la monodromie dialectique

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Arbeit macht frei oder: eine Kultur im Niedergang

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Nun ist es ja nicht so, dass der truebe Alltag in dem auf fast grausam-wundersame Art nunmehr selbst in den letzten (‘alternativen’) Ecken jener schoenen heilen Welt der westlichen Hemisphaere hochgejubelten Berlins, dass also dieser Alltag nicht bekanntermassen zu den verstoerendsten Geschehnissen fuer jedweden denkenden Menschen Anlass gaebe. Die Art der Haeufung aber einer bestimmten mehrheitskonformen Denkfigur und ihrer erdrueckenden Rueckkopplung auf den Alltag und gewissermasen die blosse physische Existenz jener erwaehnten Menschen und ihrer Denkfiguren aber nahm unterdessen derart groteske Zuege an, dass weiterees Schweigen einem Verbrechen gleichkaeme, das sich selbst zum Komplizen jener Verhaeltnisse machte, die der Alltag in der entfremdeten, dem Kapital und dem Krieg geweihten Gesellschaft gewissermassen tautologisch erzeugt. Dem ‘Kapital und dem Krieg’ geweiht, was aber hiesse dies genau in Zeiten, in denen die Krise das schlechteste dieser Gesellschaft mit unerbittlicher Gruendlichkeit und Genauigkeit zutage foerdert, ob es der unerbittliche Diskurs des Hasses ist mit dem der Mehrheitsperzeption widersprechende, aufzubegehren wagende Minderheiten in einem Reflex der Gewalt gebrochen werden sollen, ob es die ‘juedischen Bankhaeuser’ sind, die in einem Reflex der Reaktion von ‘renommierten Tageszeitungen’ in Berufung auf halbgare und tendenzioese ‘Wissenschaft’ fuer die in der Essenz unverstandenen Missstaende verantwortlich gemacht werden sollen, die zu tief in einer Gesellschaft, in einer Zivilisation selbst gegruendet sind, um fuer den allzu fluechtigen Beobachter noch sichtbar zu sein. Die oekonomische Krise der sich in der Projektion auf den industriellen Fortschritt erschoepfenden Gesellschaft also, so muss man es wieder sagen, und wir werden das noch genau zu begruenden haben, kehrt die Barbarei hervor, nicht einmal nur die des animal laborans, den um der reinen Selbsterhaltung wegen existierenden, also vegetierenden, dem blossen ‘Lebenstrieb’ froenenden Menschen allein, sondern die Einverleibung von Kunst, Widerstand und Aufbegehren nach einem ‘anderen Leben’ in die Maschinerie der Produktion von ‘sinnstiftendem’ Konsumgut, von ‘sinnstiftender Arbeit’, von Unterdrueckung und geistiger und kultureller Verwahrlosung selbst. Und so wird von Kuenstlern erwartet, unter aeusserstem materiellen Leidensdruck eben exakt das Lied der Mehrheit, der Industriegesellschaft zu singen, auf die eine oder andere Art, denn entgehen sie diesem Leidensdruck, entgehen sie ihrer Freiheit in Affirmation, entgehen sie aber dem Freiheitsentzug, so schlaegt sie die Knute der kapitalistischen Wachstumsbedingungen aber mit unbarmherziger Haerte und projiziert sie wiederum auf die Unfreiheit der materiellen Not in einem Masse, wie es in der menschlichen Geschichte, die immer von Leiden, Muehsal und Abhaengigkeit aber auch von einer Ahnung nach einem ‘anderen Leben’ und nach einem Fortschritt um des Menschen willen, gepraegt war, einmalig ist. Die Krise aber foerdert den Wunsch nach Entaeusserung in Gewalt zutage, in Gewalt gegen die ‘ueberfluessigen Esser’, die ‘anderen’, die Schwachen, die Aussenseiter, Neinsager und Utopisten, eine Gewalt die woertlich gemeint ist und durchgreift auf das Elementare, koerperlich durchgreift, geistig, eine Gewalt die der Seele und dem Geist keinen Raum fuer Hoffnung laesst, weil das Motiv der Hoffnung selbst dem System auf falsche, verlogene und irrefuehrende Art einverleibt ist. Der Niedergang der kapitalistischen Gesellschaft aber vernichtet nicht nur die Freiheit und die Kunst, er vernichtet das Denken selbst, er definiert und desavouiert das Denken, in dem jedweder Fortschritt allein stets wurzelte, als einen den Fortbestand der Gesellschaft selbst gefaehrdenden Akt, er ueberantwortet das Denken, das immer auch und vor allem eine Domaene der Aussenseiter und genialen Eckensteher war, zu einer Domaene der Kohorten, der ‘Teams’, der im Trivialen und in der Reproduktion erstickenden wissenschaftlichen Massengesellschaft, fuer die jedwede grundlegende Kreativitaet, jedweder das Bestehende nach aussen stuelpende und zu etwas wahrhaft neuem transformierende Akt zu einer furchtbaren Bedrohung geworden ist und die genau deshalb frenetisch die Abarbeitung von mehr oder weniger banalen Programmen von Klassifikation, Speicherung und Manipulation von menschlichen Genomen, von einem pseudowissenschaftlichen Design und Phantasma des ‘machbaren Menschen’ zu einem neuen Phantasma und Zentrum des Fortschritts erhoben hat, es geht wider die Eckensteher, die Bedaechtigen und wider die Vorsicht und die Grundierung im historisch-erinnernden Prozess, die fuer den Krieg gemachte Wissenschaft ist eine Wissenschaft des Eliten- und Trend-Getoeses und des besinnungslosen Kollektivs genauso wie die fuer den Krieg gemachte Kunst eine Kunst weniger der Affirmation als der tranformierten, absorbierten und bis zur Unkenntlichkeit entstellten Rebellion ist. So also muessen dem Autor die Derivate dieses umfassenden Angriffes auf den Menschen und das Denken schlechthin und als grauenhafte Fratzen des ‘hippen Berlins’ erscheinende Begleitumstaende dieser Fixation auf das Machbare, die Technik, das stets und unmittelbar greifbare, zutage tretend um in einer umfassenden Entwertung geistigen Fortschritts und Kultur zu muenden, als nichts anderes als ‘neue Partylocations’, ‘Nebenjobs im Restaurant’, hippe Vernissagen in ‘Migrantenbezirken’, sie muessen dem Autor als die um des reinen Lebenszweckes die praktische Arbeit preisenden Grafikdesigner erscheinen, die von einem wirklichen Kontrakt zwischen den Generationen und demjenigen zwischen Vergangenheit und Zukunft, der kulturellen Verantwortung gegenueber denjenigen die nach uns kommen, noch nie etwas gehoert haben, und fuer die die Ergebnisse der Theorie endlicher Koerper, die heute in von den trivialsten Arbeitsprozessen begleiteten Mobiltelefonen, CD-Spielern und globalen Kommunikationsnetzen unverzichtbar sind, noch vor dreissig oder vierzig Jahren ein Affront gegen die Gesellschaft schlechthin gewesen waeren. Mit dem Niedergang der kapitalistischen Gesellschaft in der Krise verliert diese also genau das, was ihr durch die Jahrtausende das Überleben sicherte: sie verliert ihre Erinnerung an die Vergangenheit gleichermassen wie sie ihre Wertschaetzung der Zukunft verliert und in dieser umfassenden Entwertung von Vergangenheit, Gedaechtnis und Zeitlichkeit des Menschen scheint an einem duesteren Horizont auf, was der Mensch im Industriezeitaler schon einmal verlor: den Glauben an seine Wuerde und seine Zukunft, und der Verlust und die Konsequenz dessen war nichts anderes als das Ende der Menschheit.

