la monodromie dialectique

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Archive for July 2011

Rechter ‘Universalismus’ vs. linker Universalismus: Herrschaft vs. Emanzipation

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In der oeffentlichen ‘Debatte’ um die Einordnung des rechtsradikalen Massenmoerders von Oslo sind gleich mehrere Dinge bemerkenswert: zum einen ist es die offenbare Unfaehigkeit der etablierten ‘linken’ wie rechten Medien, die seit langem der Wissenschaft bekannten scheinbar disjunkten Diskurssphaeren auf Seiten der ‘neuen Rechten’ auch nur mit rudimentaerer Sicherheit zu benennen, zum anderen ist es das peinliche Vermeiden der Benennung der eigentlich doch sattsam bekannten deutschen Vertreter von der Kategorie des Attentaeters Terroristen, die tatsaechlich unterhalb dieses Schweigens stattdessen einiges an ‘Krokodilstraenen’ in ihren blogs und Zentren des Hasses zu bieten haben. Eine besonders groteske Form dieses Schweigen-muessens liefert wie immer der Tagesspiegel ab, der sich ernsthaft fragt, wie es zu diesem ‘Erstarken des Rechtspopulismus in Schweden, Finnland, Daenemark und Norwegen’ habe kommen koennen, unfreiwillig komisch, aber wir befasen uns mit anderem, genauer gesagt mit der Diskurssphaere der ‘universalistischen Rechten’, der der Terrorist zweifellos zuzuordnen ist.

Kurz zur Information: die ‘universalistische Rechte’ proklamiert in Wiederaufnahme kolonialer ‘Ideen’ die Überlegenheit des europaeischen Werte- und Menschenbildes, projiziert dieses scheinbar wohwollend auf ‘Amerika’ und Israel und unterwirft ihrer Gegenerschaft alles, was dieser ‘Achse des Guten’ zu widersprechen scheint oder wirdersprechen zu muessen meint, eine Unterart der ‘universalistischen Rechten’ ist deshalb der Islamophobe a la PI, Stadtkewitz, Wilders und Konsorten. Dass und warum aber die sog. ‘universalistische Rechte’ im allgemeinen auf das trefflichste mit der ‘ethnopluralen Rechten’ a la Benoist zu harmonieren vermag, solange es nur darum geht, die essentiellen Feinde, als das waeren die Antirassisten, zu kennzeichen, soll hier kurz beleuchtet werden. Zunaechst sei auf einen, achtung sehr kruden Text der Anthroposophen verwiesen, die als traditionelle (rechte) ‘Ethnopluralisten’ exakt den antirassistischen Linken, nicht etwa den rechten ‘Universalisten’ unter scheinbarer Benutzung von Argumenten des franz. Philosophen André Taguieff vorwerfen, nicht nur Rassismus durch die Hintertuer einzufuehren, indem einerseits essentialistische Weltbilder durch entweder pures Anbiedern an die ‘Differenz’ oder aber deren Gegenteil, das *Gleichmachen* jewedweder Differenz produziert wuerden, beides ist den Augen der Anthroposophen darueber hinaus bemerkenswerterweise offenbar eine natuerliche Folge einer re-Adaption ‘universalistisch-individualistischer moderner’ Konzepte, die man als guter Esoteriker natuerlich verdammt:

Die Moderne ist – seit dem Anbruch der Neuzeit – individualistisch. Sie wertet das Individuum gegenüber dem gesellschaftlichen oder gemeinschaftlichen Ganzen auf. Der Rassismus, der aus dem Zerfall der Einbindung des Individuums in ein Gemeinschaftsganzes (Religion, Stände, Berufskorporationen, Familie, Ethnien) hervorging, also konstituierende individualistische Züge aufweist [!], beruht ebenso wie der Antirassismus auf der individualistischen Ideologie. Rassismus und Antirassismus teilen kritiklos die meisten grundlegenden Axiome des Individualismus und stellen zwei miteinander konkurrierende Varianten desselben dar.

