la monodromie dialectique

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Gender und postmoderne Politik: eine Verwirrung

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Hier vielleicht an etwas exponierterer stelle mein kommentar zum Blogbeitrag der Philosophie-Studentin und Piraten-Aktivisten Lena R., die relativ unsymphatische und reichlich virile Physiker-Mitbewohner hat(te), nebenbei bemerkt, die weiland jedwedes Date mit hyper-intellektuellen StudiVZ-Nutzerinnen ruinierten und von wirklicher Mathematik im vertrauen gesagt auch nichts verstanden. Wie dem auch sei, in ihrem blog kommentiert Lena R. unterdessen das ‘gender-Problem’ der Piratenpartei unter zweierlei Gesichtspunkten, die, wie ich finde, durchaus endemisch sind fuer das (Selbst)Verstaendnis jener Partei: der erste Punkt konvergiert ungefaehr darauf, die Inhalte der Piratenpartei als ‘zu fortschrittlich’, um mit der stereotypen Sozialisation heutiger Frauen kompatibel zu sein, zu deklarieren, man dreht das Problem also um: aus dem Genderproblem der Piraten wird ein Rueckstaendigkeitsproblem der Gesellschaft, vor allem aber der Frauen. Dass man hierbei implizit glaubt, die Piraten, selbst in ihrem Berliner Landesvorstand muessten gewissermassen den relativen Anteil ‘progressiv/internetaffin’ gesinnter Frauen an der *Gesamtbevoelkerung* repraesentieren, so als seien die Piraten eine Art ‘Statistik’ fuer die Grundgesamtheit ‘progressiver/internetaffiner’ Menschen in Deutschland und der Landesvorstand nur eine Stichprobe, wuerden diese also (pseudo)mathematisch repraesentativ vertreten muessen, geht hierbei unter. Denn natuerlich kann eine Minderheit, gerade von der Groesse der Piraten, sehr gut auf die Verteilungsverhaeltnisse in der ‘Grundgesamtheit’ pfeifen, sollte sie sogar, muesste sie sogar, um genau das zu sein, was man behauptet: so ganz anders. So aber schreibt man:

Damit haben wir nun aber auch einen Handlungsauftrag: Wenn (wie ich annehme) Menschen mit XX-Chromosom nicht von Natur aus keinen Bock haben, Piraten(vorstand) zu werden, dann ist unsere Partei derzeit wohl wenig kompatibel mit klassisch weiblicher Sozialisation.

Darueber hinaus argumentiert man bezeichnenderweise mit dem ‘Unbewussten’:

Banaji, Greenwald und Nosek stellten mittels mehrerer aufeinander aufbauender Studien [2] fest, dass Frauen Mathematik um so negativer gegenüberstanden, sich um so weniger selbst als mathematische Person bezeichneten und um so schlechter in Mathematiktests abschnitten, je stärker sie Mathematik unbewusst mit Männlichkeit verknüpften und je stärker sie sich selbst als Frauen identifizierten. Umgekehrt schnitten Männer um so besser ab, mochten Mathematik um so lieber und bezeichneten sich um so öfter als mathematische Person, je stärker das Stereotyp unbewusst in ihnen verankert war und je stärker sie sich als Männer identifizierten. Interessant ist: Bei den Teilnehmenden dieser Studien handelte es sich ausschließlich um Personen, die von sich selbst behaupteten, keine bewussten Überzeugungen der Art zu besitzen, also keinesfalls der Meinung zu sein, dass “Mathe nix für Mädchen” sei. Die Stereotype konnten ihnen über einen Verknüpfungstest ausschließlich als unbewusste Annahmen nachgewiesen wurden.

