Rechter ‘Universalismus’ vs. linker Universalismus: Herrschaft vs. Emanzipation
In der oeffentlichen ‘Debatte’ um die Einordnung des rechtsradikalen Massenmoerders von Oslo sind gleich mehrere Dinge bemerkenswert: zum einen ist es die offenbare Unfaehigkeit der etablierten ‘linken’ wie rechten Medien, die seit langem der Wissenschaft bekannten scheinbar disjunkten Diskurssphaeren auf Seiten der ‘neuen Rechten’ auch nur mit rudimentaerer Sicherheit zu benennen, zum anderen ist es das peinliche Vermeiden der Benennung der eigentlich doch sattsam bekannten deutschen Vertreter von der Kategorie des Attentaeters Terroristen, die tatsaechlich unterhalb dieses Schweigens stattdessen einiges an ‘Krokodilstraenen’ in ihren blogs und Zentren des Hasses zu bieten haben. Eine besonders groteske Form dieses Schweigen-muessens liefert wie immer der Tagesspiegel ab, der sich ernsthaft fragt, wie es zu diesem ‘Erstarken des Rechtspopulismus in Schweden, Finnland, Daenemark und Norwegen’ habe kommen koennen, unfreiwillig komisch, aber wir befasen uns mit anderem, genauer gesagt mit der Diskurssphaere der ‘universalistischen Rechten’, der der Terrorist zweifellos zuzuordnen ist.
Kurz zur Information: die ‘universalistische Rechte’ proklamiert in Wiederaufnahme kolonialer ‘Ideen’ die Überlegenheit des europaeischen Werte- und Menschenbildes, projiziert dieses scheinbar wohwollend auf ‘Amerika’ und Israel und unterwirft ihrer Gegenerschaft alles, was dieser ‘Achse des Guten’ zu widersprechen scheint oder wirdersprechen zu muessen meint, eine Unterart der ‘universalistischen Rechten’ ist deshalb der Islamophobe a la PI, Stadtkewitz, Wilders und Konsorten. Dass und warum aber die sog. ‘universalistische Rechte’ im allgemeinen auf das trefflichste mit der ‘ethnopluralen Rechten’ a la Benoist zu harmonieren vermag, solange es nur darum geht, die essentiellen Feinde, als das waeren die Antirassisten, zu kennzeichen, soll hier kurz beleuchtet werden. Zunaechst sei auf einen, achtung sehr kruden Text der Anthroposophen verwiesen, die als traditionelle (rechte) ‘Ethnopluralisten’ exakt den antirassistischen Linken, nicht etwa den rechten ‘Universalisten’ unter scheinbarer Benutzung von Argumenten des franz. Philosophen André Taguieff vorwerfen, nicht nur Rassismus durch die Hintertuer einzufuehren, indem einerseits essentialistische Weltbilder durch entweder pures Anbiedern an die ‘Differenz’ oder aber deren Gegenteil, das *Gleichmachen* jewedweder Differenz produziert wuerden, beides ist den Augen der Anthroposophen darueber hinaus bemerkenswerterweise offenbar eine natuerliche Folge einer re-Adaption ‘universalistisch-individualistischer moderner’ Konzepte, die man als guter Esoteriker natuerlich verdammt:
Die Moderne ist – seit dem Anbruch der Neuzeit – individualistisch. Sie wertet das Individuum gegenüber dem gesellschaftlichen oder gemeinschaftlichen Ganzen auf. Der Rassismus, der aus dem Zerfall der Einbindung des Individuums in ein Gemeinschaftsganzes (Religion, Stände, Berufskorporationen, Familie, Ethnien) hervorging, also konstituierende individualistische Züge aufweist [!], beruht ebenso wie der Antirassismus auf der individualistischen Ideologie. Rassismus und Antirassismus teilen kritiklos die meisten grundlegenden Axiome des Individualismus und stellen zwei miteinander konkurrierende Varianten desselben dar.
Ja, der Individualismus als Kulturverfall, die guten alten Staende als Rassismuswall, das verlorene Gemeinschaftsgefuehl, das Schwanken zwischen Individualismus und ‘Menschheit’, eine klassische rechtskonservative Ideologie hingegen, die all diesem das konkrete Etwas des lokalen und nationalen Kollektivs entgegensetzt und die es gar in Form von ‘Kraft durch Freude’ und Hitlerjugend bis in das nationalsozialistische Bewusstsein der ‘deutschen Moderne’ geschafft hat, aber das ficht den Anthroposophen von heute natuerlich nicht an. Nach einigem weiteren wirren Gelaber ueber Gemeinschaft, Kollektiv und ‘Moderne’ deutet man als Wurzel all jener diskursiven Uebel den Universalismus der ‘Antirassisten’:
Die Ideologie der Moderne ist hochgradig individualistisch und universalistisch zugleich, sie wertet die vermittelnden kollektiven oder kommunitären Sphären ab, und damit auch die Unterschiede zwischen Nationen, Kulturen und Völkern, um das Individuum von den »Fesseln des Kollektivs« zu befreien. Der Antirassismus erbt die Parteinahme für das Universelle, er erhebt sie zum Dogma. Die universalistische Position verpflichtet zum Glauben an die Gattung [?!], auf den sich der vulgäre Antirassismus reduziert.