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Written by andreask9

October 29, 2011 at 2:56 am

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11 Responses

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  1. (was fuer eine traurige Ironie, unter diesem in einer naechtlichen Eruption ausgestossenen Text der Anklage gegen die Banalitaet des Daseins prangt gross eine automatisch geschaltete Anzeige:
    ‘Praktiker Online Shop–Halogenlampe 2,79–jetzt kaufen’, als haetten sich die Programmierer der wordpress-Administration darauf verstaendigt, per allzu banaler Stichwortsuche jedweden Widerstand im Keim zu ersticken, sich einzuverleiben, zu begradigen, ins Laecherliche abzudraengen)

    andreask9

    October 29, 2011 at 4:19 pm

  2. ..fassungslos steht man unterdessen vor der Tatsache, dass dem ‘Eckensteher’ in der Krise vor allem noch Job-Angebote von Firmen wie dieser unterbreitet werden, die in ihrem offenbaren Bewusstsein, trotz ihrer Illegalitaet von den Eliten gebraucht und unterstuetzt zu werden, keine Dreistigkeit zu scheuen scheinen:

    “Hallo,

    wir sind über Ebay-Kleinanzeigen auf Sie aufmerksam geworden.

    Wir sind auf der Suche nach weiteren freiberuflichen Autoren zur Erstellung wissenschaftlicher
    Arbeiten und würden uns freuen, Sie in unserem Team begrüßen zu dürfen.

    Wir bieten Ihnen ein attraktives Nebeneinkommen und komplette Flexibilität: Sie entscheiden selbst, welche Aufträge Sie annehmen.
    Vorerfahrungen sind nicht notwendig. Sie sind geeignet, wenn Sie selbstständig wissenschaftlich arbeiten können und entsprechende Texte auf einem hohen Niveau verfassen können.

    Wenn Sie Interesse haben, lassen Sie uns bitte Ihre Tel. Nr. zukommen, wir
    melden uns dann bezüglich der Details bei Ihnen.
    Diskretion ist für uns selbstverständlich. [!]

    Mit freundlichen Grüßen,

    M. Kopper
    Team Academic-Assistants

    http://www.academic-assistants.de

    Auf der homepage selbst findet man eine Selbstdarstellung, die an Dreistigkeit nicht zu überbieten ist:

    “Haben Sie Schwierigkeiten oder Probleme bei der Erstellung einer Seminararbeit, Bachelor-, Master- oder Diplomarbeit?

    Academic-Assistants bietet Unterstützung: Die Vermittlung von akademischen Ghostwritern für höchste Anforderungen.

    Im Internet gibt es zahlreiche dubiose Angebote für Ghostwriting. Doch Vorsicht – spätestens durch die aktuellen Skandale sollte klar sein, dass Ghostwriting Vertrauen und Qualität voraussetzt. Oft verstecken sich hinter der scheinbar professionellen Fassade Hobby-Autoren, die gar keinen Bezug zur Thematik haben. Darunter leidet die Qualität und letzendlich auch Ihre Arbeit. ”

    In der Tat, dann koennte es sogar passieren, dass man seinen Job als Verteidigungsminister verliert, das waere mit einem ‘guten’, d.h. ‘qualitaetvollen’ Ghostwriting ganz sicher nicht passiert, wie die deutsche ‘Fuehrungselite’ unisono beizupflichten nicht umhin kommt.

    andreask9

    November 3, 2011 at 12:09 pm

  3. ..zum Thema der Stunde der grossen Vereinfacher und ‘Abstraktionsgegner’ vielleicht noch folgender Text über ‘Zeitgeist’, der im Verein mit der Tatsache, dass ein Berliner Radiomoderator ganz offenbar ueber Jahren hinweg mit Antisemitismus, Verschwoerungstheorie und Nationalismus unter dem Deckmantel ‘linker Aufklaerung’ die jungen deutschen Massen zu entflammen faehig ist, beleuchtet, was aus dem Antisemitismus der Gegenweart geworden ist, eine junge, vitale und selbstbewusste Massenbewegung:

