihn ja noch gibt, den Tanz, auf der Suche nach etwas, dass dem Wort und dem Gedanken allein verschlossen bleibt:
Andreas
December 17, 2011 at 6:25 am
..wie sich jener um ‘politische Korrektheit’ tatsaechlich vor allem formal bemuehte deutsche ‘Oekofeminismus’, die neuere Spielart des guten alten Differenzfeminismus christlicher Feministinnen mit Rassismusoption, wir beleuchteten das einst, um eine ‘faire’ Darstellung der Machtasymmetrien zwischen Nord und Sued ‘bemueht’, ist einmal mehr in der taz, diesmal nicht in der Maedchenmannschaft, nachzulesen. Unter dem Titel ‘Weiblicher Sextourismus: Verbraemte Lusttaeterinnen’ vermutet man zunaechst, dass nun endlich einmal die weisse Frau in den Spielarten ihrer Machtmanifestation gegenueber dem ‘suedlichen Mann’ ihr Fett wegbekaeme, aber weit gefehlt, der Artikel laesst im wesentlichen kein ‘kulturalistisch’-rassistisches Klischee ueber den ‘suedlichen Mann’ aus, der so ziemlich alles ist, was sich die taz-BiokaeuferIn nur darunter vorstellen kann: Araber, Jamaikaner, mexikanischer Macho, Wüstenprinz, griechischer Fischer etc und fuer all diese gilt unterschiedslos vor allem das eine:
“Denn der verführerische Macho ist meist wenig anpassungsfähig, noch weniger emanzipiert. ”
Gruselig, aber es kommt noch besser, dass man, ganz im Gegensatz zu jedweder Darstellung des maennlichen Sextourismus, sich ganz und gar nicht entscheiden kann, ob man die Frau eher in der Opfer-, der Taeter-, oder der selbstbestimmten Feminstinenrolle sehen will steht in seiner (vielleicht gerechtfertigten) Ambivalenz in unfassbar klarem Gegensatz zu den niedrigen Beweggruenden und den moralisch niedrigen Eigenschaften ihrer maennlichen Gespielen im ‘Sueden’:
“Die Beach Boys von Kenia, die Strandadonisse von Sousse oder die Strandläufer von Antalya sind trickreiche Einzelunternehmen in Sachen Sex. Ihr Kapital ist der eigene Körper und Charme, ihr Bordell der ganze Strand. ”
Aber wuerde man das ernsthaft von Frauen schreiben koennen: Thailaenderinnen, die sich aus oekonomischer Not prostituieren als ‘trickreiche Einzelunternehmen’ darstellen, aber tut dieses hier so offensichtlich wie selten sichtbar formulierte geschlechtliche Differenzphantasma unter den Machtasymmetrien zwischen ‘Sueden’ und ‘Norden’ der Realitaet damit wirklich genuege? Sicherlich ist die Situation eines ‘latin lovers’ auf Suche nach oekonomischer Partizipation durch den Einsatz seiner Korerperlichkeit nicht mit der haarstraeubenden Ausbeutung weiblicher Prostituierter in den ‘Armenhaeusern’ dieser Welt vergleichbar, aber sind all jene Maenner, die sch im wirtschaftlichen Gefaelle dieser Welt prostituieren wirklich vor allem Machos, trickreiche Unternehmer, glitschige Froesche und nicht etwa simplerweise Opfer jenseits jeder selbstbestimmten Sexualitaet? Man zitiert Kate Millett in Vergleichen mit Henry Miller, noch schraeger mit Jean Genet:
“Frauen experimentierten mit Fischern in Griechenland, mit arabischen Wüstenprinzen und brasilianischen Strandurlaubern. Sie suchten den besonderen, vielleicht den archaischen, auf jeden Fall den erotischen Mann. Auch die amerikanische Dozentin Maryse Holder machte in den Siebzigern Jagd auf mexikanische Machos. Sie rauchte, trank und liebte hemmungslos. Im Vorwort der Buchausgabe “Give sorrow words – Maryse Holders letters from Mexico” würdigt die amerikanische Feministin Kate Millet die Sprengkraft dieser Thematik: hemmungsloser Sextourismus, praktiziert von einer Frau. Sie sah in Maryse Holder “eine Schwester, Abenteurerin, eine Verrückte, so kühn wie früher Henry Miller, so selbstzerstörerisch wie Janis Joplin, die Stimme Genets in einer Frau […].” ”