Nun, die Befragung hat wohl vor allem die ‘abgefragten Ueberzeugungen’ von den tatsaechlichen Ueberzeugungen diskriminiert, warum man hier das sog. *Unbewusste* heranziehen muss, das durchaus seit jeher im Rufe steht, nicht eben emanzipative Argumentationsmuster zu bedienen oder sich aus diesen zu speisen, den Menschen also gewissermassen wesentlich durch nicht-menschliche, da nicht bewusste Gehirnprozesse, die wiederum nur Spiegel oder gar Motoren nicht-reflektierter, ‘tiefsitzender’ gesellschaftlicher Prozesse sind, zu determinieren, bleibt unklar. Jedwede Diskurse um Rassismus, Feminismus und Diskriminierung lassen sich mit dem Verweis auf ‘unbewusste gesellschaftliche Muster’ letztlich zu Gunsten der Hegemonie weitgehend neutralisieren. Fazit: die Unterrepraesentation der Frauen in der Piratenpartei soll als ‘unbewusstes’ und angesichts der ‘progressiven Programmatik’ unvermeidliches, Resultat gesellschaftlicher Hegemonialprozesse verstanden werden, fuer die man gewissermassen ‘nichts koenne’ – dass man sich eher die taeglichen Diskurse in der Piratenpartei anschauen sollte, die offenbar dazu fuehren, dass man wie wenige andere Parteien vom Aktivismus einer gender-egalitaeren urbanen Utopie weit entfernt ist, bleibt dabei leider aussen vor.

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Written by andreask9

October 2, 2011 at 1:23 pm

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4 Responses

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  1. ..Zitate aus dem Gruselkabinett dieser ‘Zivilisation’, moeglicherweise zeigt es sich hier, das wahre Gesicht der europaeischen Mathematik und Naturwissenschaft, 2000 Menschen mit dem Saebel abzuschlachten waere ‘Barbarei’, tut man dies mit dem Joystick, heisst es ‘Wunderwaffe’ und man fuehlt sich nicht zufaellig an Wernher von Braun erinnert, dessen Opportunismus noch vor der Selektion von KZ-Haeftlingen zur Kriegswaffenherstellung nicht haltmachte:

    “Sie gelten als Wunderwaffen im Kampf gegen al-Qaida: Etwa 2000 Menschen hat das US-Militär bereits durch Drohnen getötet. Jetzt soll ein Computervirus die Steuerzentrale der unbemannten Kampfflugzeuge befallen haben, geheime Daten könnten nach außen gelangt sein. Es wäre nicht das erste Mal – doch das Militär wiegelt ab.”

    http://www.sueddeutsche.de/politik/computervirus-soll-us-drohnen-befallen-haben-toetungsmaschine-mit-schnupfen-1.1157794

    andreask9

    October 8, 2011 at 12:52 pm

  2. ..das bemerkenswerte an letzteren SZ-Artikel ist doch vor allem dieser technisch-neutrale Jargon, mit dem man ueber das fuer und wider von Kriegsmaschinerie berichten zu koennen meint, hatte man in der SZ noch vor kurzem in aehnlich kuehler Manier einige formale (Menschen)rechtsbetrachtungen zum Drohneneinsatz in Afghanistan abgesondert, reicht es jetzt nicht einmal mehr hierfuer, man spricht vom Computervirenbefall der Mordmaschinen wie zehnjaehrige Kiddies von der Vernichtung der gegnerischen playmobil-Armee. Dass es sich bei den Autoren dieser Zeitung, bei den Protagonisten dieser Technik um Mitglieder der ‘hoechstentwickelten Zivilisation die das Universum bisher hervorbrachte’ handeln koennte, erscheint wie eine abstruse Note, es handelt sich in Wirklichkeit um kleine, dumme gewalttaetige Kinder, denen man besser niemals etwas anderes als eine Quietscheente in ihre Wurstfinger haette druecken duerfen. Aber das ist ja die eigentliche Lehre der letzten zwanzig Jahre weltweit: die kleine dummen Kinder und ihre Wurstfinger sind wieder am Druecker, universal und ohne Widerspruch von irgendjemandem, die Werbung fuer Militaer, Gewalt und Krieg dringt noch bis in die letzen Winkel von facebook, okcupid und ipod: Krieg im ‘Computerzeitalter’ ist hip, geil und in Zeitlupe endlos wiederholbar zum Ergoetzen der Wurstfinger.