    http://reflexion.blogsport.de/2009/11/30/zeitgeist-eine-kritik/

    “Au­ßer­dem wer­den die öko­no­mi­schen Grund­la­gen des da­ma­li­gen und heu­ti­gen Sys­tems außer Acht ge­las­sen. Des­sen aus­beu­te­ri­sche Struk­tu­ren wür­den im üb­ri­gen be­ste­hen blei­ben, wenn ei­ni­ge, an­geb­lich „schlech­te“ Pro­fi­teu­re der Aus­beu­tung, diese Mög­lich­keit ge­nom­men wer­den würde.
    An­fang des 20. Jahr­hun­derts sieht der „Zeit­geist“ Film dann kon­se­quen­ter­wei­se die „Macht“ in ei­ni­gen Fa­mi­li­en zen­tra­li­siert, die die „Bank­sys­te­me rück­sichts­los aus­beu­ten“. Es sind die Ro­cke­fel­lers und Roth­schilds die vom Spre­cher kri­ti­sert wer­den. Diese In­dus­tri­el­len sind an­geb­lich, so be­haup­tet es „Zeit­geist“ tat­säch­lich, für die so ge­nann­te Welt­wirt­schafts­kri­se ver­ant­wort­lich ge­we­sen. Die Ro­cke­fel­lers waren tat­säch­lich eine rei­che Fa­mi­lie, die von der Ent­wick­lung des Ka­pi­ta­lis­mus eben­so par­ti­zi­pier­te wie die Roth­schilds. Beide Fa­mi­li­en wur­den zu ihrer Zeit und auch heute immer wie­der be­müht, um einen an­geb­li­chen „jü­di­schen“ Ein­fluss auf die Welt­wirt­schaft zu kon­stru­ie­ren.
    Ein Bei­spiel dafür sind die Pro­pa­gan­da-​Fil­me der Na­tio­nal­so­zia­lis­ten. Einer der be­kann­tes­ten, ist der Film „Der ewige Jude“, der eben­falls be­haup­tet, die Roth­schilds seien, als Juden, für die Übel des Ka­pi­ta­lis­mus ver­ant­wort­lich. Dort heißt es wort­wört­lich: „Das Haus Roth­schild ist nur ein Bei­spiel für die Tak­tik der Juden, das Netz ihres fi­nan­zi­el­len Ein­flus­ses über die ar­bei­ten­de Mensch­heit zu span­nen.“
    Die Ma­cher_in­nen des Films „Zeit­geist“ re­ku­rie­ren auf sol­che Theo­ri­en, auch wenn sie diese Quel­le ver­schwei­gen. Mensch sieht, dass der Film an die­ser Stel­le den schma­len Grat von ver­schwö­rungs­theo­re­ti­schen Irr­sinn zur an­ti­se­mi­ti­schen Hetze über­schrei­tet. Das er­klärt auch, warum sie die klu­gen tak­ti­schen Schach­zü­ge ei­ni­ger Ban­kiers, die ihren Kol­le­g_in­nen öko­no­misch über­le­gen waren, als „Raub­zug“ ver­un­glimpft wer­den. Ohne es zu sagen, un­ter­schei­den „Zeit­geist“ an die­ser Stel­le ihres Films zwi­schen „raf­fen­dem“ und „schaf­fen­dem Ka­pi­tal“.
    Lei­der ist der Film zu die­sem Zeit­punkt be­reits 1 Stun­de und 1o Mi­nu­ten alt. Ein­ge­lullt mit Pseu­do-​Re­li­gi­ons­kri­tik und Ver­schwö­rungs­theo­ri­en, wird wohl nur noch we­ni­gen auf­fal­len, wess Geis­tes Kin­der hier am Werke sind. Mit Kri­tik am Ka­pi­ta­lis­mus hat das tat­säch­lich wenig zu tun. Dafür aber mit einem struk­tu­rel­len An­ti­se­mi­tis­mus; der in „in­ter­na­tio­na­len Ban­kiers“ alles Schlech­te der Welt ima­gi­niert.
    Die Ma­cher_in­nen kri­ti­sie­ren au­ßer­dem ein un­ge­rech­tes Steu­er­sys­tem, dass die Men­schen dazu zwin­gen würde, einen Teil ihres Lohns an den Staat zu be­zah­len. Es wird hof­fent­lich deut­lich, wie sehr die Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker_in­nen in­ner­halb ka­pi­ta­lis­ti­scher Logik ar­gu­men­tie­ren. An­statt das Sys­tem als Gan­zes zu kri­ti­sie­ren, ent­wer­fen diese ein Bild, bei dem es aus­rei­chen würde, Steu­ern und „böse“Ban­kiers ab­zu­schaf­fen, um die Uto­pie einer Ge­sell­schaft, ohne Aus­beu­tung und Un­ter­drü­ckung real wer­den zu las­sen. In der „Ein­kom­men­steu­er“ sieht „Zeit­geist“ die „Ver­skla­vung des ge­sam­ten Lan­des“.
    Ge­ra­de die­ser Teil des Films zeigt, wie weit die Ma­cher_in­nen des Films eine Art Wahn trau­ri­ge Rea­li­tät wer­den las­sen. Es ist der Wahn einer an­geb­li­chen Ver­schwö­rung gegen die an­geb­lich-​ver­dumm­te Be­völ­ke­rung. Le­dig­lich die „Zeit­geist“ Ma­cher_in­nen neh­men für sich in An­spruch, den Durch­blick zu haben und klä­ren „uns“ in ihrem Mach­werk auf.
    Der Grad zwi­schen Ver­schwö­rungs­theo­rie und ge­schichts­re­vi­sio­nis­ti­schen Lügen ist sehr schmal. „Zeit­geist“ ge­lingt es, die­sen Grad zu über­tre­ten. Schließ­lich ver­dreht der Film in allen Tei­len ge­schicht­li­che Fak­ten, um das Kon­strukt einer „Welt­ver­schwö­rung“ zu be­le­gen.
    Bei­spie­le ge­fäl­lig? Da wer­den die USA für den ers­ten (!) und zwei­ten (!) Welt­krieg ver­ant­wort­lich ge­macht, ob­wohl es his­to­risch be­legt ist, dass beide (!) Krie­ge durch das „Deut­sche Reich“ be­gon­nen wur­den. In den ers­ten Welt­krieg grif­fen die USA erst drei Jahre nach sei­nem Be­ginn ein. Im zwei­ten Welt­krieg konn­te das „Deut­sche Reich“ sei­nen Ver­nich­tungs­krieg in Polen und der So­wjet­uni­on füh­ren; die USA grif­fen erst zwei Jahre spä­ter ein. Doch den Men­schen mit einem an­ti­ame­ri­ka­ni­schen Welt­bild wird das wahr­schein­lich gar nicht auf­ge­fal­len sein.(..)
    Da ver­wun­dert es dann auch nicht mehr, dass für den Film, der zwei­te Welt­krieg am 7. De­zember 1941 be­ginnt. An die­sem Tag griff die ja­pa­ni­sche Armee Pearl Har­bour an. Die zwei Jahre in denen die Ach­sen­mäch­te, das heißt Deutsch­land, Ita­li­en und Japan, ihre Krie­ge führ­ten wer­den ver­schwie­gen. Dabei hatte Deutsch­land den Krieg am 1. Sep­tem­ber 1939 be­gon­nen. Es sind also ganze zwei Jahre, die ein­fach ver­schwie­gen wer­den, um das ge­wünsch­te Bild ent­ste­hen zu las­sen.
    Dafür be­haup­tet „Zeit­geist“, dass nicht die fa­schis­ti­schen Kräf­te der Ach­sen­mäch­te für den An­griff auf die USA ver­ant­wort­lich ge­we­sen seien. Ganz im Ge­gen­teil hätte der ame­ri­ka­ni­sche Prä­si­dent den Krieg ge­wollt und den An­griff auf den ame­ri­ka­ni­schen Stütz­punkt in Pearl Har­bour des­we­gen in Kauf ge­nom­men. Be­le­ge bleibt „Zeit­geist“, wie so oft, schul­dig.
    Doch in ihrem Wahn gehen die Pro­du­zen­t_in­nen des Films sogar so weit, die „Na­tio­nal­so­zia­lis­ten“ zu einem Ex­port-​Pro­dukt der in­ter­na­tio­na­len Ban­ken zu ver­klä­ren. Dabei waren die Nazis vor allem An­ti-​In­ter­na­tio­nal. Ge­spon­sert von deut­schen Un­ter­neh­men, un­ter­stützt von einer Mehr­heit der Deut­schen, to­le­riert von vie­len deut­schen De­mo­kra­t_in­nen. Es waren die Deut­schen, die ihre ei­ge­nen Mit­bür­ger_in­nen ver­nich­te­ten, nur weil diese nicht in ihre men­schen­feind­li­che Ideo­lo­gie pass­ten. Es waren die Deut­schen, die den Krieg be­gan­nen und ihn so führ­ten, wie nur sie in der Lage sind: Als Ver­nich­tungs­krieg gegen jed­we­de Form des Hu­ma­nis­mus, gegen alles „In­ter­na­tio­na­le“ und „Kos­mo­po­li­ti­sche“.
    Diese Fak­ten wer­den an die­ser Stel­le so deut­lich be­nannt, weil sie „Zeit­geist“, in einer eso­te­ri­schen Form des „Knop­pis­mus“, ver­schweigt. Sie be­mü­hen an­geb­li­che oder tat­säch­li­che ge­schäft­li­che Be­zie­hun­gen zwi­schen ei­ni­gen Kon­zer­nen, um ihre Theo­rie zu be­le­gen, nach dem ei­gent­lich die USA ver­ant­wort­lich zu ma­chen sind. Viel­leicht ist das ein Grund, warum die­ser Film in Deutsch­land so er­folg­reich ist: Schließ­lich lie­fert „Zei­geist“ die idea­le Mu­ni­ti­on für eine Art Schuld­um­kehr.