Nun und man koennte sicherlich sagen: endlich einmal experimentiert die Frau mit dem Mann, erniedrigt ihn, nutzt ihre Machtposition ebenso aus, wie es jahrhundertelang der Mann tat, liebte hemmungslos etc. und man sieht sie schon vor sich: all die befreiten weissen Buergerstoechter auf Selbsfindungstrip im ‘Sueden’, der Kontrolle des weissen Patriarchen entgangen, wo man mit dem Koerper des ‘suedlichen Mannes’ experimentiert, als handele es sich um eine ganz und gar neue Erfindung: die Unterordnung des ‘suedlichen’ Koerpers unter die Willkuer des Nordens. Und so, in seiner ostentativen Ignoranz zwischen einer scheinbar ‘balanciert-nuancierten’ Darstellung der Rolle der weissen Frau in der oeknomischen Ausbeutung des maenlichen Koerpers des ‘Suedens’ und einer Denunziation des letzteren konvergiert man folgerichtig:
“Vielleicht sollten die Pauschalflieger nach Kenia, Ägypten oder Mali den Film “In den Süden” [!] mit Charlotte Rampling zeigen. Auch da geht es um die ungleiche Liebe zweier älterer Frauen zu einem jungen Haitianer. Ohne Reue, Ausbeutung und vor allem ohne Illusion. ”
Vielleicht sollte man der taz-Autorin empfehlen, sich zunaechst einen Überblick ueber die Tradition rassistischer ‘Reiseerfahrungen’ weisser europaeischer Frauen im ‘Sueden’ zu verschaffen, über die Kolonial-Jahhunderte sammelte sich da doch so einiges an:
http://www.beaumonde.net/romancebooks.shtml
Am koestlichsten vielleicht dies:
“Quand le python se deroule (CollectionJacqueline Roumeguere-Eberhardt)
Another amazing memoir by a daughter of Christian missionaries — she married a Masai warrior in Kenya who later took additional wives. Available in French.”
Andreas
December 18, 2011 at 6:25 am
..wie Rassismus im schoenen D. heute noch aussehen kann, naemlich gar fuersorglich laechelnd daherkommend, faellt dem aufgeschlossenen Beobachter bei genauerem Studium von Organisationen wie ‘Teach first’ ins Auge, die in Deutschland als hiesige Ableger von US-amerikanischen bzw. britischen Mutterorganisationen sich zum Ziel gesetzt haben, die ‘Ausbildung’ in ‘sozialen Brennpunkten’ zu verbessern. Wo aber in Grossbritannien der Fokus explizit darauf legt, gewissermassen dem Rassismus des Schulsystems der Dominanzgesellschaft etwas entgegenzusetzen in Form von Anreizen fuer Lehrkraefte:
http://en.wikipedia.org/wiki/Teach_First
“Its mission is to address educational disadvantage by transforming exceptional graduates into effective, inspirational teachers and leaders in all fields. Teach First targets graduates who would not normally consider a career in teaching and places them in what it considers challenging schools across England:”
ist der Tenor abseits der Überschriten bei der deutschen Variante von ‘teach first’ ein ganz anderer, man liest hier:
http://www.teachfirst.de/programm
“Jeder fünfte Jugendliche kann weder Zeitung lesen noch eine Bewerbung schreiben. Betroffen sind vor allem Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Familien. Die soziale Herkunft bestimmt in hohem Maße den Bildungserfolg. Es mangelt an ausreichender und rechtzeitiger schulischer Unterstützung.
Die gemeinnützige Bildungsinitiative Teach First Deutschland schafft bessere Bildungschancen für Kinder und Jugendliche mit schlechten Startchancen.”