Wie wirr und vulgaer (‘Individualismus= Universalismus=Gattung’) man aber selbst denkt, hierbei natuerlich auf duemmliche Art Formeln der kritischen Theorie aufnehmend, wird in folgendem Absatz aber hinreichend klar:
»Rassisten« und Antirassisten reagieren unterschiedlich auf die Krise, von deren Realität beide überzeugt sind. Erstere wehren sich gegen eine drohende Invasion oder Zerstörung der Identität der Gemeinschaft, einen drohenden Raub des Arbeitsplatzes oder eine Vergewaltigung des Nationalkörpers [!]. Die Antirassisten sehen in dieser Reaktion den spezifischen Rassismus von xenophoben Nationalisten. [Hervorhebung von ak]
Sicherlich, wer hier die implizite Parteinahme nicht herausliest muss schon einige Datteln vor den Augen haben, deshalb wenden wir uns nunmehr durchaus angeekelt von den Anthroposophen dieser Tage ab und schauen uns an, wie die junge world stattdessen von einem mehr als zweifelhaften Universalismus-Begriff a la anti-Deutschen oder PI zu einem aufgeklaerten Antirassismus und Universalismus zu kommen gedenkt, zunaechst skizziert man mit einigem Recht, dass ein eurozentrischer ‘Universalismus’ in der Konsequenz in bester Kolonialtradition ungefaehr homolog auf die ethnoplurale Segregation der ‘globalisierungskritischen Rechten’ a la Benoist hinauslaeuft, mit dem Unterschied vielleicht einer Betonung europaeischer Hegemonie:
Die zweite Position findet sich im antideutschen Spektrum. Hier wird die »westliche Zivilisation« gegen den Islamismus, zunehmend auch: gegen den Islam, hochgehalten. Und es wird, wie anlässlich des Irak-Kriegs, der bewaffnete Import »bürgerlicher Verkehrsformen« in außereuropäische Kontexte befürwortet. Zweifellos ist eine Bekämpfung des Islamismus geboten und eine rationale Kritik am Islam als religiös-ideologischem System bzw. an verschiedenen islamisch begründeten Alltagspraktiken dringend nötig [nun ja]. Aber schon die naiv-unmaterialistische Basis, von der aus solche Positionen in den meisten Fällen formuliert werden, macht sie für eine antiherrschaftliche Gesellschaftskritik unbrauchbar.
Aus unserer Perspektive ist hier sicherlich das Wort vom ‘anti-herrschaftlichen’ Diskurs, dessen Negativ exakt den Kitt zwischen rechten Ethnopluralisten und ‘Universalisten’ bildet, ausschlaggebend, das Dispositiv der ‘Herrschaft’ unterliegt, in jeweils alternierenden Formen, sowohl dem rechten Diskurs um eine (achtung Floskel) ‘friedliche Koexistenz’ der Kulturen sowohl wie dem um die angebliche Bedrohung der ‘universellen Werte der Europaer’ durch das ‘andere’, es geht beiden Diskursen letztlich, in scheinbar disjunkten Verkleidungen, um nichts anders als um eine Fortsetzung (post)kolonialer Diskurse um ‘konstituierende Differenz’, ‘Leitkultur’ und Herrschaft, paradoxerweise wird exakt das scheinbar universelle Vehikel der Menschenrechte hierzu gebraucht, als angebliches Derivat der europaeischen Kultur und universalistisches Prinzip einerseits oder aber als angebliches Korrelat von ‘Differenz’ und ‘essentiellem Anderssein’ andererseits, beide Argumentationen berufen sich implizit oder explizit auf einen effektiven Primat der (europaeischen) Kultur in der globalen Deutung und im scheinbaren Schutz des Prinzips Menschrecht. Doch gehen wir zurueck zur jungle world, hier schlaegt man in Ablehnung beider Positionen vor:
Demgegenüber soll hier für eine dritte Position plädiert werden: gegen Rassismus (auch in seiner kulturalistischen Spielart) und für die Verteidigung des universalistischen politischen Anspruchs auf Emanzipation, der von einer grundsätzlichen Gleichheit aller Menschen ausgeht. Dabei muss genauer bestimmt werden, was unter Universalismus zu verstehen ist. Es geht um zweierlei: einerseits um einen Anspruch, der aus einer politischen Perspektive formuliert wird und damit »situiert« ist; andererseits um ein antiherrschaftliches Projekt, dass sich von uniformierend-verallgemeinernden Universalismen, die herrschaftlich, »von oben« durchgesetzt wurden und werden, unterscheidet. Kurzum: Der Bewertungsmaßstab für Universalismus sollte seine herrschaftssubvertierende oder -stabilisierende Wirkung sein.
Um schliesslich noch weiterhin zu illustrieren, dass das Element der Herrschaft ganz unterschiedliche Vertreter der neuen Rechten zu einen scheint, sei auf folgendes Buch des Soziologen Volker Weiss verweisen, der die elitistische Grundstruktur der anti-republikanischen Stroemungen der Weimarer Republik in den neuen rechten Demagogen der Gegenwart wiederauferstehen sieht, wir kommen hier zurueck auf die bekannten Figuren, hier sittsam geeint in einer Koalition des neuen wohlsituierten Klassen- und ‘Rassen’duenkels:
Die Forderung nach »Elite« hat Konjunktur. Dabei wohnt der Debatte die Tendenz inne, vom Bestehen gesellschaftlicher Funktionseliten auf die Existenz einer generell höher begabten Menschengruppe zu schließen. Die Befähigung zur »Elite« wird schließlich auf die biologische Disposition einer privilegierten Gruppe zurückgeführt: ihre »Rasse«, vererbte Intelligenz oder genetische Veranlagung.