    andreask9

    November 7, 2011 at 10:59 pm

  4. Unterdessen ist es fast komisch zu beobachten, wie die deutsche Presse, selbst die sogenannte Linke, vor allem aber auch die taz, sich mit der von Hannah Arendt schon vor fuenf Jahrzehnten diagnostizierten spezifisch deutschen Verlogenheit allfaellig um die simple Tatsache herumdrueckt, dass die ‘Krise’ es nicht nur geschafft hat, das Widerwaertigste aus der ‘Mitte der Gesellschaft’ in die Realitaet zu befoerdern, sondern es schafte, eingedenk der allen bekannten Boltzmann-Verteilung von Gewaltbereitschaften innerhalb der lieben germanischen Schafsherde, auch auf deren eher avanciertem Level fuer Strukturen zu sorgen, die man in Deutschland eigentlich allzugut kennen muesste: eliminatorischer Rassismus, Staatspolizei, Geheimdienst, allfaellige Verstrickung derer Gewaltexzesse mit geeigneten Staatsministerien, das nannte man damals: SA, Gestapo, Goebbels. Es ist der blanke Unsinn zu glauben, diese ‘ehrlichen Erschuetterungen’ um die Gewaltaxzesse der diversen ‘Geheimpolizeien’ habe es nicht noch selbst zu Zeiten des ‘Russland-Feldzuges’ im ‘Generalgouvernement’ etwa gegeben, im Gegenteil war der *Papierkrieg* zwischen lokalen Stellen der deutschen Verwaltung, etwa im Generalgouvernement und oberen und/oder SS-Stellen bezueglich der *Grade* und *Legitimiertheit* von Hinrichtungsaktionen und Gewaltexzessen aller Art noch 1941 gang und gaebe, wie man etwa bei Hilberg nachliest. Dabei ging es bezeichnenderweise, und auch heute ist das augenfaellig, niemals um die Opfer, es ging um den ‘Ruf der Wehrmacht’, es ging um die ‘psychische Gesundheit unserer Soldaten’, manchmal ging es aber auch einfach nur darum, ob nur noch auf dem Papier bestehende Gesetze bei der einen oder anderen Hinrichtungsaktion nicht doch mittel- oder langfristig durch ‘feste und gueltige Regelungen’ zu ersetzen seien, man sorgte sich um die ‘Rechtmaessigkeit’ des Massenmordes, niemals aber um auch nur ein einziges der Opfer. Und so ist es auch jetzt augenfaellig, mit welcher Arroganz der deutsche Diskurs die Tatsache verschweigt, dass es hierbei nicht etwa eigentlich um eine ‘Blamage der Geheimdienste’ geht, oder um den guten Ruf des Innenministers, sondern darum, dass die Fratze der Barbarei jeden Tag aufs neue im wesentlichen ungesuehnt auf die Schwaechsten dieser Gesellschaft hereinbricht, mit gutem Grund gibt man diesen keinen Raum, sie sind nur totes Fleisch auf eilfertig schockiert kommentierten ‘Bekennervideos’, die weniger die Verbrechen selbst als diese unglaubliche Banalitaet des Boesen, insbesondere aber des deutschen Boesen dokumentieren. Mit einem Schlag ist sie wieder da: die staatlich sanktionierte Bereitschaft der Deutschen, ‘minderwertiges Leben’ unter dem fuer jeden denkenden Menschen offen sichtbaren Schleier einer kollektiven Verlogenheit auszuloeschen und wir prognostizieren dass dies nur der Anfang sein wird, der Anfang eines langsamen oder allzu schnellen Abgleitens in eine Barbarei aus der sich die Deutschen einmal mehr nicht selbst werden befreien koennen.

    “Die Finanzkrise hat definitiv die Glaubwürdigkeit der Politik auf allen Ebenen erschüttert. Für den fremdenfeindlichen Bevölkerungsanteil führt dies zu einer Erhöhung der Bereitschaft, sich rechtsextrem zu äußern oder zu verhalten. Die jährliche Befragung „Thüringen Monitor“ zeigt das klar: Der Anteil harter rechtsextremer Einstellungen hat von 3 Prozent auf 9 Prozent zugenommen von 2010 bis 2011. Es gibt 20 Prozent, die sagen, es gibt wertes und unwertes Leben. Wer so denkt, ist auch gewaltfähig. Ebenso viele sagen, der Nationalsozialismus habe auch seine guten Seiten gegabt. Das ist der Resonanzboden. Die lange Dauer der sozialen Enttäuschung, Herabsetzung und Demütigung die mit dieser Krise einhergeht, führt auch zu Sündenbockjagden. Nach dem Motiv: „Der ist schuld, ich bin es nicht.“ Es werden meistens diejenigen als Schuldige gesucht, die öffentlich angeboten werden. Türken zum Beispiel. Das ist der Zusammenhang zwischen der Finanzkrise, rechtsextremer Gewalt und den Thesen des Thilo Sarrazin.”