Kein Wort von Defiziten, Exklusion und Rassismen der Dominanzgesellschaft, das Defizit liegt bei ‘den anderen’, ihren ‘schlechten Startchancen’ und die Art wie man formuliert, legt zwanglos Sarrazin’sche Panoramen nahe: Kopftuecher, Bildungsferne, tuerkische Provinz, dass aber das staatliche franzoesische Schul- und Bildungssystem dafuer sorgt, dass etwa 25% aller in Frankreich aufgewachsenen Einwohner mit maghrebinischen Wurzeln einen Hochschulabschluss aufweisen koennen, verglichen mit weniger als 3% der tuerkisch-staemmigen Bevoelkerung in Deutschland, scheint weder mit der Deutung der ‘schlechteren Startchancen’ als Alleinerklaerung noch mit der restaurativen Grundcharakteristik des gemeinnuetzigen Vereins uebereinzustimmen. Kurz gesagt: man liefert die Kinder, gleich welcher Herkunft einem hochgradig rassistisch/klassistisch-selektiven Schulsystem aus und geht danach hin und organisiert ihnen bei Exklusionseffekten eine/n NachhilfelehrerIn, die ‘hohe soziale Kompetenz’ aufweisend gewissermassen dafuer aufkommen sollen, was die Gesellschaft in einer jahrzehntelangen Sozialisation an den Menschen verbrochen hat. Und so spricht schon das Studium der Fotos auf der ‘teach first’-homepage Baende: die Lehrer sind weiss, gut gelaunt und lachen mit deutschen Politikern, die Schueler sind PoC und angespannt-bemueht und werden auf ‘einvernehmlich vereinbarte Bildungsziele’ abgerichtet, als wenn es darum ginge in dieser Gesellschaft, wo noch hoechstqualifizierte Informatiker und Physiker hunderte von Bewerbungen ohne Resultate schreiben koennen, wenn sie nur den falschen Namen, das falsche Foto und die falsche Adresse auf ihrem Bewerbungsschreiben haben. Aber hach, gaebe es diese ‘teach first’-Leute nicht, koennten sich die ProtagonistInenn der Kreuzberger Schinke09 ja nicht in ihrem Lieblingsviertel gleich neben dem Feinkostladen, oder nur einen Steinwurf entfernt, als Weltverbesserer fuehlen um dann auf ihren 100% weissen deutschen ‘Plena’ in der schoenen Food-Coop ueber Bienenenzyme im Brot zu ‘streiten’ (mit offizieller Resolution zum Thema), hach wie einfach und schoen doch unsere kleine Welt ist.
Andreas
December 22, 2011 at 4:34 pm
..vielleicht noch ein Wort hierzu:
http://zweitgurk.wordpress.com/2011/12/21/der-feminismus-kauft-dir-keine-schokoladenfabrik-genosse/
“Ich habe gerade diesen geradezu grotesken Text von Benjamin Stöcker des Titels „Ich bin Equalist“ gelesen und frage mich: soll man sowas überhaupt kommentieren? Will ich nicht, aber ich kann das mal als Anlass nehmen, ein paar Sachen zu sagen, die mir am Verhältnis Männer und Feminismus aufgefallen sind [irgendwie ist es dann doch ein Kommentar geworden]. Die Vielzahl von logischen Widersprüchen, die Vermischung von politischer Bewegung und persönlicher Betroffenheit in Stöckers Text – all das muss man glaub ich nicht noch extra nachweisen. Das ist offenkundig. (Von der Lächerlichkeit der umgedrehten Penisprotzerei mal ganz zu schweigen. Schwach-sein-dürfen okay, aber man muss doch nicht mit jede – gefühlten oder echten – Schwäche hausieren gehen.)”