Volker Weiß analysiert, wie sich das Bedürfnis nach Abgrenzung einer Elite in Deutschlands jüngerer Vergangenheit äußerte: von Ortega y Gasset und Friedrich Sieburg über Botho Strauß bis hin zu Peter Sloterdijk und Thilo Sarrazin. Er weist nach, dass dieses Bedürfnis nach »Elite« in direkter Tradition der republikfeindlichen Theoretiker der Weimarer Zeit steht und heute von einer »neuen« Rechten befeuert wird, der an einer konservativen Revolution gelegen ist. Ihr Ziel ist die Revision gesellschaftlicher Liberalisierungen seit dem Ende der sechziger Jahre. Neu ist, dass sich diese Strömung nicht nur mit dem Gestus der Opfer und Tabubrecher präsentiert, sondern dass sie mit dieser Strategie Erfolg hat.
..villeicht hier noch ein Hinweis auf einen Kommentar (danke an Kuebra), der in erschreckender Weise zeigt, mit welcher Normalitaet ‘rechts sein’ in Deutschland von Leuten, die sich ‘links’ duenken inzwischen rezipiert wird, die neue Rechte schafft es, ganz aehnlich wie der Moerder von Oslo, sich als die eigentlichen Opfer dieser Gesellschaft zu zelebrieren, als die ‘Ausgegrenzten’, als ‘politische [!] Gegner’ die Solidaritaet von ‘ausgeklaerten linken Bettgenossinnen’ erfahren:
http://ein-fremdwoerterbuch.blogspot.com/2011/07/out-beyond-ideas-of-wrongdoing-and.html?showComment=1311560211156#c248000536644574077
“Hey Kübra,
auf einer Demo, wo alle Gruppen aufgeheizt sind und Schutz in der Masse ihrer Gleichgesinnten suchen, kommt man sicher schwer ins Gespräch mit dem “politischen Gegner”. Gut, dass du da gekniffen hast. Aber ich bewundere deinen Mut und deinen offenen Blick, deine unbändige Neugierde.
Mein erster Freund war Neonazi, ich selbst war Linke. Mich fesselte sein Stolz und sein Rückrat, eine Sache durchzuziehen, auch wenn alle dagegen sind. Damals lernte ich die Welt der Rechten kennen, hörte, was einige von ihnen denken. Ich fand damals sogar Freunde in der Szene, die mich so akzeptierten, wie ich war. Ganz im Gegensatz zu meinen linken Freunden, die mich plötzlich behandelten wie eine Aussätzige.
Seit der Zeit bin ich gegen die Ausgrenzung der Rechten, weil Ausgrenzung alles nur verschlimmert, aber nichts bessert. Hass bekämpft man nicht mit sozialer Isolation. Viele schmücken sich mit ihrer linken Einstellung, um sich selbst auf die Schulter zu klopfen und um ein echtes Feindbild zu haben. Ich finde das arm.
Auch Rechte sind Menschen und Meinungsfreiheit gilt für Jeden. Wenn es uns möglich wäre, einen offenen Dialog zu führen, dann wäre auch Toleranz ein schaffbares Ziel. Solange die Rechten in ihren Grundrechten beschnitten und wie zweitklassige Menschen behandelt werden, solang werden sie immer (usw usf.)”
meine Antwort:
“Auch Rechte sind Menschen und Meinungsfreiheit gilt für Jeden.”
..nun das ist koestlich, versuche einmal, in Deutschland die Meinung zu vertreten, der Typ mit Glatze da drueben/der Polizist auf der anderen Seite sei ein ‘Kinderficker’, ein ‘Bullenschwein’ oder sogar ein ‘Nazi’, mit solchen ‘Meinungsfreiheiten’ befassen sich deutsche Gerichte tatsaechlich seit 150 Jahren, etwa 60.000 Verfahren im Jahr, mehr als in irgendeinem anderen Land der Welt.
Ein Land, in dem man nicht ‘Scheissdeutsche’ sagen kann, ohne dass über Ausweisung debattiert wird, in diesem Land muss man lesen, wie man sich implizit im Konsens darueber ereifert, dass der als Konsequenz des NS eingefuehrte Volksverhetzungsparagraph hoffentlich schleunigst abgeschafft werde, die einzige rechtliche Handhabe abseits von die Herrschenden schuetzenden ‘Beleidigungsgesetzen’ von Minderheiten ‘unten’ gegen Mehrheiten ‘oben’, die ersteren ihr Lebens- und Existenzrecht absprechen? Ist es wirklich Zufall, genau in diesem Land von jenen angeblich unterdrueckten ‘Nazis’ zu hoeren, Leuten, die mehr oder weniger das offen aussprechen, was laut diversen Studien ohnehin 70% ihrer deutschen Zeitgenossen denken?
Noch einmal: wer wird marginalisiert: der rassistische Diskurs oder die Opfer des rassistischen Diskurses? Wer ist das Opfer: die Sexpartnerin des Nazis oder die Schwarzen, die von ihnen zu Tode gehetzt werden, wenn sich nur die Gelegenheit bietet und man hinreichend gelaunt ist?