    http://www.berliner-zeitung.de/politik/neonazi-terror–das-ist-ein-watergate-der-sicherheitspolitik-,10808018,11141826,item,1.html

    andreask9

    November 15, 2011 at 3:21 am

  5. ..hier noch mein Kommentar von anderer Stelle zur interessanten Frage, ob die rassistische Wortwahl in deutschen Medien (‘Doenermorde’, ‘Bosporus’ etc.) die Determinante weitgehend unbewusster Vorgaenge ist und gewissermassen ‘Blickrichtungen’ erst bestimmt, oder ob diese Blickrichtungen nicht vielmehr umgekehrt die Wortwahlen bestimmen, und meinem tendenziell nicht-linguistischen Ansatz folgend ist es natuerlich das letzere, ‘Blickrichtungen’ als tiefes kulturelles Phaenomen, ‘Wortwahlen’ als deren aeusseres Korrelat, nicht andersherum, ‘Unbewusstes’ zudem als die eigentlichen Kausalitaeten wohlwollend kaschierender Begriff:

    “Solche Praktiken [die der rassistischen Bezeichnungen] leiten dann auch die Blickrichtung, ohne dass irgendjemand dies bewußt sein muss.”

    Das halte ich dann doch fuer eine etwas schmeichelnde Bemerkung, ‘Verlogenheit’ im Arendt’schen Sinne ist vielleicht kein rational beschreibbares Phaenomen, aber es ist deutlich mehr als ein Korrelat des ‘Unbewussten’. Der Rassismus in Deutschland wurde historisch im 19. Jahrhundert zu so etwas wie einem ‘Gruendungsmythos’ der deutschen ‘Republik’, deshalb muendete er auch nur in Deutschland als Grundpfeiler einer (sicherlich faschistischen) Staatsform, der Vergleich des italienischen F. mit dem der Deutschen spricht hier Baende. Juden aus ganz Europa fanden im faschistischen Italien bis zur Kriegserklaerung der deutschen an Italien Zuflucht. Dass soll nicht heissen, es habe anderswo keinen Rassismus gegeben, aber nur in Deutschland war er konstituierend fuer das Selbstverstaenndnis einer ganzen Nation in Nachfolge eines ‘urgeschichtlichen’ Erbes und dementsprechend exklusiv. Dieser biologistisch-rassistische Blick auf die eingebildete eigene Auszeichnung kennzeichnet das Selbstverstaendnis der Deutschen bis heute, das determiniert die Blickrichtung und das bestimmt die Wortwahl, nicht andersherum, als Kulturphaenomen, nicht (nur) als Mangel von ‘bewusster Reflektion’.

    http://andersdeutsch.blogger.de/stories/1937507/#1938785

    Um das noch einmal zu illustrieren, natuerlich ist nicht jeder scheinbar ‘unbewusste’ Vorgang am Ende eine tief bewusste Entscheidung, aber es gibt Grenzen der Macht des ‘Unbewussten’ und die Grauzone zwischen dem eigentlich-Bewussten und diesem tatsaechlich Unbewussten oder vielleicht dem prae-reflexiven Cogito (nach Sartre) ist exakt die Verlogenheit im Arendt’schen Sinne. Wenn also ein Einsatztrupp der Berliner Polizei jemanden der irgendwie ‘undeutsch’ aussieht schon bei geringsten Anlaessen oder Verdachtsmomenten, obschon er vielleicht sogar Opfer ist, kriminalisiert und sich dies in Sprache, Wortwahl, Verhalten und am Ende im Urteil niederschlaegt, so waere dies nur insoweit ‘unbewusst’ als keine bewusste Ideologie existierte, die dieses Verhalten als Korrelat in sich truege. So eine Ideologie existiert aber, forscht man genauer nach, in der weitaus ueberwiegenden Zahl der Faelle, wie juengste Studien uebereinstimmend bestaetigen. Die Ideologie determiniert also die Blickrichtung und die Blickrichtung die Wortwahl, dieser Prozess ist in der Wurzel bewusst und im Resultat selbstverstaerkend, deshalb scheint es am Ende so, als sei die Wortwahl gewissermassen schon die Wurzel allen Uebels, dem ist aber nicht so, die Wortwahl ist das traurige Korrelat einer gewaltvollen Ideologie und Konzeption des Menschen schlechthin, nicht deren eigentlicher Grund.

    andreask9

    November 18, 2011 at 12:17 pm

  6. ..um das noch zu betonen: oben ging es nicht darum, die Freiheit von rassistischer Gewalt in Sprache nicht als logisch notwendig fuer einen zivilisierten Diskurs zu kennzeichnen, es ging im Kern aber darum, dass gewaltfreie Sprache keine hinreichende Bedingung fuer eine gewaltfreie Gesellschaft oder auch nur Kommunikation ist. Mit der Abschaffung von rassistischen Formulierungen in der deutschen Presse waere viel gewonnen, aber es bliebe das Selbstverstaendnis einer Nation, und das zeigt sich in jener Diskussion um den suedeuropaeischen Raum in der ‘Krise’ und die deutschen Hegmonialansprueche heute am deutlichsten, das im Kern falsch, irrefuehrend und fuer den Krieg geschaffen ist.

    andreask9

    November 18, 2011 at 12:40 pm

  7. Um noch diese beeindruckende Gelaeufigkeit zu kommentieren, mit der die ‘Kritik’ am ‘Bankensystem’ mit Wortwahlen, Konstrukten und Schuldzuweisungen korreliert, die, und das laesst sich ohne weiteres so sagen, direkte Parallelen in der NS-Zeit haben, sei hier repraedentativ zunaechst auf einen Artikel im ‘Handelsblatt’ verwiesen:

    http://www.handelsblatt.com/unternehmen/banken/die-goldjungs-an-den-schaltstellen-der-wirtschaft/5838492.html?slp=false&p=10&a=false#image