Ja, der Individualismus als Kulturverfall, die guten alten Staende als Rassismuswall, das verlorene Gemeinschaftsgefuehl, das Schwanken zwischen Individualismus und ‘Menschheit’, eine klassische rechtskonservative Ideologie hingegen, die all diesem das konkrete Etwas des lokalen und nationalen Kollektivs entgegensetzt und die es gar in Form von ‘Kraft durch Freude’ und Hitlerjugend bis in das nationalsozialistische Bewusstsein der ‘deutschen Moderne’ geschafft hat, aber das ficht den Anthroposophen von heute natuerlich nicht an. Nach einigem weiteren wirren Gelaber ueber Gemeinschaft, Kollektiv und ‘Moderne’ deutet man als Wurzel all jener diskursiven Uebel den Universalismus der ‘Antirassisten’:

Die Ideologie der Moderne ist hochgradig individualistisch und universalistisch zugleich, sie wertet die vermittelnden kollektiven oder kommunitären Sphären ab, und damit auch die Unterschiede zwischen Nationen, Kulturen und Völkern, um das Individuum von den »Fesseln des Kollektivs« zu befreien. Der Antirassismus erbt die Parteinahme für das Universelle, er erhebt sie zum Dogma. Die universalistische Position verpflichtet zum Glauben an die Gattung [?!], auf den sich der vulgäre Antirassismus reduziert.

Wie wirr und vulgaer (‘Individualismus= Universalismus=Gattung’) man aber selbst denkt, hierbei natuerlich auf duemmliche Art Formeln der kritischen Theorie aufnehmend, wird in folgendem Absatz aber hinreichend klar:

»Rassisten« und Antirassisten reagieren unterschiedlich auf die Krise, von deren Realität beide überzeugt sind. Erstere wehren sich gegen eine drohende Invasion oder Zerstörung der Identität der Gemeinschaft, einen drohenden Raub des Arbeitsplatzes oder eine Vergewaltigung des Nationalkörpers [!]. Die Antirassisten sehen in dieser Reaktion den spezifischen Rassismus von xenophoben Nationalisten. [Hervorhebung von ak]

Sicherlich, wer hier die implizite Parteinahme nicht herausliest muss schon einige Datteln vor den Augen haben, deshalb wenden wir uns nunmehr durchaus angeekelt von den Anthroposophen dieser Tage ab und schauen uns an, wie die junge world stattdessen von einem mehr als zweifelhaften Universalismus-Begriff a la anti-Deutschen oder PI zu einem aufgeklaerten Antirassismus und Universalismus zu kommen gedenkt, zunaechst skizziert man mit einigem Recht, dass ein eurozentrischer ‘Universalismus’ in der Konsequenz in bester Kolonialtradition ungefaehr homolog auf die ethnoplurale Segregation der ‘globalisierungskritischen Rechten’ a la Benoist hinauslaeuft, mit dem Unterschied vielleicht einer Betonung europaeischer Hegemonie:

Die zweite Position findet sich im antideutschen Spektrum. Hier wird die »westliche Zivilisation« gegen den Islamismus, zunehmend auch: gegen den Islam, hochgehalten. Und es wird, wie anlässlich des Irak-Kriegs, der bewaffnete Import »bürgerlicher Verkehrsformen« in außereuropäische Kontexte befürwortet. Zweifellos ist eine Bekämpfung des Islamismus geboten und eine rati­onale Kritik am Islam als religiös-ideologischem System bzw. an verschiedenen islamisch begründeten Alltagspraktiken dringend nötig [nun ja]. Aber schon die naiv-unmaterialistische Basis, von der aus solche Positionen in den meisten Fällen formuliert werden, macht sie für eine antiherrschaft­liche Gesellschaftskritik unbrauchbar.