‘Neonazis’ sind keine Revoluzzer, sie sind die eigentlichen Spiesser und Konformisten dieses Landes und genau als jene vermitteln sie auch die Normalitaet, die Menschen wie Fatja stolz ausrufen laessst, es handele sich ja auch ‘um Menschen’. Sicherlich, sie sind Menschen, sie sind erschreckend normal und ihre Handlungen sind und waren in diesem Land, nicht nur im achso seltsamen Norwegen, erschreckend normal. Aber muessen diese mich persoenlich darueber belehren? Muss ich mir dieses Opfergesuelze ihrer Bettgenossinnen anhoeren? Schaemt euch und versuchts mal mit Poliakov oder Friedlaender oder May Ayim fuer den Anfang, all das, worueber diese Menschen ihr Leben lang bis zur Verzweiflung schrieben, haben Menschen angerichtet, eure achso unpolitischen und verfolgten Freunde im achso gesellschaftlichen ‘abseits’.
andreask9
July 25, 2011 at 2:27 am
..unseer relatives Schweigen bedeutete im uebrigen nicht, dass uns die unfassbare Dummheit der deutschen Berichterstattung ueber den Terroristen von Oslo entgangen waere, nicht nur dass man das Wort ‘Terrorist’ peinlich vermeidet, wo es das einzig angebrachte waere, nicht nur, dass man den offenbar selbst dem rechten Spektrum zugehoerigen Verteidiger des Terroristen breit mit dessen peseonlichen Mutmassungen zur angeblichen ‘Verruecktheit’ des in Wirklichkeit kuehl-rechtsradikalen Taeters zitiert, nicht nur dass man (Achtung Widerspruch!) auf fast unterwuerfige Art in einem fort von den ‘Gedanken’ und den ‘Ideen’ des Terroristen spricht und dessen Selbstmord ‘befuerchtet’, allesamt Dinge, die im Falle jedwedes ‘Islamisten’ unmoeglich gewesen waeren, aber warum ist der eine a priori ‘das andere’ und niemand fragt sich jemals, wie ‘dieses’ zu seiner ‘Bosheit’ denn eigentlich gekommen waere, denn das wissen wir ja ohnehin alle, waehrend es sich im Falle des blonden-blauaeugigen rechtsradikalen Terroristen alle fragen: woher kommt diese Bosheit dieses ‘intelligenten Menschen’. Nun, vielleicht sollten wir hier den tageSSpiegel-Autoren etwas auf die Spruenge helfen: vielleicht von der jahrelangen Lektuere deutscher Zeitungen wie solcher des Tagesspiegels? Vielleicht durch Lektuere jener Artikel, die weisse gutgestellte Heiligenseer Gewalttaeter in einem fort als ‘interessante und gebildete Menschen’, deren Opfer aber als ‘eigentliche Taeter’ und aus ‘kriminellem Umfeld stammend’ beschreiben? Vielleicht durch spassige Lektuere von wochenlanger medialer Hetze gegen dreissig Roma im Kreuzberger Bethanien? Vielleicht durch Lektuere von jahrelangem ‘wsisenschaftlichen Beleuchten’ von ‘Absteigerbezirken’ Berlins vs. der ‘besseren Leute’? Vielleicht durch Lektuere von eilfertig gleich unter dem blonden Taeter-Heros erscheinenden geiferneden Artikeln ueber die Boesartigkeit von ‘muslimischen’ Ehrenmoerdern a la Sürücü-Familie?
Vielleicht aber auch durch konsequentes verlogenes Ausblenden rudimentaerer Denkprozesse, die es ermoeglicht haetten zu verstehen, was genau man andernorts unter der ‘Mitte der Gesellschaft’ versteht? Nun, wir duerfen die lieben Deutschen bzw. die europ. Rechtsradikalen nicht überfordern und zitieren kurz und unkommentiert einen der voellig beilaeufigen und scheinbar unbemerkten Gipfelpunkte im Diskurs der deutschen Medien um die Heroisierung bzw. dialektisch-verlogene Abspaltung rechtsradikaler Taeter und die Veraechtlichmachung ihrer Opfer:
“Da ist ein allem Anschein [aha?] nach intelligenter junger Mann in einem der reichsten und sozial gerechtesten Länder der Welt. Er engagierte sich jahrelang politisch, bei den Freimaurern und den norwegischen Rechtspopulisten von der Fortschrittspartei, die im Vergleich zu ähnlichen Parteien in Europa sehr gemäßigt sind. Er trug nach eigenen Angaben mit seiner Basisarbeit dazu bei, die Partei zu einer der stärksten politischen Kräfte des Landes zu machen. Es geht bei dieser Arbeit vor allem auch gegen das in den Jahrzehnten der Herrschaft etablierte System von Seilschaften rund um die regierende Arbeiterpartei.”
http://www.tagesspiegel.de/politik/stiefbruder-von-mette-marit-unter-mordopfern/4427454.html
(‘Basisarbeit’, ‘engagiert’, ‘sehr gemaessigt’–vielleicht mal ein wenig Adornos ‘Studies of Prejudice’ lesen: das etablierte ‘System’, also die politische Klasse und Figuren, nicht etwa die falschen gesellschaftlichen Strukturen, waren seit jeher Ziel der faschistischen Rebellion, siehe Weimarer Republik)
andreask
July 27, 2011 at 1:16 am
..man sollte noch erwaehnen, dass die Anthroposophen in ihrem Glauben, die Aufwertung des Individuums allein fuehre unweigerlich in den Glauben an die ‘Gattung’, exakt die Transformation der Öffentlichkeit uebersahen, die aus der politischen Klasse im altem Griechenland etwa, in der es um die Auszeichnung des einzelnen ging, eine ‘Gesellschaft’ machte, die fuerderhin das Strukturprinzip der ‘Familie’ uebrnahm, also jedweder Auszeichnung gerade entgegenwirkte. Die amorphisierende Hitlerjungend der Nationalsozialisten war also keine Entwicklung, die erst in einer Aufloesung der achso stabilisierenden Staende, Religionen etc. wurzelte, sie wurzelte in einer Transformation der Gesellschaft, die mit dem fruehen Christentum begann, im europ. Mittelalter exakt durch die Verschiebung des antiken Begriffes von ‘Ewigkeit’, der nur durch irdische Auszeichnung errungen werden konnte, zu einem Begriff der (chistlichen) Unsterblichkeit, die nur im jenseits erreicht werden konnte, fortgesetzt wurde, und die mit der Verherrlichung des ‘animal laborans’ in der industrialisierten Massengeellschaft ihren natuerlichen vorlaeufigen Gipfelpunkt gefunden hatte. Diesen komplizierten Prozess als simplen Gegensatz von ‘Universalismus/Individualismus’ vs. ‘Kollektiv’ zu bezeichnen ist gerade im Angesicht der Tatsache, dass das ‘Kollektiv’, auch die ‘Ethnie’ und fuerderhin die ‘Nation’ selbst selbst an der Faschisierung der europ. Gesellschaften konstitutiv beteiligt war, hochgradig zweifelhaft.