    Unter ‘Die Goldjungs an den Schaltstellen der Wirtschaft’ schafft man, wie schon im Falle von ‘Zeitgeist’, ohne den Begriff ‘Jude’ eigentlich zu nennen ein assoziatives Netz, in dem der Antisemitismus, sogar der mittelalterliche Judenhass, als einfaches Korrelat herausfaellt. Dass dies ‘offiziell’ natuerlich niemand intendiert und die Juden in der Aufstellung der ‘Goldjungs an den Schaltstellen der Wirtschaft’ nicht in der Mehrheit sind, ihre Namen, die Heranziehung des durch deutsche Juden und Auswanderer im 19. Jahrhundert in den USA gegruendeten Goldman-Sachs-Unternehmens, laesst die erwuenschten Aossoziationen ohne weiteren Hintergrund scheinbar aus dem Nichts entstehen: USA-juedische Auswandererfamilien-Verschwoerung, Schaltstellen der Macht etc. Und so entbloedet man sich beim deutschen Handelsblatt dann natuerlich auch nicht, die Kommentarsektion im Sinne der ‘Meinungsfreiheit’ gewissermassen in ihrer ganzen dummdeutschen Haesslichkeit in der Oeffentlichkeit stehen zu lassen. Dass es aber im Deutschland des beginnenden 21. Jahrhunderts ‘normal’ zu sein scheint, offenen Antisemitismus irrationalster Couleur gewissermassen als Ausweis der ‘Vielfalt’ des deutschen Meinungsspektrums fuer alle lesbar in die Meinungsforen serioeser Zeitungen zu stellen, mag eine Folge des Internets sein: wenn die Rassisten, Judenhasser und Massenmoerder mit ihren ‘Werken und Pamphleten’ fuer jeden nachlesbar nur einen Klick entfernt sind, transformieren sich auch die oeffentlichen Diskurse ‘der Mitte’ quasi unwahrnehmbar in die Richtungen, die am Ende ja schliesslich das ‘Volk’, nicht umsonst auch von den genannten kompetenten Kommentatoren als natuerlicher Gegensatz zum ‘Rothschild-Komplex’ bejubelt, bestimmt. Die ‘journalistische Elite’ braucht da nur ein paar Schluesselwoerter fallenzulassen, ob es der ‘Doener-Mord’ ist, die ‘Goldjungen an den Schaltstellen der Macht’, ob es die Mathematiker und “Jedi-Meister der Finanzen“ sind, die rein zufaellig ein wenig wie Woody Allen aussehen (s.u.), überall findet sich im etablierten Blaetterwalt ein scheinbar elaborierter Artikel der im Subtext die Barbarei propagiert, so einfach ist das in einer fuer den Krieg gemachten Gesellschaft, die sich laengst jedweder positiven Utopien ueber das ‘richtige Leben’ entledigt hat, in der Krise, wo die sehr realen Herrschaftsverhaeltnisse fortfahren, unverstanden und deshalb unbeanstandet zu bleiben, und nach wie vor geeignet sind, die eigenen Privilegien zu sichern, konvergiert der ‘Volkszorn’ des scheinbar zu kurz gekommenen Buergertums auf das Monster, das sich im allzu Abstrakten zu verbergen scheint, aber das Monster, liebe Occupy-Wutbuerger, das Monster ist in uns selbst.

    http://www.freitag.de/politik/0916-finanzkrise-banken-flowers

    “Der Mann ist eines der bekannteren Gesichter der Finanzkrise. Der studierte Mathematiker erinnert mit seiner hohen Stirn und den stets tragisch dreinblickenden großen Knopfaugen hinter dickem Brillenglas ein wenig an Woody Allen. Doch dieser friedliche Eindruck täuscht.”

    (‘Der friedliche Eindruck taeuscht’, ein gefluegeltes Wort, dem sich die NS-Fuehrer umfaenglich in ihrer Legitimation der Massenmorde bedienten, die Rhetorik gleicht sich bis ins kleinste Detail, man liest wieder Goebbels.)

    andreask9

    November 19, 2011 at 2:06 am

  8. ..wie Antisemitismus im 21. Jahrhundert noch aussehen kann, demonstriert derweil der Historiker Klaus Brill in der SZ, die durchaus nicht zum ersten mal durch Artikel dieser Art auffaellt. Unter dem Mantel der ‘neutralen Geschichtsschreibung’ gibt man hier die Rezension von Werken (natuerlich deutscher Historiker), die ihrerseits zum Gutteil die Gechichte insofern umzuschreiben scheinen, als dass die Verbrechen der Deutschen, insbesondere der Holocaust sich ‘zwanglos’ in die Geschichte ethnisierter Vertreibungen im 21. Jahrhundert einreihen. Dass der Holocaust eigentlich die Vernichtung der europaeischen Juden bedeutete, nicht deren blosse ‘Umsiedlung’, dieses Wort wird nicht einmal in Anfuehrungszeichen benutzt, wird nicht einmal am Rande erwaehnt und so laesst man sich genuesslich ueber ‘Den Feind’ aus, als da waeren: Churchill, Roosevelt, Stalin, die tschechoslowakische Staatsfuehrung– das alte Vordergrund/Hintergrund-Phaenomen, man invertiert die Geschichte und auf dem Hintergrund der ‘Vetreibungen und Verfolgungen’ durch andere gerinnt die deutsche Schuld zu einem Phaenomen das nur dann noch von Relevanz ist, wenn man wirklich ‘konsequent’ vorgeht:

    “Es wird keine Vermischung von Völkern mehr geben, die endlose Querelen verursacht, wie es etwa in Elsass-Lothringen der Fall war”, sagte Churchill. Er bilanzierte damit Überlegungen, die im Foreign Office schon seit 1940, also kurz nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs, angestellt worden waren. Man sah in London den Transfer ganzer Volksgruppen, so die Ausweisung der drei Millionen Sudetendeutschen aus der Tschechoslowakei, als “Beitrag zum Frieden”. In den Regierungen der USA und der Sowjetunion dachte man ähnlich [ueberfluessig zu erwaehnen, dass die USA zwischen 1945 und 1950 mehr als doppelt soviele deutsche 'Vertriebene' aufnahm als displaced persons, also vor allem Juden, gez. ak]. Deshalb waren sich die drei Großmächte auf der Potsdamer Konferenz im Sommer 1945 rasch einig darüber, dass die Westverschiebung Polens und die Neufestlegung der Grenzen in Mitteleuropa mit der Umsiedlung von zehn bis zwölf Millionen Deutschen oder Deutschstämmigen einhergehen sollte.”

    Hier sollte man erwarten, dass endlich der historische Hintergrund, naemlich der vorherige Vernichtungskrieg der Deutschen, angesprochen wuerde, aber weit gefehlt, der Hintergrund fuer die Vertreibung der Deutschen ist nicht ihr Vernichtungskrieg, sondern das oben entworfene Panorama des ‘ethnischen Saeuberungswahnes’ der Alliierten:

    “Blickt man vor diesem Hintergrund auf die Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg, so ergeben sich größere Zusammenhänge als nur die Fixierung auf einzelne Politiker wie den tschechoslowakischen Präsidenten Edvard Benes, der freilich mit Churchill über die Aussiedlungspläne korrespondierte.”

    Dann aber besinnt man sich, dass man konsequenterweise ‘zum Beispiel’ auch die Verbrechen der Deutschen auf dem Hintergrund des ‘allgemeinen Saeuberungswahns’ nennen sollte:

    “Mathias Beer, Zeithistoriker am Institut für Donauschwäbische Geschichte und Landeskunde in Tübingen [Tuebnigen!], ist konsequent um die Beachtung solcher größeren Zusammenhänge [harhar] bemüht und weist zum Beispiel auch [!] auf die Umsiedlungsaktionen und Deportationen der Nazis hin. Deren Kriege und Verbrechen waren schließlich der Anstoß für die folgenden Vergeltungsmaßnahmen.”