Aus unserer Perspektive ist hier sicherlich das Wort vom ‘anti-herrschaftlichen’ Diskurs, dessen Negativ exakt den Kitt zwischen rechten Ethnopluralisten und ‘Universalisten’ bildet, ausschlaggebend, das Dispositiv der ‘Herrschaft’ unterliegt, in jeweils alternierenden Formen, sowohl dem rechten Diskurs um eine (achtung Floskel) ‘friedliche Koexistenz’ der Kulturen sowohl wie dem um die angebliche Bedrohung der ‘universellen Werte der Europaer’ durch das ‘andere’, es geht beiden Diskursen letztlich, in scheinbar disjunkten Verkleidungen, um nichts anders als um eine Fortsetzung (post)kolonialer Diskurse um ‘konstituierende Differenz’, ‘Leitkultur’ und Herrschaft, paradoxerweise wird exakt das scheinbar universelle Vehikel der Menschenrechte hierzu gebraucht, als angebliches Derivat der europaeischen Kultur und universalistisches Prinzip einerseits oder aber als angebliches Korrelat von ‘Differenz’ und ‘essentiellem Anderssein’ andererseits, beide Argumentationen berufen sich implizit oder explizit auf einen effektiven Primat der (europaeischen) Kultur in der globalen Deutung und im scheinbaren Schutz des Prinzips Menschrecht. Doch gehen wir zurueck zur jungle world, hier schlaegt man in Ablehnung beider Positionen vor:

Demgegenüber soll hier für eine dritte Position plädiert werden: gegen Rassismus (auch in seiner kulturalistischen Spielart) und für die Verteidigung des universalistischen politischen Anspruchs auf Emanzipation, der von einer grundsätzlichen Gleichheit aller Menschen ausgeht. Dabei muss genauer bestimmt werden, was unter Universalismus zu verstehen ist. Es geht um zweierlei: einerseits um einen Anspruch, der aus einer politischen Perspektive formuliert wird und damit »situiert« ist; andererseits um ein antiherrschaftliches Projekt, dass sich von uniformierend-verallgemeinernden Universalismen, die herrschaftlich, »von oben« durchgesetzt wurden und werden, unterscheidet. Kurzum: Der Bewertungsmaßstab für Universalismus sollte seine herrschaftssubvertierende oder -stabilisierende Wirkung sein.

Um schliesslich noch weiterhin zu illustrieren, dass das Element der Herrschaft ganz unterschiedliche Vertreter der neuen Rechten zu einen scheint, sei auf folgendes Buch des Soziologen Volker Weiss verweisen, der die elitistische Grundstruktur der anti-republikanischen Stroemungen der Weimarer Republik in den neuen rechten Demagogen der Gegenwart wiederauferstehen sieht, wir kommen hier zurueck auf die bekannten Figuren, hier sittsam geeint in einer Koalition des neuen wohlsituierten Klassen- und ‘Rassen’duenkels:

Die Forderung nach »Elite« hat Konjunktur. Dabei wohnt der Debatte die Tendenz inne, vom Bestehen gesellschaftlicher Funktionseliten auf die Existenz einer generell höher begabten Menschengruppe zu schließen. Die Befähigung zur »Elite« wird schließlich auf die biologische Disposition einer privilegierten Gruppe zurückgeführt: ihre »Rasse«, vererbte Intelligenz oder genetische Veranlagung.
Volker Weiß analysiert, wie sich das Bedürfnis nach Abgrenzung einer Elite in Deutschlands jüngerer Vergangenheit äußerte: von Ortega y Gasset und Friedrich Sieburg über Botho Strauß bis hin zu Peter Sloterdijk und Thilo Sarrazin. Er weist nach, dass dieses Bedürfnis nach »Elite« in direkter Tradition der republikfeindlichen Theoretiker der Weimarer Zeit steht und heute von einer »neuen« Rechten befeuert wird, der an einer konservativen Revolution gelegen ist. Ihr Ziel ist die Revision gesellschaftlicher Liberalisierungen seit dem Ende der sechziger Jahre. Neu ist, dass sich diese Strömung nicht nur mit dem Gestus der Opfer und Tabubrecher präsentiert, sondern dass sie mit dieser Strategie Erfolg hat.