andreask
July 27, 2011 at 2:18 am
..und natuerlich zeichnete sich schon der aukommende Rassismus/Nationalismus im Europa des 19. Jahrhunderts durch alles andere als durch eine Aufwertung des Individuums aus, die wiederum auf die franz. Revolution zurueckging, Rassismus und Nationalismus waren eine genaue Gegenbewegung zu den emanziptorischen Bewegungen der Aufklaerung und halfen, Herrschaftsformen jeder Art gegen erstere zu behaupten bzw. mit diesen in ‘Einklang’ zu bringen. Natuerlich war die Anthroposophie ein Bestandteil dessen, es ging ihr um ‘Bewahrung’ der Privilegien des Buergertums (‘Staende’) gegen die aufkommenden Emanzipationsbewegungen, noch heute in jeder Waldorfschule zu beobachten.
andreask
July 27, 2011 at 3:29 am
..weiterhin naehert sich die deutsche Justiz und Staatsanwaltschaft den Standards des dritten Reiches an: ein Rentner erschiesst einen Jugendlichen nach einem Raubueberfall auf dessen Flucht (durch Schuss in den Ruecken), der offenbare Notwehrexzess spielt bei der Bewertung seltsamerweise keine Rolle, der Renter habe sein ‘Eigentum’ verteidigt:
http://www.sueddeutsche.de/panorama/staatsanwaltschaft-stellt-ermittlungen-ein-renter-erschoss-raeuber-in-notwehr-1.1125551
“Ein Rentner aus Sittensen muss wegen der tödlichen Schüsse auf einen flüchtenden Räuber keine Konsequenzen fürchten. Die Staatsanwaltschaft in Stade hat die Ermitllungen wegen des Verdachts auf Totschlag eingestellt. Der Mann habe in Notwehr gehandelt, teilte die Behörde mit. Deshalb sei er berechtigt gewesen zu schießen, obwohl die Räuber da schon auf der Flucht gewesen seien. “Er hat sein Eigentum verteidigt.”"
Man muss sich das ganz vor Augen fuehren: es wird nicht einmal Anklage erhoben, obwohl die Notwehrparagraphen folgendermasen leuten und jeder Rechtstsudent im zweiten Semester solche Faelle als klassischen Notwehrexzess lernt:
http://homepages.physik.uni-muenchen.de/~Klaus.Steinberger//budo/fsv/node3.html
“# Paragraph 32 StGB – Notwehr
1. Wer eine Tat begeht, die durch Notwehr geboten ist, handelt nicht rechtswidrig.
2. Notwehr ist die Verteidigung, die erforderlich ist um einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen abzuwenden.
# Paragraph 33 StGB – Notwehrüberschreitung
Überschreitet der Täter die Grenzen der Notwehr aus Verwirrung, Furcht oder Schrecken, so wird er nicht bestraft.
# Paragraph 34 StGB – Rechtfertigender Notstand
Wer in einer gegenwärtigen, nicht anders abwendbaren Gefahr für Leben, Leib, Freiheit, Ehre, Eigentum oder ein anderes Rechtsgut eine Tat begeht, um die Gefahr von sich oder einem anderenabzuwenden, handelt nicht rechtswidrig, wenn bei Abwägung der widerstreitenden Interessen, namentlich der betroffenen Rechtsgüter und des Grades der ihnen drohenden Gefahren, das geschützte Interesse das beeinträchtigte wesentlich überwiegt. Dies gilt jedoch nur, soweit die Tat ein angemessenes Mittel ist, die Gefahr abzuwenden.”
‘Das geschuetze Interesse das beeintraechtigte wesentlich ueberwiegt”, ‘angemessenes Mittel’, zweitausend euro befanden sich in der Geldboerse, die der 16jaehrige trug, der 16jaehrige war ‘Deutscher mit albanischem Migrationshintergrund’, es wird nicht einmal Anklage erhoben. Wohlgemerkt: es wird nicht einmal argumentiert, der Rentner habe aus Furcht oder Schrecken einen Notfallexzess herbeigefuehrt, es wird simplerweise argumentiert, das Geld überweigt den Wert des Lebens des Jugendlichen, man habe sein Eigentum verteidigt. Schreckliches Deutschland.