    Achso, danke fuer die Information, darauf waeren wir ja allein gar nicht gekommen, denkt da der Grundschueler und verneigt sich vor dem deutschen Professor, ‘Umsiedlungsaktion’ hiess der Holocaust doch aber im Jargon der Nazi-Schergen, oder irrt sich da der Grundschueler, war es nicht doch etwa so gewesen, dass die Opfer der Deutschen direkt ihren Tod ‘umgesiedelt’ wurden, dass mehr oder weniger alle vom letzten Bahnwaerter bis zu Eichmann ziemlich genau darueber Bescheid wussten, dass die Schlote im Akkord rauchten, dass bis zuletzt, in Erwartung der roten Armee, alles was noch als irgendwie menschlich zurueckgeblieben war, in die Gaskammern und Vebrennungsoefen geschleust oder mit MGs niedergemaeht wurde, dass man zuvor peinlich jedweden ZyklonB-Engpass vermied, dass sogar die Rueckzugslinien der deutschen Wehrmacht Nachrang vor den unter Hochdruck gen Auschwitz rasenden Gueterzuegen voll mit dem Tod geweihten -Menschen- hatten? Dass selbst der Grossteil der faschistischen Allianzpartner, ob es die Italiener waren, das Horthy-Regime in Ungarn, die Kollaborationsregierung in Bulgarien, versuchten, soweit es in ihrem Machtbereich stand, Juden vor dem Zugriff der Deutschen, und zwar nur der Deutschen, zu retten? All das scheint fuer die Deutschen im 21. Jahrhundert irgendwie laestig, nervig, und so resuemiert Brill angesichts einer Publikation, die die ‘Politik’ der Vetriebenenverbaende kritisiert:

    “Hingegen haben Eva und Hans Henning Hahn als Leser offenbar eher jene Spezialisten im Auge, die sich als Forscher oder als Betroffene schon seit Jahrzehnten mit dem Thema beschäftigen. Im Fokus steht weniger das historische Geschehen selber als das Geflecht der Mythen und Legenden, die sich “im deutschen Erinnern” darum gebildet haben [gemein, stehen hier etwa (Volks-)Deutsche am Pranger?]
    Vor allem den Umgang der deutschen Vertriebenenverbände mit der Geschichte und die aus diesem Umfeld überlieferten Zeitzeugenberichte ziehen die Autoren in Zweifel: Darin würden die Vorgeschichte und Hintergründe der Vertreibung ignoriert.[was festzustellen einfach nicht objektiv ist, nicht wahr?] Sie schreiben: “Der Begriff ‘Vertreibung’ lenkt unsere Aufmerksamkeit auf eine bestimmte Auswahl von Informationen hin, aber zum Erkennen der historisch-politischen Zusammenhänge, in denen elf Millionen Deutsche zwischen 1939 und 1949 ihre Heimat im östlichen Europa und den einstigen deutschen Ostgebieten verloren, eignet sich der Begriff nicht.”
    Auch der verstorbene Sozialdemokrat Peter Glotz entgeht nicht dem Vorwurf der deutschnationalen Beschränktheit. Gelegentlich aber nervt die polemische Beckmesserei der Autoren, so wenn etwa auch dem brillanten Historiker Detlef Brandes ein “verengter Blickwinkel” unterstellt wird.”

    Das ist also die neue ‘Objektivitaet’ der deutschen Historiker: der Holocaust als ‘Umsiedlungsaktion’, die ‘Vertreibungen’ auf dem ‘Hintergrund’ der ‘ethnischen Saeuberungsbestrebungen’ der Alliierten, Kritik an Revisionismus und verkappter Holocaustleugnung als ‘nervige Beckmesserei’, warum schreibt man nicht fuer die Junge Freiheit, da koennte man sich ja immerhin mit Hartzheim ueber das unnoetige PC der ewigen Nestbeschmutzer das Maul zerreissen. Dass Brill noch 2008 durchaus faehig war, die Dinge beim Namen zu nennen, als da waeren: die Vernichtung der europaeischen Juden durch die *Deutschen*, erfaehrt man immerhin hier, hat ihm also die ‘Krise’ das Hirn vernebelt wie all jenen anderen im Zweifelsfalle national-armsteifen Apologeten des ‘hiesigen Prinzips’?

    “Mit Gedenkfeiern und Kranzniederlegungen ist am Montag in ganz Bulgarien an die Rettung der knapp 50 000 bulgarischen Juden vor der Vergasung durch die Nazis vor 65 Jahren erinnert worden. Zugleich gedachten die zahlreichen Teilnehmer dieser Veranstaltungen jener mehr als 11 000 Juden, die damals unter bulgarischer Herrschaft in Mazedonien, Nordgriechenland und Ostserbien lebten und die im Gegensatz zu den anderen an Deutschland ausgeliefert wurden. Die Nazis brachten sie in ihr Konzentrationslager Treblinka im besetzten Polen. Dort wurden sie ermordet.”

    andreask9

    November 21, 2011 at 10:34 pm

  9. Während der TageSSpiegel heute voller Selbstironie einen fraglos als Autoritaet praasentierten ‘Internet-Aktivisten’ mit dem offenbar nicht ganz tautologischen Ausspruch ‘Im Netz gibt es viele Idioten’ in grossen headlines zitiert, gibt der tagesspeigel selbst weiter unten hiervon wie gehabt die koestlichsten Exemplifikationen, man findet zu seinen, nun ja, Berliner Blockwarthaltungen zurueck, als da waeren: die Autozuendler wurden ‘schnell und hart’ abgeurteilt, denn ‘Schnell und hart abgeurteilt’, das werden im schoenen Deutschland wie schon im schoenen Nazideutschland doch vor allem: ‘Auslaender’, Linke, Muslime, Homosexuelle etc., wie wir schon erwaehnten: was damals schon gut war, kann heute nicht falsch sein. So also liest man ein vollmundiges

    http://www.tagesspiegel.de/berlin/polizei-justiz/zweieinhalb-jahre-haft-fuer-autozuendler/5905846.html

    “Die Justiz reagierte schnell und spürbar: Nur zwei Monate nach seiner Verhaftung wurde ein Autobrandstifter zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Der 25-jährige Tobias P. war auf frischer Tat gefasst worden. Im Minutentakt hatte er in Mitte drei Fahrzeuge angezündet. Es sei legitim, politisch gegen den „bevorzugten motorisierten Individualverkehr“ zu opponieren [oha? danke!]. Wer aber mit Brandanschlägen Terror verübe, begehe ein schwerwiegendes Verbrechen, sagte Richter Manfred Seiffe.”