Man sollte vielleicht nicht unerwaehnt lassen, dass jene hier kritisierte ‘Equalisten’-Stroemung, wie sie sich vielleicht am offenkundigsten im Reiche der neueren deutschen ‘Piraten’-Bewegungen manifestiert und die am Ende mit schoener Konsequenz in die erwaehnten negativen Penisprotzereien, Maennergruppen und die Proklamation, wir sahen das zuvor, die Piraten seien eben ‘zu fortschrittlich’ fuer den weiblichen Teil der deutschen Bevoelkerung muendet, seinen Gegenpart im deutschen gender-Diskurs allerdings kurz gesagt im ‘Biofeminismus’ hat, und hierzu zaehlen wir zunaechst den taz-Kontext, die Gruenen, die Maedchenmannschaft, der Biofeminsimus zeichnet sich exakt durch all das aus, was der Piratenkontext verneint: die primaere Wahrnehmung von Argumentengebern ueber ihr (unausgesprochen biologisches) Geschlecht, eine gewisse Tendenz zum kulturellen Chauvinismus (s.o.), die implizite oder explizite Zugrundelegung biologisch determinierter Geschechterunterschiede auf der Basis eines relativ umfassenden Naturalismus, dazu gehoert etwa mit schoener Regelmaessigkeit das Abfeiern von 12% Anteilen von Frauen unter den Mathematik/Informatik/Ingenieur-Doktoranden in Deutschland. Umgekehrt ensteht der ‘Equalismus’ genau dort, wo Maenner am ehesten glauben, ihre Dominanz durch Flucht in ‘wir sind doch alle gleich und das Geschlecht interessiert und nicht’-Verhaltensweisen verteidigen zu koennen, Frauen in der informationsverarbeitenden Industrie etwa werden so wirksam davon abgehalten, sich gegen zweifellos weiter bestehende Gaengelungen durch Maenneruebermachten zu verbuenden, wenn die besten Freunde im Kontext/Unternehmen/Betrieb in jeder Hinsicht maennlich sind, scheint dazu eben keine Veranlassung zu bestehen, groteske Maennerbuende in scheinbar ‘fortschrittlichen’ politischen Bewegungen werden hierdurch unsichtbar gemacht. Wie der routinierte Leser dieses blogs schon vermutet, halten wir aus gewissen und in der Folge immer wieder zu exemplifizierenden und variierenden Gruenden von beiden Bewegungen im Geschlechterdiskurs dieses Landes allerdings rein gar nichts, die Front zwischen ‘BiofeministInnen’ und ‘Equalisten’ aehnelt in ueberraschend klarer Weise derjenigen zwischen ‘Philosemiten/Islamkritikern’ einerseits und ‘Ethnopluralisten/Antizionisten’ im deutschen Diskurs andererseits, auf beiden Seiten entlaedt sich unbewusst oder bewusst das Ressentiment gegen jeweils eine Seite, das immer schon auch das Ressentiment gegen die doch eigentlich mittels Parteinahme offenkundig zu verteidigende Seite enthaelt, deutlich wird dies etwa im Abfeiern tendenziell selbstzerstoererisxcher Militaeraktionen Israels gegen Palaestinenser durch die ‘Philosemiten’ dieses Landes. Seinen Gegenpart im Geschlechterdiskurs findet diese Haltung etwa im erwaehnten Abfeiern der Tatsache, dass sich Frauen ueberdurchschnittlich haeufig als ‘Nachwuchsgruppenleiterinnen’ in der deutschen Naturwissenschaftlandschaft wiederfinden, die gegenlaeufigen Aspekte solcher Tatsachen werden unter ihrer exemplarisch-symbolischen Hervorhebung fast immer übersehen. Warum aber diese falschen Polarisierungen von Diskursen, Grundierungen in Naruralismen bzw. ‘postmodernen’ Verneinungen dessen geradezu enigmatisch fuer den deutschen politischen und emanzipativen Diskurs sind, wird noch Gegenstand laengerer Betrachtungen zu sein haben, die letztlich den Begriff einer ‘exkludierenden’, differentialistischen und fuer den Krieg geschaffenen Gesellschaft anhand der deutschen erlaeutern, aufzeigen und zur Genuege untersuchen werden.