http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,734824,00.html
“Inzwischen steht die Identität des getöteten 16-Jährigen zweifelsfrei fest. Es handelt sich laut den Angaben wie bereits vermutet um einen Deutschen albanischer Herkunft. “
andreask9
July 28, 2011 at 12:45 pm
..durch inzwischen 12jaehrige Hollywood- und Fernsehabstinenz der ueblichen Brutalitaet gaenzlich entwoehnt, ueberrascht das derzeitige deutsche Fernsehprogramm, gesehen in Reinickendorf, dann doch: *deutsche* (schauer) Pornographie zur Prime time, Reality TV, das [echte!] offene Knochenbrueche von Skatern mehr doer weniger in Grossaufnahme zeigt, nebst echter Qual und Geschrei, zur spaeteren Stunde dann das uebliche aus US-und-A: exzessive Gewalt gegen alle und jeden, vor allem aber, seit nunmehr ein paar Jahren, gegen Frauen, ausgeweidete Frauen, Schaedel aufgebohrte Frauen, aber auch Penisse abschneidende Frauen und Massenmoerder-Roboter-Zombie-Frauen: all das hat sich der Feminismus scheinbar redlich verdient und die Bereicherung im Abendprogramm fuer unsere Kids immens (Achtung Kulturpessimismus). Was aber am meisten verblueffte, ist dass der Antirassistische Diskurs auch Eingang ins Hollywoodkino gefunden hat, das sieht dann etwa so aus wie im aktuellen Thriller (2009) ‘Push’
http://www.imdb.com/title/tt0465580/
der eine verquaste aber immerhin unterhaltsame Story um Menschen mit ‘übersinnlichen’ Faehigkeiten breit tritt, die sich, wie sollte es anders sein, gegenseitig bis aufs Blut bekaempfen, um an, so ist es eben im Horizont der easy-jet-Jugend, einen Hartschalenkoffer nebst Inhalt zu gelangen. Aber kommen wir zum eigentlichen: der Plot entwickelt sich um Charaktere, die wie eigens fuer ein weisses Mittelstandspublikum entworfen scheinen, mit der Modifikation allerdings, dass sich auch die ‘Antirassisten’ unter ihnen wohlfuehlen sollen, und so bedient man sich folgender Mittel: man nimmt zwei *gute* Identifikationsfiguren, die natuerlich voellig weiss (m/w) sind, aber nicht so weiss gewissermassen, dass es weh tun wuerde, denn die Rolle des weiss-dass-es-wehtut hat ein Curd-Juergens artiger blonder und blausaeugiger Boesewicht, der allerdings, und hier kommen weitere Finessen ins Spiel, nur Assistent des Schwarzen Ober-Boesewichts ist, die beide fuer ‘die Regierung’ arbeiten und wo letzterer im Stile von Tarantinos Samuel L.Jackson Boesewicht agiert, denn seitdem sind schwarze Boesewichter im US-mainstream-Kino ja nicht mehr nur wieder erlaubt sondern vor allem: hip. Da das ganze (Urlaub-Exotismus-cool etc.) in Hongkong spielt, sind natuerlich alle ‘medium Boesewichter’, also die ‘kleinen Fische’ weder weiss noch schwarz sondern, richtig ‘asiatischer Ethnie’ und die Medium-Oberboesewichtin dieses Segments wird mit dem Soundtrack einer Berliner Band, die eine Saengerin aufweist, die ihr so ‘in etwa’ aehnlich sieht und obendrein auch noch herrlich boese-quaengelnd singt, eingefuehrt, Rassen-Aesthetik fuer Connaisseure gewissermassen- ahja, die Ambivalenz-Verschlagenheits-Figur ist weiblich und bruenett, die ungebrochen gute Identifikationsfigur ‘alternativ’ und ‘blond’ und irgendwie altkluges Kind.
Da aber natuerlich auch ein paar junge PC-Seminaristen unter den Zuschauern sind, wie man annimmt, hat der ‘PC’-Ausschuss der Produzenten ein oder zwei ‘gute Asiaten’ auch beigemischt, alles angereichert mit einem guten, weil hierzu bekehrten ‘Moslem’, dessen Rolle irgendwie hineinkonstruiert wirkt; uebrigens bei all dem ‘PC’ waere es ueberfluessig anzunehmen, dass es fuer eine/n ‘gute/n Schwarze/n’ auch noch gereicht haette, das waere dann doch zuviel der Anstrengung gewesen. Alles in allem gipfelt der Film in einer Art Kampfsequenz (man darf raten, wer einzig ueberlebt..), die Mao-artige Kampftruppen im Duell mit SOWOHL den staatlich-boesen und von einem Schwarzen gefuehrten institutionalisierten Boesen zeigt gegen jene Mao-Boesen und mittendrin die weissen Rucksacktouris (counterculture strikes back!) aus dem weissen europaeischen/US-Mittelstand, die sowohl von Mao als auch von der (Schwarzen?) US-Regierung ja ganz sicherlich nichts mehr wissen wollen, wegen der (postmaterialistischen) Counterculture eben. Dass all dem eine krude Botschaft zugrundeliegt, die mich streckenweise sehr an den ziemlich antisemitischen ‘Meister und seine Margarita’ von Bulgakow erinnerte, sei hier nur am Rande erwaehnt. Haengen blieb vor allem: rassistischer Aesthetizismus zum Wohlfuehlen, durchkalkulierte Schluesselreize auf Primitivo-Niveau, keine Identifikationsfiguren fuer PoC oder nicht-weisse-Mittelstaendler whatsoever, so sieht wohl der Hollywood-Antirassismus in der ‘Postmoderne’ aus, zweifellos.
andreask
August 3, 2011 at 2:21 am
..wie gehabt Alltag im ‘gelaeuterten Deutschland’ (Stichwort aufgeklaerte Aussenbezirke Berlins):
http://www.berlin.de/polizei/presse-fahndung/archiv/353133/index.html
“Eine 56-Jährige erschien heute Mittag in einem Polizeiabschnitt und zeigte an, dass sie und ihre Tochter in der Vergangenheit fortlaufend beleidigt wurden. Die Anzeigende zog Mitte Juni diesen Jahres mit ihrer 38 Jahre alten Tochter in eine Eigentumswohnung in Westend. Seit dem Einzug sollen mehrere Mieter des Hauses Mutter und Tochter wegen ihres jüdischen Glaubens beleidigt haben. Der Polizeiliche Staatsschutz des Landeskriminalamtes hat die weiteren Ermittlungen wegen Volksverhetzung übernommen.”