    andreask9

    October 8, 2011 at 1:10 pm

  3. ..eine (scheinbar) ganz andere Art, mit der sich der Westen seiner ‘zivilisatorisch überwundenen’ Gewaltphantasien entledigt oder auch sich dieser ermaechtigt, ist die Tatsache, dass die Gewaltphantasien zeitgenoessischer US-Horrorplots, die in Wirklichkeit vor allem noch auf die fabrikmaessige Herstellung sexualisierter Gewalt abzielen, sich bis im Detail in den Exekutionsvideos der mexikanischen Drogenmafia wiederfinden, wir verlinken an dieser Stelle nur dies

    http://de.wikipedia.org/wiki/Wrong_Turn_2:_Dead_End

    die zugehoerigen Exekutionsvideos pubertaerer Mafiabanden kann sich der geneigte Leser selbst aus den Netz fischen, die SZ verlinkt gerne. Dass aber der ‘Westen’ als uneingestandene Sehnsuchtsprojektion der Armen und deklassierten Mexikos nicht ganz zufaellig hier als leuchtendes Vorbild fungiert, in intellektuelleren Publikationen liest man durchaus klug daherredend von einer ‘wound culture’, euphemisiert das Geschehen eher. Wie wir an anderer Stelle ausleuchteten, ist die westliche (Neu)ausrichtung allzu altbackener Wertesysteme, in einiger Emphasis von emphatischen Nietzsche-Verehrern a la Jimmy E. und Konsorten gelebt, durchaus dazu angetan, in regelmaessigen Mexiko-Trips ihre praktische Grundierung zu erfahren: ‘for the continuation of human evolution’ heisst ein Mordexzess durch die Brille der westlichen Pop-Elite betrachtet, und die Sterbenden, verstuemmelten und Augeweideten von Ciudad Juarez, sie sind Frauen, Frauen die sich erdreisten, ihr klagliches Einkommen aus ‘eigener Kraft’ in den Fabriken des Westens zu erwirtschaften, sie sind das Studienmaterial der selbstermaechtigten und von geeigneter Seite klammheimlich gedeckten Macho-Monstren der westlichen Alternativkultur: Rest in peace, my love.

    andreask9

    October 9, 2011 at 11:21 pm

  4. nun stammt der ‘Lieblingsspruch’ des Jimmy E. (laut formspring)

    “the love that you withhold is the pain that you carry”

    (Eintrag vom 20. April 2011, einem schoenen Vollmondtag)

    nicht ganz zufaellig nicht etwa von ihm, sondern von Alex Collier, einem besonders ‘tief schuerfenden’ Esoteriker und ‘UFO-Forscher’, der angibt, seit seiner Kindheit in Kontakt mit einer ‘nordisch aussehenden Rasse’ von ‘freundlichen’ Ausserirdischen zu stehen:

    “Alex Collier claims to be a ‘contactee’ with a race of Nordic looking humans from the constellation of Andromeda. He has had a number of contact experiences since his childhood and this developed over the years as he was given more and more information by his Andromedan contacts.”

    Warum diese ‘Ausserirdischen’ ‘nordisch’ aussehen, ist dem Aussenstehenden leicht zu erschliessen: handelt es sich doch um nichts anderes als ein Synonym fuer den den Wertefundus der Menschheit auf gleichsam goettliche Weise (neu) definierenden ‘Übermenschen’, womit wir unversehens bei Nietzsche angelangt waeren, oder auch direkt bei Hitler, denn dessen Phantasma vom ‘nordischen Uebermenschen’ speiste sich bekanntermassen direkt aus dem Glauben, einer ‘Mission’ anzugehoeren, die gleichsam direkt das inhaerente Erbe jener nordischen, gottgleichen Uebermenschen war, mit der kleinen Einschraenkung, laut Edgar, dass dieser noch nicht reif fuer diese goettlche Mission war, andere aber sind es, man hoere und staune, ganz offenbar schon weitaus eher.

    http://www.galacticdiplomacy.com/Contactees-Collier.htm

    andreask9

    October 11, 2011 at 8:11 pm


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