Written by andreask9

July 25, 2011 at 12:03 am

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Traverser les lignes rouges

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An dieer Stelle sei den getreuen Lesern vielleicht ein Hinweis in eigener Sache gestattet: unter obigem Titel findet man seit kurzem hier eine gewissermassen unverbindliche und nicht-repraesentative Auswahl der ‘besten’ nicht-essayistischen und leider groesstenteils wenig ‘politischen’ Prosatexte aus diesem blog sowie noch ein wenig, nun ja, Lyrik, sowie fernerhin einige bisher unveroeffentlichte Texte inkl. der überaus weit ausholenden Geschichte ‘Das Meer’. Überfluessig zu erwaehnen, dass jedwede Prosa und Lyrik in diesem Band auf frei erfundenen Begebenheiten basiert, Aehnlichkeiten mit lebenden (oder verstorbenen) Personen rein zufaellig sind etc. und insbesondere keinerlei biographische Bezuege existieren, ein Punkt den hier zu erwaehnen von allergroesster Wichtigkeit erscheint. Wen es interessiert, bitte kaufen, in Kuerze wird das Ganze hoffentlich auch als Billig-ebook erscheinen (wen’s nicht interessiert: auch kaufen, danke). Ferner sei noch angemerkt, dass diese Texte als ‘kuenstlerisches’ oder historisches Dokument die Geistesverfassung des Autors zur Zeit ihrer Entstehung spiegeln, und deshalb durchaus nicht alle geeignet sind, den Masstaeben fortgeschrittener emanzipativer Diskurse vollstaendig zu genuegen, man moege das mit Hinweis auf das in diesem blog diskutierte und die (weisse, prvilegierte) Sozialisation des Autors im Einzelnen entschuldigen.

Yolanda traegt ein wunderbar blau-weiss gebluemtes Kleid, das irgendwie, wie ich sofort denke, alternativ aussieht, sie ist ein wenig klein, hat blonde Locken und ein ein wenig veraengstigtes Lachen auf ihrem runden jungen Gesicht, das mich fragt, ohne etwas zu sagen: Gibst du mir von deiner Schokolade. Und ich frage sie auf englisch, ob sie nicht etwas von meiner Schokolade abhaben will und sie antwortet ‘certainly, thank you’ und ich frage sie, wo das Meer sei, ich deute auf die niedrigen gruenen Buesche, die vorbeihuschen, auf den Horizont, und frage sie, wo das Meer sei. ‘The sea! The sea!’ antwortet sie, lacht einen Moment spoettisch auf und verschwindet mit der Haelfte der Schokolade im Gang.

Traverser les lignes rouges

Written by andreask9

July 24, 2011 at 4:22 pm

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Ze germans have learned democracy

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Someone who still believes the healthy and righteous ones in Berlin-Kreuzbergian Food-Coops worshipping bees and ‘equality of all species’ (generously including Persons of Colour) had learned their avantgarde ‘leftist lectures’ in their ‘urban’ surroundings and NOT by those inevitable Nazi-neighbourhoods in scenic south-german villages is encouraged to take a closer look at this, don’t hesitate to read their headlines:

(flower power revolution in ze air)

Finally let us recall the following again (cited from here):

“Hans Fantel was entering his teens when Hitler invaded Austria in 1938. Initially, he joined his companions in celebrating. A few weeks later, however, the Gestapo came to arrest a [jewish] neighbor, the lawyer Mr. Eisler. The neighbor’s dog attacked the intruders and was shot. Hans Fantel was not particularly concerned about the neighbor, but he had played with the dog. The housekeeper who looked after young Hans tried to comfort him, saying, “It doesn’t matter….It’s a Jewish dog.” As Hans pondered this, he found it made little sense. Did dogs
have creeds? For the first time, he began to doubt Hitler (Fantel, 1995).”

Written by andreask9

July 12, 2011 at 10:56 pm

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