(wiederum: ‘Beleidigung’ = Rassismus)
andreask
August 4, 2011 at 12:28 am
..wie immer in der Berichterstattung ueber Verbrechen unter den ‘anderen’: die Tat wird kollektiviert, man spricht von ‘traditionalistischen Milieus’, wo in Wirklichkeit soziale Exklusion ist, die rein gar nichts mit Tradition, Ethnie oder Religion zu tun hat, offenbar hat niemand der tsp-Autoren jemals im Wedding gewohnt, aber die Mechanismen, die weisse deutsche HartzIV-Empfaenger die Treppenhaeuser ihrer Nachbarn abfackeln laesst sind weitgehend identisch mit jenen, die zu der jetzigen Bluttat fuehrten und sind letztlich, so tut es mir ja leid zu sagen, auf deutschem Mist gewachsen. Wir werden das noch naeher ausfuehren, aber schon das Schulsystem etwa in Deutschland exludiert insbesondere ‘tuerkische Migranten’ in absonderlicher Weise, man kann ungefaehr sagen, dass es um einiges wahrscheinlicher ist, als marokkanischer Zuwanderer in Frankreich einen Hochschulabschluss und Doktor zu machen als als tuerkischer Zuwanderer in dritter Generation in Deutschland aufs GYmnasium zu gehen, wir werden das noch beleuchten.
http://www.tagesspiegel.de/berlin/polizei-justiz/schuesse-auf-offener-strasse-mutter-und-tochter-tot/4464020.html
andreask9
August 4, 2011 at 8:48 pm
..hier vorn einmal abgesehen: die voyeuristische Art, mit der die Toten (und die Trauernden!) dieser Tat im Tagesspiegel ausgestellt werden, traegt einmal mehr rassistische Zuege, unser eherner Grundssatz: unsere Toten und Trauernden sind Persoenlichkeiten mit zu schuetzender Wuerde und Privatheit, die Toten der anderen sind einfach ‘corps’, bodycount, totes Material, fuer reisserische Bilderstrecken jeder Art zu missbrauchen, die Trauernden soap opera mit besonderem thrill fuer den Germanen-Kleinbuerger.
andreask9
August 4, 2011 at 9:02 pm
..wie ueblich, die taz beteiligt sich mit debil-nationalistischen ‘Analysen’ von der Art
“Die englische Oberklasse und konservative Machtallianz beunruhigt das Ganze natürlich noch mehr. England unter Cameron kann wie Frankreich unter Sarkozy nach wie vor als Klassengesellschaft bezeichnet werden: Man gehört vor allem dann nicht dazu, wenn man die falsche Hautfarbe oder den falschen Familiennamen hat, denn bei der Jobsuche oder der Polizeikontrolle nützt auch der richtige Pass nicht viel. Man ist Staatsbürger dritter Klasse. Junge Männer und Frauen finden keine Arbeit.
Das brutale Erbe der Kolonialzeit
Das ist das Antlitz des Rassismus, das Erbe der kolonialen Grandiosität, der Überlegenheit der weißen “Rasse”, ihres Militärs und ihrer Polizei. Es sitzt im französischen, englischen wie – sklavereibedingt – im amerikanischen Nationalbewusstsein wie Karies in einem faulen Gebiss. Nicht sichtbar, aber laufend Zerstörung hinterlassend. ”
am Diskurs ueber die Krawalle in Grossbritannien, Subtext: in Deutschland gibt es keinen Rassismus, sondern ‘Integrationsprobleme’, die Deutschen waren nicht am Kolonialismus beteiligt, im deutschen Nationalbewusstsein sitzt der Rassismus nicht wie ‘Karies im faulen Gebiss’. Aber in der Tat, wenn man selbst diesen Karies bildet (soll heissen: dieser karies *ist*), ist es in der Tat schwierig, ihn mit hinreichender Sicherheit zu erkennnen.
andreask9
August 14, 2011 at 2:53 pm
..vielleicht hier noch ein Kommentar in anderer Sache aus dem Maedchenmannshcaft-blog, es geht um sexuelle Übergriffe, das Machtgefaelle im Sexuellen:
http://maedchenmannschaft.net/der-taegliche-slutwalk/#comment-46181
..eine Sache gefaellt mir an dieser Stelle nicht: die individuelle Perspektive unterschlaegt, dass das Problem nicht das maennliche Testosteron ist, oder die Schlechtigkeit der Maenner per se, sondern das gesellschaftliche Machtgefaelle, solche Uebergriffe sind moeglich, weil Maenner die Macht haben sie als ‘Kavaliersdelikte’ zu praesentieren. Will sagen: haetten Frauen diese Macht, würden diese Uebergriffe von Frauen begangen. Als jemand der zumal im Sommer gern im Park ‘halbnackt’ (Badehose) liegt und dann oft ziemlich, sagen wir ‘südlaendisch’ wirkt, kann ich an dieser Stelle sagen, dass zumindest ‘ungebuehrliches ‘ Verhalten von, fast immer weissen deutschen Frauen mir gegenueber nicht ganz selten ist, ich sage nicht dass dies vergleichbar waere, aber es handelt sich um provokant-nahes Vorbeigehen und hierbei spoettisches Lachen, obwohl der Park *gross* ist, minutenlanges Starren oder Kichern mit Freundinnen in kurzer Entfernung, demonstratives Ballspielen-direkt-hinter mir mit Kind, immer von diesem Starren begleitet. Je angezogener die anderen sind und je weniger angezogen ich, desto ausgepraegter all das. Sicherlich, all das ist nur nervig, nicht physisch, eher unterschwellig, aber ich habe mich schon oft degradiert gefuehlt in diesen Momenten, natuerlich auf subtile Art.