Andreas
December 24, 2011 at 9:30 am
this is indeed also quite nice (dialectically speaking): the apparently most ‘alternative’ hostel in Berlin ‘John’s cozy little backpacker’ in Tiergarten turns out to be a nightmare of rules, de(op)pression and anger:
http://www.hostelz.com/hostel/34037-Johns-Cozy-Little-Backpacker-Hostel
” We arrived in this hostel only to be nagged at for four straight days. Many things went wrong. The walls are covered of ridiculous rules, such as “penalty for not doing dishes,” “taking off shoes,” and yes, even, “peeing sitting down.” In my experience, accustomed travelers already follow a code of conduct, respecting fellow travelers and the hostel. But the pieces of paper on the wall weren’t enough — they kept telling us not to make any noise, although we were really quiet. We were constantly told to leave the bedrooms, even in the middle of the day, in case someone was trying to sleep (which wasn’t the case). We were also nagged at for using the internet, using too many tourist maps and flyers, and so on. Since we had been traveling for a month, hostel life was not new to us; we felt like we were being treated like children. While we were there, the owners also decided to have a fridge binge, and proceeded to empty the entire fridge, even though people had clearly labelled their food as was asked of them. When I went over to make sure they didn’t throw away our food, he said that the food had been in the fridge for over a week, which was clearly not the case, as we had only gotten in Berlin two days prior. I had to practically beg to keep our found in there. We also paid the 2 euros/day for breakfast which was not anywhere to be found in the morning. We had to ask several times, each morning, and only toast was given to us. The very worst part of our stay was when the maid and one of the owners started fighting each other, screaming right in front of the guests. As if that wasn’t enough, one of the owners also screamed at a guest, when another guest accused her of not doing her dishes (and this was unfounded, as the owner hadn’t actually seen any of this). When it was finally time to leave, we couldn’t find any staff to give us our deposits back. When we finally found someone, he was trying to say we didn’t leave deposits but our passports, which of course, was not the case. One of the main bathrooms broke down, and they made no attempt to fix it, leaving everybody to fight for one shower. But I guess that was the least of our problems. Thank goodness Berlin was a great city to visit, because our stay would have been completely ruined. ”
More double-standards the petite-bourgeois style:
“I was rather disappointed by this hostel. The reviews made it seem quite decent and it has a good location close to a railway station and a bus stop for Tegel airport. But, it seems that the owner stays in one of the dorm rooms and has rather definite rules for people staying in that dorm room — it is ok for him to get up early and make a lot of noise but he complains when people come back a little late and try to go to sleep, albeit making as little noise as possible. There are much better places to stay in Berlin.”
Andreas
December 28, 2011 at 3:35 am
..’John’s and David’s cozy little Hostel’ makes up for some further exemplifications of what might happen if people, i.e. those good-old germans, feel ‘beyond any limit’ righteous and civilized, on their homepage one can read indeed:
http://david-berlin.de/
“Gays , Lesbians, Transvestites & Straits are especially welcome.
Perfect for people who love a personal, private cozy atmosphere.
It is the ideal place for those, who don’t mind simplicity, and appreciate a cozy, personal, private atmosphere of a friendly, romantic, human, artistic home-hostel.
Perfect for people who love a romantic atmosphere.(..)
** Non-smokers, Gays Vegetarians, & Philosophers get an extra hug”
The romantic, human artistic home-hostel, a little below one gets more specific indeed:
“Our place was in the past statisticly most beloved by Australians, Swiss, Canadians, Austrians, Taiwanese, Germans, Italians , French, Swedish, Indonesian, Arabic Countries & Finlandian, & by Student’s of German-Language & Artists,”
Students of german language&artists, well, so germanophile persons and bourgeois artists seem welcome, less welcome on the other hand seem other groups of people (orthography unchanged):
“Our place was in the past statisticly n o t very beloved by Chinese from Shanghai, Russians from Moskow and by rich people from poor countries, who expect the Hilton for their pennies, and behave accordingly.
Those should please do me the favour and go somewhere else.”
So one deduces: the distance between ‘statistically justified’ prejudice and the embracement of minorities is not indeed too great as it seems while another statistically relevant field is enlightened again: the dialectic phenomenon that the feeling to be ‘righteous&morally irrefutable’ causes exactly those shades of grey in human existence that one initially might have been opposed to. To close with this:
“Our cozy hostel has a definite non-smoking policy, because David is, after snoking for years a militant non-smoker, who fight the evil, he was a victim of for years. Smokers are welcome, but they can not smoking here, not even in front of the door. Minimum a cross the street ! And not to mention it !”
We should finally mention that taking into account some private encounters the author had it seems more or less quite clear that David&John are holding (also or primarily (?) non-german, non-white) employees in their nice and cozy little hostel under conditions which one would otherwise describe as ‘abusive’ and ‘exploitative’, we will go into the details elsewhere, but the reality of physical and psychological appropriation of low-paid, non-white workers is a reality in Berlin again and it happens under the disguise of ‘outstanding morals’, ‘civilisation’, ‘diversity’ and ‘cosmopolitan’ environments.
Andreas
December 29, 2011 at 4:42 pm