    ‘Schwerwiegende Verbrechen’, dass diese Charakterisierung meist merkwuerdig überfluessig erscheint, sofern nur etwa ein schon mehrmals durch Trunkenheit am Steuer aufgefallener deutscher Lehrer in Moskau zwei Russen an einem Zebrastreifen plattmacht, sprich: toetet, hatten wir in diesem blog schon des oefteren beobachtet, man feiert oben die Abwesenheit einer Bewaehrungsstrafe als einmaligen Triumph der Justiz wo es in Wirklichkeit wieder nur eine weitere Manifestation der deutschen Barbarei und der Vergoetterung von ‘Macht’ in Form von trivialen Blechhaufen gibt, während im anderen Falle gerade die Abwesenheit einer Gefaengnisstrafe fuer das ‘humane’ deutsche Rechtssystem steht, das immer dem Staerkeren recht gibt (und auf seine ‘Augenblicksfehler’ [siehe unserr nationales Trrauma] verweist), niemals dem Schwaecheren, sofern der Schwaechere nur irgendwie Eigenschaften aufweist, die der Faschistenideologie als dessen ‘Selbst-Schuld’-Fehler ausgelegt werden koennen (‘Warum ist er auch nicht selbst im Auto unterwegs? wohl auf HartzIV? arbeitsfaules Radfahrer/Fussgaengergesindel!’, ‘Warum lebt er auch hier? soll er doch zurueckgehen nach [irgendwas im Sueden]‘ etc.). Wir erinnern uns auch noch einmal hieran: im achso ‘materialistischen Amerika’ gibt es harte Strafen fuer (fahrlaessigen) ‘car homicide’, deren Mindestmasse im allgemeinen weit ueber den hiesigen und hoechst selten verhaengten Hoechststrafen liegen (‘fahrlaessige Toetung’ hier: 5 Jahre). In Deutschland aber ist die Regelstrafe fuer fahrlaessige Toetung im Strassenverkehr die Geldstrafe:

    “Am 24. Juni 2009 überfuhr an der an der Danziger Straße Ecke Prenzlauer Allee ein LKW-Fahrer eine 34-jährige Radfahrerin bei einem Rechtsabbiegeunfall und schleifte sie etwa 40 Meter mit. Die Radfahrerin starb noch an der Unfallstelle.(..)
    Für diese Tat ist der Berufskraftfahrer vom Amtsgericht Berlin-Tiergarten wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe von 2.800 Euro verurteilt worden, zu zahlen in 70 Tagessätze a 40 Euro. Der 33-Jährige LKW-Fahrer sei beim Abbiegen unachtsam gewesen und habe durch dieses „kurze Versagen“ einen Unfall mit schrecklichen Folgen verursacht, urteilte das Verkehrsgericht.”

    http://www.rad-spannerei.de/blog/2010/12/16/geldstrafe-fuer-fahrer-eines-lkw-der-radfahrerin-zu-tode-schleifte/

    Und natuerlich hat all das rein gar nichts mit der autoritaer-faschistischen Vergangenheit dieses schoenen Landes zu tun, das sind ja alles Zufaelle, im schlechtesten Falle leidige Koinzidenzen, Erben des guten alten Preussens, denn was fuer eine wuderbare deutsche Geschichte und Kultur wurde nicht durch die ungluecklichsten Wendungen der juengeren Vergangenheit zerstoert, lassen wir uns doch zu dieser zurueckkehren, lassen wir das alte Preussen, die glitzernden Zeiten der kaiserlichen Groesse wiederauferstehen, wo man noch ungestraft vom Arier schwadronieren durfte und das Zigeuner-Gesindel von unseren Prachtwagen in den Strassenrand gespuelt wurde, hach die guten alten Zeiten ehemaliger Groesse, wie sehr wir sie vermissen.

    andreask9

    December 1, 2011 at 1:44 am

  10. ..vielleicht hier noch ein Kommentar aus der Diskussion in oben zitiertem blog:

    “Immer wieder erschreckend finde ich, dass in unfallträchtigen Bereichen, zu denen der Straßenverkehr nunmal gehört, eine Ethik gefunden wird, die den Opfern mindestens ein “sowas passiert eben”, schlimmstenfalls ein “selbst schuld” bescheinigt. Dieses Bild wird mehr oder weniger dominant von Medien, Polizei und Gerichten gezeichnet.
    Beobachtet man die Berichterstattung und vergleicht sie mit Unfällen wie dem des zuletzt getöteten Bahnmitarbeiters, so sieht man, wie sehr wir uns an tödliche Straßenverkehrsunfälle gewöhnt haben und wie unwichtig sie uns sind.
    HHmyPearl schreibt das, was viele denken – wer sich von einem Auto anfahren lässt, ist letztendlich selbst schuld, lieber sollte man auf die Teilnahme am öffentlichen Leben (in anderer Form als der des Autofahrens) verzichten. Auch hier hat sich die Sichtweise, unabhängig von Logik und Ethik, einfach pragmatisch der Einfachheit des Autofahrens angepasst.”

    (nur dass ich dies nicht ‘pragmatisch’ nennen wuerde, die Ideologie ‘dahinter’ ist menschenverachtend und umfassend, man koennte sie ohne Umschweife nach Adorno als ein Element eines faschistischen/rechtsextremen Weltbildes bezeichnen (‘F-Skala’), wieder einmal exemplifiziert durch die sogenannte ‘gesellschaftliche Mitte’)

    andreask9

    December 1, 2011 at 2:14 am

  11. ..vielleicht noch einmal zum Kontrast die Berichterstattung ueber einen aehnlichen Fall in den Niederlanden, unter der Überschrift ‘when cyclists matter’ liest man:

    http://hembrow.blogspot.com/2011/02/when-cyclists-matter-car-crash-and.html

    “The local newspaper was very much against the driver. They describe him as a “pirate” of the roads, and also as a “hufter”. That’s quite strong language for a newspaper, about as strong as “arsehole” in English. He was arrested and lost his driving license temporarily. He would have lost it permanently had he not passed an expensive exam to retain it. It was in the news for months.

    Dutch roads are very safe overall, and extremely safe for cycling and, as Mark points out in the video, they are getting safer: “There were 339 injuries and 7 casualties in 2000. The figures dropped sharply every year to 133 injuries and just 1 road death in 2009. Only 44 of these injured people needed medical treatment.” The figures are for all road users in the city, which has a population of about 140000. The attitude of road users has a lot to do with it, even in places such as on the video where the road layouts are rather old-fashioned.”

    andreask9

    December 1, 2011 at 2:24 am


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