andreask9
August 15, 2011 at 6:05 pm
..wohin der oben kurz erwaehnte Philosemitismus der ‘antideutschen’ ‘linken’ Kreise fuehrt, laesst sich mit bemerkenswerter Praegnanz in einer aktuellen, natuerlich ueberaus ausfuehrlichen und wohlwollenden, Tagesspiegel-Rezension einer neuen Publikation des durchaus schon an anderer Stelle als Rassist hervorgetretenen Goetz Aly studieren. Man wirft sich ins Zeug, die ‘Juden’ zu verteidigen und konstruiert sie im gleichen Atemzug als das ‘absolut andere’, sogar die ‘andere Rasse’ (s.u.), die man im Deutschland der Romantik und waehrend der Weimarer Republik aus unerfindlichen Gruenden als ‘feindselig’ konstruiert habe, als sei nicht die Konstruktion des ‘anderen’, gerade in Europa, nur dafuer geschaffen worden, dieses ‘andere’ zu denunzieren. So also laesst man bei Aly also genuesslich den durchweg ‘elitaeren Juden’ wiederauferstehen, der er selbstverstaendlich, auch in Deutschland, nie war, wie sogar der Tagesspiegel durch die Zeilen schimmern laesst:
“„Selbstemanzipation kraft Bildung“ nennt Aly die Emanzipationsbestrebungen der Juden und belegt das mit allerlei Zahlen und Statistiken. So machten um 1900 proportional gesehen jüdische Schulkinder achtmal häufiger mittlere und höhere Schulabschlüsse als christliche. Das sollte sich dann an den Universitäten genauso bemerkbar machen wie in der durch diese Abschlüsse ermöglichten Wahl hochqualifizierter Berufe und den damit verbundenen höheren Einkommen und sozialen Stellungen.(..)
Knapp ein Prozent betrug der Anteil der Juden an der deutschen Gesamtbevölkerung Anfang der dreißiger Jahre. Manchmal fragt man sich bei der Lektüre Alys, ob dieses eine Prozent durch die Bank in höchsten, Neid und Missgunst auslösenden Stellungen zu finden und bei einem hohen Assimilierungsgrad auch auszumachen war. Ja, ob es überhaupt kein jüdisches Proletariat wie etwa in Osteuropa gab. ”
Nun, vor allem laesst Aly offenbar unerwaehnt, dass dieses ‘juedische Proletariat’ in Osteuropa keineswegs die Gnade der Deutschen finden sollte, im Gegenteil: wie man bei Hilberg im Detail nachliest, beschleunigte die schwache soziale Stellung, die Armut vieler osteuropaeischer Juden, ihre Vernichtung immens und verringerte die Wahrscheinlichkeit, durch Auswanderung oder Flucht, u.a. nach Palaestina dem Naziterror zu entgehen, siginifikant. Auch befleissigten sich die deutschen Behoerden diverser Ruecksichtnahmen, die sie im Falle deutscher Juden anfaenglich zeigten, etwa in der Behandlung juedischer Veteranen des 1. Weltkrieges, in Osteuropa keineswegs. Nicht-juedische Ehepartner von Juden in Osteuropa schliesslich waren von der Vernichtung ebenso gandenlos betroffen wie ihre Partner. All das unterschlaegt man offenbar und tut so, als habe gerade der ‘sozialdemokratische’ Bias der NSDAP gerade der Vernichtung der Juden in Europa durch Proklamation eines ‘Gleichheitsterrors’ Vorschub geleistet und vergisst damit auch, dass diese ‘Gleichheit’ der Nazis, wenn sie jemals existierte, eine Gleichheit vor dem Kanonenrohr und der Gaskammer war, niemals eine Gleichheit als lebendige Menschen mit Rechten, das ‘andere’ wurde gerade konstruiert, ganz wie Aly es tut, um die groteske Ungleichheit UND Unfreiheit der Menschen vor dem autoritaere Terrorstaat zu verschleiern: seht, solange ihr keine Juden, Roma, Schwarze oder Homosexuelle etc. seid, gehoert ihr zu ‘uns’.
Schliesslich verzerrt man noch die Realitaeten im Hinblick auf die Vernichtung der juedischen ‘Rasse’ (ohne Anfuehrungszeichen, s.u.), indem man behauptet, die Deutschen haetten die Vernichtung ihrer ‘geisteskranken’ Verwandten widerspruchslos hingenommen:
“Wer hinnimmt, dass enge Verwandte sterilisiert, als Ballastexistenzen bezeichnet und an unbekannte Orte deportiert werden, weil sie als erbbiologisch wertlos gelten, der nimmt auch hin, dass die Angehörigen einer als feindlich denunzierten Rasse von Amts wegen verschwinden.“”
Dem war eben exakt nicht so, wie man bei Hilberg im Detail liest, liess Hitler schon in den ersten Kriegsjahren wegen *massiver* Proteste von Familienangehoerigen und christlichen Kirchen von seinem Euthanasie-Programm ab. Diese Proteste aber hat es, weder von Seiten der ‘aufrechten Deutschen’, noch von Seiten der christlichen Kirchen, im Falle der Juden niemals gegeben, Aly ist also nichts anderes als ein germanophiler, rassistischer Geschichtsklitterer.
andreask9
August 16, 2011 at 12:50 pm